Es wird gebaut: Gestaltungsbeirat diskutiert mehrere Großprojekte

17. September 2012 | Wirtschaft | 4 Kommentare

Ein Wohn- und Praxisgebäude im Paulusviertel, die Umgestaltung des Regierungspräsidiums, der Neubau eines Bürohauses in der Gustav-Anlauf-Straße, ein Geschäftshaus am Boulevard un der Umbau der Steintor-Kreuzung: das waren die großen Themen des Gestaltungsbeirates am Montag im Stadthaus in Halle (Saale). Nach zwei Pause und sogar der Gefahr der kompletten Abschaffung kommt nun der Gestaltungsbeirat der Stadt Halle (Saale) erstmals wieder zusammen, wenn auch noch nicht mit voller Besetzung und einigen neuen Gesichtern. So waren die Architekten Hans-Otto Brambach und Peter Frießleben erstmals dabei. Auch der neue Stadtplaner Lars Loebner und Planungsdezernent Uwe Stäglin hatten bislang noch keine Sitzungen verfolgt. Im Oktober werden zudem zwei weitere Mitglieder bestimmt.

Das Gremium aus Architekten hat die Aufgabe bei großen Bauprojekten zu beraten und mögliche Gestaltungsideen einzubringen. Für den Bauherren ist das Votum zwar nur beratend, die meisten gehen aber zumindest teilweise auf die Anregungen ein. Es sei eine sehr fruchtbare und inhaltsreche Sitzung gewesen, meinte Uwe Stäglin. Man wolle kein Gestaltungszensor sein, sondern Anregungen an Bauherren und Architekten geben, machte er deutlich. „Wir sind froh, dass der Gestaltungsbeirat weiter tagen kann“, sagte Beiratsvorsitzende Antje Osterwold. Qualität und Offenheit im Baugeschehen. Man sei ausgleichendes Moment zwischen den an einem Bauprojekt beteiligten Gruppen wie Bauherren, Architekten und der Öffentlichkeit. Man wolle neutral Stellung beziehen.

Wohn- und Praxisgebäude in der Ludwig-Büchner-Straße
Auf dem Programm steht unter anderem der Bau eines Wohn- und Praxisgebäudes in Paulusviertel in der Ludwig-Büchner-Straße / Ecke Steffenstraße. Die derzeitige unbebaute Brachfläche soll verschwinden. Das Erdgeschoss soll für eine Arztpraxis genutzt werden. Das Augen-Laser-Zentrum, derzeit im Nachbargebäude am Rathenauplatz ansässig, will die Räumlichkeiten für die eigene Erweiterung nutzen und dadurch mehr Platz bieten. Außerdem ist ein barrierefreier Zugang geplant, der im benachbarten Altbau nicht machbar ist. Bis zu 150 Patienten am Tag werden erwartet. Die beiden Etagen darüber für Wohnungen. Im Keller ist eine Tiefgarage vorgesehen. Viel Glas soll in dem Gebäude verbaut werden, eine ökologische Bauweise ist vorgesehen. Außerdem soll es einen 400 Quadratmeter großen Dachgarten geben. „Ein sehr engagiertes Projekt eines privaten Investors“, lobte Antje Osterwold. Einige Gestaltungsideen wegen der Lage im Paulusviertel habe man Architekten und Bauherren aber mit auf den Weg gegeben. Ende des Jahres soll darüber noch einmal diskutiert werden.

Geschäftshaus Leipziger Straße
In der Leipziger Straße ist der Abriss des ehemaligen Woolworth-Kaufhauses vorgesehen. An Stelle dessen ist ein neues dreistöckiges Geschäftshaus vorgesehen, das einige riesige Fläche bieten kann. Zwei Ladenlokale über zwei Etagen soll es geben Das Grundstück endet an der Tiefgarageneinfahrt des Ritterhauses an der Sternstraße. In diesem Bereich gibt es derzeit das ehemalige Lager von Woolworth und einen Schotterparkplatz, wobei der Parkplatz noch erworben werden müsste. Andernfalls wird ein eine kleinere Variante geben. Mit diesem Projekt war der Beirat eher unzufrieden. Zwar gebe es durchaus positive Ansätze an der Fassade. Doch das Hauptproblem sei die städtebauliche Einordnung. Zwei Häuser sollen abgerissen und ein Neubau errichtet werden. Der Beirat regte an, ob nicht die ursprüngliche Zweigliederung erhalten bleiben kann. Daneben befand man die Glasflächen als zu groß. Deutliche Kritik gab es an der Gestaltung im hinteren Teil des Gebäudes Höhe Christian-Wolff-Straße / Sternstraße. Hier spiele für den Bauherren Gestaltung keine Rolle. Der Beirat dagegen legt Wert darauf, dass auch im hinteren Bereich vermeintlicher Nebenstraßen ordentlich gebaut wird.

