Wohnsilos und Schnellstraßen: DDR-Pläne für Halles Altstadt

5. Januar 2014 | Vermischtes | 1 Kommentar

Viele denkmalgeschützte Gebäude, enge Gassen: das macht noch heute die hallesche Innenstadt aus. Im zweiten Weltkrieg wurde Halle (Saale) größtenteils vor Zerstörungen bewahrt. Doch danach verfiel die Bausubstanz immer mehr, Geld wurde zur DDR-Zeiten in die vielen denkmalgeschützten Häuser kaum investiert. Stattdessen wurden zahlreiche Häuser abgerissen und durch Plattenbauten ersetzt, beispielsweise am Schlossberg neben der Moritzburg, am Domplatz, am Schülershof und in der Geiststraße.

Doch die Pläne aus DDR-Zeiten gingen noch viel weiter. Ein weiterer Abriss war vorgesehen. Unter anderem sollte der komplette Bereich der oberen Leipziger Straße und weite Teile der unteren Leipziger Straße durch Plattenbaublöcke ersetzt werden. Auch weite Teile der Großen Märkerstraße, die teils 300 Jahre alten Häuser sind nach der Wende liebevoll saniert worden, wären dem Erdboden gleich gemacht worden. Hier wollte die DDR ebenfalls Hochhäuser errichten, teils mit bis zu 15 Etagen. Neben dem Marktplatz war ein großes Parkhaus zwischen Große und Kleiner Märkerstraße vorgesehen. Hochhäuser mit bis zu 23 Etagen sollten an der Schimmelstraße entstehen. Zwischen Schimmelstraße und Stadtgottesacker war ein neues Opernhaus geplant.

Ebenfalls abgerissen werden sollte das komplette Areal zwischen Großer Klausstraße, Hallorenring, Hallmarkt und Markt. Lediglich das Marktschlösschen wäre als historisches Gebäude erhalten geblieben. Neubauten, teilweise bis zu 15 Etagen hoch, waren ebenso für das Areal zwischen Großer Steinstraße, Kleiner Steinstraße, Rathausstraße und Markt angedacht. Wo heute das Mitteldeutsche Multimediazentrum (MMZ) und der Ankerhof stehen, wollte die DDR ein großes bis zu 16 Etagen hohes Sporthotel mit Schwimmbad errichten. Für die Spitze, hier stehen unter anderem das Funkhaus des MDR und die Händel-Halle, sollte ein Kulturkomplex mit Stadthalle errichtet werden. Auch von der Kleinen Ulrichstraße, heute beliebte Kneipenmeile, wäre bei einer Umsetzung der Pläne nichts mehr vom heutigen Charme übrig geblieben. Denn hier sollte es ebenfalls Hochhäuser geben, stellenweise bis zu 15 Etagen hoch. Zwischen den Gebäuden sollte eine vierspurige Straße mit Straßenbahn in der Mitte entlangführen. Einen flächendeckenden Abriss sollte es auch rund um das Steintor geben – im Areal zwischen Großer Steinstraße, Joliot-Curie-Platz und Emil-Abderhalden-Straße. Dort wollte die DDR mehrere zwischen 11- und 14-geschossigen Wohnblöcke und drei jeweils 30 Stockwerke große Hochhäuser errichten.

Zudem sollten mehrere Schnellstraßen die Innenstadt durchziehen. Auch hierfür war ein flächendeckender Abriss geplant. Neben der Hochstraße, die als einzige Tangente umgesetzt wurde, sollte eine vierspurige Schnellstraße von der Südstraße her kommend östlich der Altstadt entlanggeführt werden. Als Linienführung war das Areal der heutigen Wilhelm-Külz-Straße samt Wohnbebauung (oberhalb des Hanserings) vorgesehen. Die vierspurige Nordtangente sollte die Altstadt von der Berliner Straße kommend in etwa im Bereich der heutigen Emil-Abderhalden-Straße, Jägerberg bis zur Würfelwiese umschließen. Dort sollte sie auf die Westtangente stoßen – die aus Richtung Burgstraße/Neuwerk ebenfalls vierspurig weiter im Bereich der heutigen Pfälzer Straße, Ankerstraße bis zur Glauchaer Straße führen sollte. Auch der Steinweg wäre vierspurig ausgebaut worden. Am Rannischen Platz wollte die DDR zwei 25 Etagen große Hochhäuser errichten, entlang des Steinwegs waren Wohnsilos mit bis zu 17 Etagen vorgesehen. Auch die Mansfelder Straße sollte vierspurig ausgebaut werden und bis zum Bereich der Kleinen Ulrichstraße in einen Parkhauskomplex führen.

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