Arm trotz Vollzeitjob: jeder fünfte Hallenser bekommt Niedriglohn

28. November 2012 | Wirtschaft | 3 Kommentare

Sie arbeiten Vollzeit und können davon trotzdem nicht leben. 13.685 Arbeitnehmer in Halle (Saale) arbeiteten nach einer aktuellen Erhebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für einen Niedriglohn. Im Jahr 2010 waren dies bereits 20,9 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende).

Erstmals legt der DGB regionale Daten zum Niedriglohnsektor vor. Konkret lag die Niedriglohnschwelle 2010 in allen ostdeutschen Ländern bei einem Monatsbrutto von 1.379 Euro. DGB Regionsvorsitzender Johannes Krause: „Das Risiko als Vollzeitbeschäftigter im Niedriglohnsektor arbeiten zu müssen, ist in unserer Region sehr hoch. Dies gilt für Vollzeitbeschäftigte ohne Berufsabschluss ebenso wie für jene mit Ausbildung.“ So zählten nach DGB-Angaben in Halle bereits 18,2 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern.

„Dieses hohe Niedriglohnrisiko von qualifizierten Arbeitskräften passt nicht zu den Klagen von Arbeitgebern über Fachkräftemangel“, so der DGB Regionschef. „Dies sei vielmehr ein Indiz dafür, dass Beschäftigte teils im erlernten Beruf keinen Job finden oder nicht qualifikationsgerecht vergütet werden.“

Noch weit miserabler sei die Entlohnung für viele ohne Berufsabschluss. Mehr als 54 Prozent der Geringqualifizierten in der Stadt Halle zählen nach der DGB-Auswertung zugleich zu den Geringverdienern. Das Risiko, als Vollzeitbeschäftigte/r einen Niedriglohn zu erhalten, ist für Beschäftigte ohne Berufsabschluss gut doppelt so hoch wie für Qualifizierte. Dies gilt für Halle ebenso wie für die neuen Bundesländer insgesamt.

Insbesondere im Dienstleistungsgewerbe sei das Risiko einer schlechten Bezahlung für Qualifizierte wie Beschäftigte ohne Berufsabschluss überdurchschnittlich hoch. Nach Einschätzung des DGB Halle-Dessau haben Menschen, die wenig verdienen, oftmals auch ein instabiles Arbeitsverhältnis und ein hohes Entlassungsrisiko. Die beruflichen Aufstiegschancen für Niedriglohnverdiener seien hingegen ungünstiger als in vielen anderen Industrieländern.

Krause: „Wer behaupte, Niedriglöhne seien Einstiegslöhne, der liege falsch. Die Chancen, in besser bezahlte Jobs aufzusteigen, seien hierzulande relativ gering. Viel häufiger als der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten, stellen wir eine Verfestigung von Niedriglöhnen fest“.

Der hohe Niedriglohnsektor in Halle ist nach Einschätzung des DGB auch eine Zeitbombe für künftige Altersarmut. Wer über einen längeren Zeitraum wenig verdient, wird künftig verstärkt von Altersarmut bedroht sein. Hinzu kommt, dass private Altersrücklagen bei niedrigem Einkommen so selten sind, dass das soziale Problem der Altersarmut dadurch kaum gemindert werden kann.

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