Arbeitsmarktsituation Schwerbehinderter: Licht und Schatten

2. Dezember 2015 | Wirtschaft | Keine Kommentare

Der 3. Dezember wurden von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung“ erklärt. Experten der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeichnen in einer Bestandsanalyse ein ambivalentes Bild von der Situation behinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt.

Mehr Schwerbehinderte in Beschäftigung
Demnach ist die Zahl der Beschäftigten mit Schwerbehinderung in Sachsen-Anhalt deutlich gestiegen: Rund 19.400 Schwerbehinderte hatten im Jahr 2013 einen Job, das waren 1.900 mehr als im Jahr 2009. „Dieses Wachstum hat auch mit der demografischen Entwicklung zu tun. Die Erwerbsbevölkerung altert und bei Älteren steigt auch immer die Zahl der Behinderungen aufgrund von Krankheiten und Unfällen“, erklärte der Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt, Kay Senius.

Insbesondere ältere Schwerbehinderte bei der Jobsuche benachteiligt
Laut Studie muss die Entwicklung der Arbeitslosigkeit von Schwerbehinderten differenziert betrachtet werden. Insgesamt sank die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe zwischen 2009 und 2014 um knapp acht Prozent auf 4.900 Frauen und Männer. Im selben Zeitraum nahm die Gesamtarbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt um 25 Prozent ab. Die Arbeitslosigkeit bei schwerbehinderten Menschen ist also rückläufig, sinkt aber weniger stark als die gesamte Arbeitslosigkeit.
Kritisch ist die Situation für Schwerbehinderte über 55 Jahren. Deren Arbeitslosigkeit ist in den letzten fünf Jahren um knapp ein Viertel gestiegen. „Generell mindert die Kombination von Alter und Behinderung noch immer die Chancen auf einen neuen Job. Menschen mit Behinderung sind in der Regel auch länger arbeitslos als nicht-behinderte Menschen. Und das obwohl arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung im Mittel besser qualifiziert sind als Arbeitslose ohne Behinderung. Hier entgeht den Arbeitgebern ein wichtiges Fachkräftepotential“, erklärte Senius. Dabei gebe es attraktive Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber. So kann die Arbeitsagentur Eingliederungszuschüsse in Höhe von bis zu 70 Prozent des Arbeitsentgeltes zahlen.

Arbeitsagenturen und Jobcenter investieren fast 90 Millionen Euro in die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderung
Die Förderung von schwerbehinderten und behinderten Menschen werde auch im kommenden Jahr eine der wichtigsten Aufgaben der Arbeitsagenturen sein, sagte Senius. Allein in diesem Jahr hätten die Arbeitsagenturen und Jobcenter in Sachsen-Anhalt fast 90 Millionen Euro in die Arbeitsmarktintegration von behinderten Menschen und in Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben investiert. Daran werde sich auch im nächsten Jahr sicher nichts ändern. „Der Arbeitsmarkt bleibt auch im kommenden Jahr aufnahmefähig und die Fachkräftebedarfe werden perspektivisch zunehmen. Daher ist es wichtig, dass Arbeitgeber noch mehr als bisher auf Menschen mit Behinderung setzen“, sagte Senius. Die Integrationsämter sind mit ihren Förderleistungen besonders dort ein wertvoller Unterstützer, wo besondere Problemlagen die Integration erschweren, so Senius weiter. Das Land Sachsen-Anhalt stellt ab dem nächsten Jahr erneut 3 Millionen Euro aus der Ausgleichsabgabe für Arbeitsagenturen und die gemeinsam von BA und Kommune betriebenen Jobcenter zur Verfügung. Arbeitgebern, die besonders betroffene schwerbehinderte Menschen einstellen, können durch die Agenturen und Jobcenter Zuschüsse in Höhe von bis zu 70 Prozent des Arbeitsentgeltes gezahlt werden. Das Land Sachsen-Anhalt übernimmt zusätzlich noch 20 Prozent des Arbeitsentgelts.

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