20 Millionen Euro: Schaden am MMZ noch größer als erwartet

3. Juli 2013 | Wirtschaft | 10 Kommentare

Die durch das Hochwasser angerichteten Schäden am Mitteldeutschen Multimediazentrum (MMZ) sind noch größer als bislang vermutet. Nach Angaben von Wirtschaftsdezernent Wolfram Neumann gehe man derzeit von einer Schadenshöhe von 20 Millionen Euro aus, es gebe noch eine Unschärfe von 30 Prozent bei diesen Zahlen. Bislang war von 3,5 Millionen Euro die Rede.

Wirtschaftsdezernent Wolfram Neumann: „Das neue MMZ wird nicht das alte sein“

„Die Stadt Halle, der Oberbürgermeister und der Aufsichtsrat stehen 100 Prozent hinter dem Standort des MMZ“, erklärte Neumann am Mittwoch. Doch wie das gelingen soll, bleibt noch unklar. Denn der Aufsichtsrat hatte nach Informationen von HalleSpektrum.de beschlossen, keine städtischen Gelder für die Schadensbeseitigung aufzuwenden. Stattdessen sollen Versicherungen und Bund zahlen. Neumann zeigt sich aber zuversichtlich, dass es diese Mittel gibt. Es gebe täglich Gespräche auf unterschiedlichen Ebenen mit Bund, Land und EU.

Neumann bleibt bei seiner Zielstellung, die nicht von der Flut betroffenen Etagen bis September wieder ans Netz zu bringen. „Am 16.9. können Sie wieder einziehen. Da haben sie ein verlässliches Datum“, erklärte Neumann den Mietern. „Da beseht berechtigte Hoffnung“, erklärte er mit Blick auf den 8-Milliarden-Euro-Flutfond des Bundes. „Stehen auf Liste ganz oben, ist uns von vielen Seiten bestätigt worden.“ Der Antrag auf förderunschädlichen vorzeitigen Maßnahmebeginn sei bereits gestellt. Etwa eine halbe Million Euro sollen die Arbeiten kosten, unter anderem müssen Stromanschlüsse verlegt werden. Halle selbst könne wegen seiner Haushaltslage nicht helfen. Denn das MMZ sei zar ein prominenter Schaden, aber eben nicht der einzige. Es gebe noch andere Aufgaben wie die Sanierung des Gimritzer Damms.

Die von der Flut betroffenen werden wohl mindestens ein bis zwei Jahre gesperrt bleiben, dazu gehört auch die Tiefgarage. „Für die Tiefgarage gibt es wenig Hoffnung, sie schnell wieder ans Netz zu bringen. Dafür sind erhebliche Investitionen nötig.“ Für die Untergeschosse soll erst ein konkretes Konzept erstellt werden. „Es nützt nichts eine Mauer drumherum zu bauen und die ganze Altstadt ertrinkt“, so Neumann. Es gelt einzuschätzen, welche Bereiche kann man schützen und welche nicht. Auch solle geprüft werden, ob die Weiße Wanne zum Schutz vor Grundwasser überhaupt noch funktioniert.

Klar ist für Neumann aber, dass es weitergeht. „Ja zum Gebäude, Ja zum Standort Halle, Ja zum Thema Kinotonmischung“, erklärte er. Die Kinotonmischung, Neumann bezeichnete ihn als „Mercedes“, soll wieder reaktiviert werden. Sie war beim Hochwasser mit abgesoffen. Unklar sei aber noch, wo diese untergebracht werden soll, aber zumindest nicht mehr in den Untergeschossen des MMZ. Neumann machte auch klar, dass die Kinotonmischung bis auf das vergangene Jahr immer rote Zahlen geschrieben hat. Möglicherweise wird die neue Tonmischung über ein PPP-Modell realisiert.

Die jetzige Situation will die Stadt auch für eine Neuaufstellung des MMZ nutzen. „Das neue MMZ wird nicht das alte sein“, sagte Neumann. Ziel sei es, mehr vermietbare Fläche bereit zu stellen. Denn die vielen Nebenanlagen haben auch die Nebenkosten im Multimediazentrum ins Unermessliche steigen lassen. Noch nicht klar sei dagegen, ob es für das MMZ auch eine andere Organisationsform geben wird. Das Konzept zur Medienwirtschaft sei richtig gewesen, „wir werden daran festhalten.“ Das eingebaute Kino sei dagegen kein Erfolg gewesen, da könne man auch mal nachdanken, ob es eine andere Lösung gibt. Weil das Gebäude seit 6. Juni gesperrt ist, gibt es seit dem keinerlei Einnahmen bei der MMZ GmbH. Deshalb habe man die Ausgaben gedrosselt. Dazu gehört auch die Abbestellung des Wachschutzes, was bei Mietern für Kritik sorgt.

Mieter übten an der Kommunikation von Stadt und MMZ Kritik. Ein Firmenvertreter sprach von „diffuser Kommunikationspolitik.“ Etliche Unternehmen kritisierten, dass sie ihre Büros – obwohl nicht von der Flut betroffen – wegen des gesperrten Gebäudes nicht nutzen können. Dadurch habe man schon Produktionsausfälle. Ein Firmenvertreter vermisste „den Einsatz für die Mieter des MMZ.“ Für das Multimediazentrum werde sich eingesetzt, die betroffenen Firmen selbst würden dagegen kaum Unterstützung erfahren. „Unsere Grundaussage ist: wir stehen zum Standort. Wir wollen hier bleiben“, so Mietervertreter Steffen Melzer, Geschäftsführer von virtiv. Für einen bestimmten Zeitraum könne er sich auch vorstellen, mehr Miete zu zahlen. Bislang hätten nur zwei der 64 Firmen gekündigt. Zehn bis zwölf Unternehmen könnten aber ihre Räume durch die Hochwasserschäden auf absehbare Zeit nicht nutzen.

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