Firma aus Halle entwickelt einzigartiges Röntgenverfahren

5. Februar 2014 | Wirtschaft | Keine Kommentare

Eine Firma aus Halle (Saale) hat ein Gerät zur Ganganalyse von Tieren entwickelt. Vorgestellt wurde es im Rahmen des 7. Tierarztkongresses wurde an der Universitätsklinik Leipzig.

Bei dem Gerät bewegen sich Tiere aller Arten auf einem Laufband und werden mittels Röntgenapparaten untersucht. „Dieses Verfahren ist auch für Großtiere geeignet und aus diesem Grund bisher einzigartig in ganz Europa“, bestätigt Karl-Heinz Böhme, Patentinhaber und Geschäftsführer von Böhme Medizintechnik GmbH.

Dass ein in Halle (Saale) ansässiges Unternehmen das Patent für diese Apparatur innehat, mache ein Mal mehr deutlich, dass sich die Saalestadt als attraktiver und konkurrenzfähiger Wissenschaftsstandort behaupten könne, so Böhme. Dieser Fakt sei „für die Zukunft absolut richtungsweisend“, zeigt sich Böhme optimistisch.

Während das Tier sich auf einem Laufband bewegt, wird es von der Apparatur von zwei Seiten geröntgt. Es entstehen Hochgeschwindigkeits-Röntgenfilme, die im Anschluss mit Daten des jeweiligen Tieres aus dem Computertomografen kombiniert werden. Aus diesen Ergebnissen lassen sich präzise 3D-Animationen des Knochenapparates erstellen. So wird den Forschern ein hochpräzises Erfassen von Bewegungen der tierischen Gelenke ermöglicht, was bis dato nicht möglich war. Der bisherige weltweite Standard sah eine Oberflächenmarkierung der tierischen Haut vor, während die Bewegungen des Vierbeiners mit Kameras festgehalten wurden. Da sich die Haut des Tieres jedoch ebenfalls bewegt, sind die erzielten Ergebnisse weit weniger genau. Die neue Methodik ermöglicht eine Untersuchung mit Hilfe von Röntgenstrahlung, die die tierische Haut durchleuchtet und den Ärzten ein direktes Bild auf die Bewegung des Knochens ermöglicht. Eine weitere Besonderheit ist die Vielseitigkeit der Apparatur. In der neuen Röntgenanlage können zukünftig nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Großtiere wie Pferde und Rinder untersucht werden.

Prof. Dr. Peter Böttcher, Oberarzt der Kleintierklinik der Universität Leipzig, nutzt die Anlage zur intensiven Analyse des tierischen Skeletts. Böttcher ist gebürtiger Münchner und studierte in seiner Heimatstadt Veterinärmedizin. Im Jahr 2002 zog es ihn jedoch in die Region Mitteldeutschland, genauer: nach Leipzig. Dort arbeitete er zunächst als Kleintierchirurg und wurde zwei Jahre später Diplomate des European College of Veterinary Surgeons (ECVS). Seit 2007 obliegt Prof. Dr. Böttcher die Verantwortung für die chirurgische Abteilung der Leipziger Klinik für Kleintiere. Die Orthopädie und insbesondere die arthroskopische Diagnostik sowie die Behandlung von Pathologien der großen Gelenke gehören zu seinen Spezialgebieten.

Derzeit treffen sich mehr als 4000 Veterinärmediziner im benachbarten Leipzig zum aktiven Erfahrungsaustausch und zur Diskussion neuer Behandlungsverfahren. Die vorgestellte Anlage zur Analyse tierischer Gelenke bildet einen wichtigen Bestandteil des diesjährigen Kongresses.

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