Wandern – Siedeln – Gestalten: Halles Migrationsgeschichte

6. April 2014 | Vermischtes | Keine Kommentare

Woran denken Sie beim Thema Migranten? Die Zuwanderungsgeschichte in Halle (Saale) jedenfalls ist Jahrtausende alt. Und genau damit befasst sich eine neue Ausstellung, die im Stadtmuseum noch bis zum 1. Juni zu sehen ist. „Wandern, Siedeln, Gestalten – Ein neuer Blick auf Halles Migrationsgeschichte“ heißt die Schau.

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Reich bebilderte Wandtafeln geben Auskunft über Spuren und Zeugnisse der Einwanderer, bzw. „Zugezogenen“ von der Jungsteinzeit bis zur Gegenwart. Als die Stadt 806 im Gebiet der Elbe- und Saaleslawen erstmals urkundlich erwähnt wurde, zog das Salzvorkommen Menschen aus dem germanisch-fränkischen Raum an. Einige slawische Wort wie Plautze haben sich bis heute gehalten. Doch zwischenzeitlich dominierte in Halle das Plattdeutsche, allerdings nur bis zum Ende des Mittelalters. Danach drang die Sprache der eingewanderten Thüringer mehr und mehr durch.
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Ende des 17. Jahrhunderts waren es Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und der Pfalz, die nach Halle kamen – die sogenannten Hugenotten. Nachfahren leben noch heute in der Saalestadt, zu erkennen an eingedeutschten französischen Nachnamen. Eine Fülle von Gewerken und Kenntnissen brachten sie mit, arbeiten beispielsweise als Seidenwirken und Strumpf- und Tuchfabrikanten. Auch die Halloren-Schokoladenfabrik hat ihre Existenz einem Glaubensflüchtling zu verdanken. Friedrich August Miethe kam aus der Pfalz nach Halle, öffnete 1804 in der Geiststraße 1 eine Konditorei. Daneben studierte in Halle der erste afrikanischstämmige Student. Und in den 60ern und 70ern kamen Menschen aus der ganzen DDR nach Halle, in die neu entstehende Stadt Halle-Neustadt, um in den Chemiekombinaten zu Arbeiten.

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Erarbeitet wurde die Ausstellung von einer Projektgruppe von Geschichtsstudenten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Sie entstand mit freundlicher Unterstützung des Bündnisses Migrantenorganisationen, des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle, Abteilung für Denkmalpflege, der Stadtbibliothek Halle und des Stadtmuseums Halle.

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