Bürogebäude Gustav-Anlauf-Straße
In der Gustav-Anlauf-Straße direkt neben dem Ratshof soll ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet werden. In dem Bereich gibt es bereits eine Parkpalette, die als erster Bauabschnitt vor neun Jahren errichtet wurde. Nun soll auch der zweite Bauabschnitt folgen, nämlich das Haus obendrüber. Der Eigentümer konnte einen Investor mit ins Boot holen, der Büros nutzen möchte. Insgesamt soll das Haus vier Etagen haben. In drei Stockwerken werden Büros untergebracht, unter dem Dach soll es zwei großzügige Penthouse-Wohnungen geben. Doch der Gestaltungsbeirat regte an, die Fassade noch einmal zu überarbeiten, gerade mit Blick auf die Lage des Objekts. Vorgeschlagen wurde ein Gestaltungswettbewerb. „Es wurde kaum Bezug auf die kleinteiligen Häuser gewonnen, die hier mal standen“, kritisierte Beiratsmitglied Peter Frießleben. Es komme wie ein typisches Bürohaus daher. „Hochwertige Büros brauchen gute Architektur“, meinte seine Kollegin Iris Reuther.

Wohnpark Paulusviertel
HWG und Papenburg sind mit ihrem „Wohnpark im Paulusviertel“, dem ehemaligen Regierungspräsidium dabei. 20 Millionen Euro sollen investiert werden. 52 Wohnungen sollen im Bestandsgebäude, weitere 78 in einem Neubau entstehen. Geschaffen werden daneben 130 Parkplätze in einer Tiefgarage. Eine Villa auf dem Gelände wird zum Ärztehaus. Für dieses Projekt gab es viel Lob. „Wir finden die Neubebauung richtig“, meinte Beiratsmitglied Jörg Springer. Diese könne es mit dem bestehenden Altbau des Regierungspräsidiums aufnehmen. Nicht ganz glücklich sei man mit der Gestaltung des Neubaus zur Kirche hin. Allerdings gebe es wohl keine andere Möglichkeit, weil man andernfalls in den Spielplatz eingreifen müsste. Auch mit den Fassaden zeigte sich der Gestaltungsbeirat nicht ganz glücklich. Denn die HWG- Architekten wollten die Fassade in kleinere Abschnitte teilen. So sollte Eindruck entstehen, dass es sich um verschiedene Häuser handelt. Grundsätzlich ein Verfahren, dass man im Beirat positiv aufnimmt. Nur an diesem Standort passe es nicht, meinte Springer, schließlich soll der Neubau ja der moderne Gegenentwurf zum Regierungspräsidium, der alten Landwirtschaftskammer werden. Angeregt wurde daher, die Bebauung ruhiger zu halten und einen zusammenhängenden Baukörper mit gleicher Gestalt zu schaffen. Am Altbau kam der Vorschlag, den Dachaufbau aus den 40er Jahren zu entfernen und die ursprüngliche Fassade wiederherzustellen. Doch dadurch würde Wohnraum verloren gehen, darauf will die HWG nicht verzichten. Generell sei das Gesamtprojekt aber wunderbar, hieß es vom Beirat. Die Wohnnutzung sei naheliegend und vernünftig. Architektenkollegin Iris Reuther lobte, dass hier Mietwohnungen für Familien und ein Kindergarten entstehen. Für die Mischung und Entwicklung des Viertels sei das gut. Außerdem würden mehr Parkplätze geschaffen, als eigentlich laut Gesetz erforderliche seien. Mehr zum Projekt lesen Sie hier.

Steintor
Das größte Vorhaben aber ist der Umbau der Steintor-Kreuzung. Verschiedene Varianten hat die Stadt dazu ausarbeiten lassen. Iris Reuther stellte die knifflige Situation heraus. Es handele sich um eine wichtige Adresse, die in Halle jeder kenne. Weil die Stadt im Bereich vor dem Variete eine Fußgängerzone einrichten will gab der Beirat mit auf den Weg, sich Varianten für den Lieferverkehr zu überlegen. Daneben stehe die Frage im Raum, wo die Straßenbahnhaltestellen hin sollen. Reuther schlug eine Stelle unweit des Varietés und des geplanten Durchgangs vor. „Damit die Haltestelle dort ist, wo sie sinnvoll gebraucht wird.“ Doch auch darüber, wo die Bänke stehen sollen, wo Bäume, ob es einen Brunnen und einen Kiosk geben soll, müsse sich die Stadt noch genauer überlegen. Laut Baudezernent Uwe Stäglin gebe es noch keine Vorzugsvariante. Die Vorstellung der Varianten gibt es hier und hier.

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