Ausbildungsmarkt: noch 4.400 unbesetzte Stellen in Sachsen-Anhalt

30. Juli 2015 | Wirtschaft | 1 Kommentar

Für viele Jugendliche steht der Ausbildungsbeginn vor der Tür. Doch in Sachsen-Anhalt sind bei den Arbeitsagenturen noch 4.438 Ausbildungsplätze als unbesetzt gemeldet. Dagegen haben bei der letzten Zählung im Juli 3.787 Jugendliche noch keine Ausbildungsstelle gefunden. Heißt konkret: Auf jeden unversorgten Bewerber kommen rein rechnerisch 1,17 unbesetzte Stellen. „Jeder Jugendliche, der Willens ist, findet in Sachsen-Anhalt garantiert einen Ausbildungsplatz. Aber für viele Unternehmen könnte es bei der Gewinnung von Nachwuchskräften mehr als eng werden. Manche suchen bereits seit längerer Zeit die Fachkraft von Morgen, gehen aber aufgrund des guten Angebots an Stellen und der niedrigen Bewerberzahl leer aus. Das kann insbesondere für kleine Betriebe mit ungünstiger Altersstruktur echt kritisch werden“, erklärte der Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt, Kay Senius. Er riet Unternehmen dazu, noch mehr als jetzt schon, auch auf leistungsschwächere Jugendliche zu setzen. „Unsere Unternehmen sind bereits gut dabei. Es steht aber weiterhin eine Vielzahl von attraktiven Fördermöglichkeiten bereit, die noch besser genutzt werden könnten.“

Assistierte Ausbildung: Programm für leistungsschwächere Jugendliche und Betriebe
Wie etwa die „Assistierte Ausbildung“, die gemeinsam von der BA mit dem Land erprobt wurde. Dabei wird sowohl der Azubi als auch der Ausbildungsbetrieb über die komplette Ausbildungsdauer von Coaches eng begleitet und professionell unterstützt. Schon vor der Ausbildung gibt es für den angehenden Auszubildenden erste Trainingsmöglichkeiten und Kurse, die den Start erleichtern. „Das Coaching und die enge Kommunikation zwischen Betrieb, Auszubildenden und Coach minimieren dabei das Risiko von Ausbildungsabbrüchen“, sagte Kay Senius.

Senius; „Jugendliche Flüchtlinge sind ein echter Gewinn für die Region“
Zur Lösung des Auszubildendenmangels plädierte Senius auch dafür, jungen Flüchtlingen einen leichteren Zugang zum Ausbildungsmarkt und einen rechtssicheren Aufenthaltsstatus für die Dauer der Ausbildung zu ermöglichen. „Ziel muss es sein, frühzeitig die Potenziale der jungen Menschen zu kennen und diese schnellstmöglich für den Ausbildungsmarkt fit zu machen. Dafür brauchen wir eine bessere Versorgung mit Sprachkursen und eine Perspektive sowohl für den Jugendlichen als auch den Arbeitgeber, der ihn ausbildet“, so Kay Senius. „Diese jungen Menschen sind für die von der Demografie besonders stark betroffenen neuen Länder ein echter Gewinn, daher müssen wir ihnen auch eine Perspektive bei uns bieten“, fügte Senius hinzu. Je schneller sie eine Ausbildung beginnen, umso besser für die Gesellschaft“, sagte Senius. Die aktuelle Vorgehensweise des Landes, wonach auch abgelehnte Flüchtlinge für die Aufnahme und Durchführung einer Berufsausbildung eine zeitlich begrenzte Duldung bekommen können, bezeichnete Senius als guten Schritt in die richtige Richtung.

Metallbau: Auf 215 freie Stellen kommen 86 Jugendliche, die noch keine Stelle haben
Insgesamt hatten sich in Sachsen-Anhalt seit Oktober 2014 11.824 junge Menschen für eine Ausbildungssuche bei den Arbeitsagenturen registriert, das sind 505 weniger als im vergangenen Jahr. Den Arbeitsagenturen wurden 11.476 Ausbildungsstellen gemeldet, darunter waren nur 193 außerbetriebliche Ausbildungsstellen. Die meisten freien Stellen gibt es aktuell noch im Bereich Produktion und Fertigung. Dort sind noch 1.667 Stellen unbesetzt, während in dem Bereich noch 954 Bewerber keine Lehrstelle gefunden haben. So sind beim Metallbau und der Schweißtechnik noch 215 Ausbildungsstellen unbesetzt, während dort nur noch 86 unversorgte Bewerber gemeldet sind. Ähnlich sieht es bei der Energietechnik aus. Hier stehen 175 unbesetzte Stellen 43 unversorgten Bewerbern gegenüber. Auch in der Gastronomie fehlen jetzt schon Bewerber. Auf die 233 noch unbesetzten Stellen kommen 33 unversorgte Bewerber. Ein ganz anderes Bild im Verkauf: 400 Stellen sind noch nicht besetzt, dafür haben in dem Bereich aber noch 629 Jugendliche keine Lehrstelle gefunden.

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