Von der Provinz- zur Großstadt: 150. Geburtstag von Rive

26. Dezember 2014 | Vermischtes | 2 Kommentare

Halle entwickelte sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von einer verträumten Provinzstadt zu einer Großstadt mit modernem Gepräge. Dieser Prozess war zum Großteil das Verdienst von Richard Robert Rive, der in seiner 27 Jahre währenden Amtszeit als Oberbürgermeister mit seinen kommunalpolitischen Entscheidungen maßgeblich und nachhaltig diese Entwicklung bestimmte.
82_Richard Robert Rive - Sammlungen des Stadtarchivs
Richard Robert Rive wurde am 26. Dezember 1864 als Sohn des deutschen Kaufmanns Hugo Rive in Neapel (Italien) geboren. Seine kommunalpolitische Karriere begann er in Breslau. Als 1905 die Stelle des Oberbürgermeisters der Saalestadt ausgeschrieben wurde, bewarben sich insgesamt 43 Kandidaten – darunter Richard Robert Rive. Nach einer Vorauswahl befand er sich unter den vier aussichtsreichsten Kandidaten. Die Wahl der Stadtverordneten fiel schließlich auf ihn.

Die ersten zwei Jahre führte Rive die Geschicke der Saalestadt zunächst als Erster Bürgermeister, ehe er am 24. Februar 1908 durch den preußischen König zum Oberbürgermeister ernannt wurde. Während seiner ersten Amtsjahre modernisierte er Halles Stadtverwaltung und baute sie zu einem leistungsfähigen Verwaltungsapparat um, was oft zu Auseinandersetzungen zwischen Stadtverordneten-Versammlung und Oberbürgermeister führte. Doch nach der geglückten Reform der gesamten Verwaltung hatte Rive das Instrument in Händen, um die Zukunftsaufgaben der Stadt in Angriff zu nehmen.

Eines seiner ersten Anliegen war, den Grundbesitz der Stadt zu vergrößern. So konnten nach anfänglichen Widerständen das Gut Seeben und die Unterburg Giebichenstein erworben werden. Weitere Ankäufe waren der Reilsberg (mit Zoo), Wittekind und die Brandberge. Besonderes Augenmerk legte Rive dabei auf den Ankauf von Grundstücken am Saaleufer, um die Naherholungsmöglichkeiten für die Hallenser zu erhöhen. Nach dem Grundsatz „Eine Stadt wie Halle muss ihre Flussufer fest in ihre Hand zu bringen versuchen“ gelang es, fast das gesamte Saaleufer zwischen Kröllwitz und Ziegelwiese in städtischen Besitz zu überführen.

Mit dem Erwerb der Dölauer Heide, der Rabeninsel und des Forstwerders Ende der 1920er konnte die letzte große Stadterweiterung erfolgreich abgeschlossen werden. Insgesamt hatte sich von 1906 bis 1931 der städtische Grundbesitz verdreifacht. Das wirkte sich auch positiv auf den Wohnungsbau aus. Überhaupt waren die Stadtentwicklung, insbesondere der kommunale Wohnungsbau, die Armenversorgung und das Gesundheitswesen (Stadt- und Schularzt), ein besonderes Anliegen des Oberbürgermeisters.

Die Kultureinrichtungen der Stadt förderte Rive ebenfalls, so wurde das erst 1904 entstandene Museum in der Moritzburg zu einem modernen Kunstmuseum erweitert. Durch den Erwerb einer bedeutenden Expressionisten-Sammlung entstand ein Zentrum der Moderne in Deutschland. Für die Entwicklung des Landesmuseums für Vorgeschichte engagierte sich Rive ebenso wie für den Flughafen Leipzig/Halle. Innerhalb der Stadt wurden in seiner Amtszeit wichtige Bauprojekte verwirklicht wie das Sparkassengebäude in der Rathausstraße, das Stadtbad in der Schimmelstraße, die Erweiterung des Hospitals Antonius & Cyriacus in der Glauchaer Straße oder der Ratshof als Verwaltungsgebäude am Marktplatz

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  • #130361

    Halle entwickelte sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von einer verträumten Provinzstadt zu einer Großstadt mit modernem Gepräge. Dies
    [Der komplette Artikel: Von der Provinz- zur Großstadt: 150. Geburtstag von Rive]

    #130362

    rive kann man nicht genug loben, halle hat ihm den wandel zur großstadt zu verdanken, aber man schafft es nicht mal, ihm eine angemessene würdigung in form einer eigenen gedenkstätte einzurichten. stattdessen versucht man das rive-haus samt anwesen platt zu sanieren und die derzeitigen alten bewohner, die rive noch selbst gekannt haben, rauszuekeln.

    #130363

    Die Zeiten bleiben, wie sie sind, die Stadträte werden schlimmer.

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