Uni-Proteste: Antifa-Kampf gegen Soli-Shirts

10. Mai 2013 | Vermischtes | 4 Kommentare

Eine beachtliche Zahl von 7.000 Hallensern hat sich vergangene Woche bei einer Demonstration für den Erhalt der Uniklinik und gegen Kürzungen durch die Landesregierung an den Hochschulen positioniert, nächste Woche steht die nächste Demo an, eine Petition haben schon mehr als 50.000 Menschen unterzeichnet.

Händel bekommt sein überdimensionales T-Shirt

Doch überschattet werden die Proteste vom alten Klassenkampf Links gegen Rechts. Im Mittelpunkt steht Sven Liebich. Der war in den 90ern führendes Mitglied der Rechten Szene in Halle, unter anderem bei „Blood & Honour“ und dem „Nationalen Beobachter“. Heute ist er angestellter Geschäftsführer eines T-Shirt-Versands und hat nach eigenen Angaben mit der rechten Szene nichts mehr am Hut. Problem: Liebich hatte mit seinem T-Shirt-Shop Solidaritäts-Shirts für die Studentenproteste drucken lassen. Für je 5 Euro hat er die T-Shirts an den Mann und die Frau gebracht. Wie er HalleSpektrum.de sagte, seien etwa 400 Shirts über den Ladentisch gegangen. 1 Euro pro Shirt, so ein Versprechen, wollte er den Organisatoren dem Demo zukommen lassen.

Und da fängt das Dilemma an. Denn in seiner Werbeankündigung sprach er davon, das Geld dem Stura zukommen zu lassen. Der aber war nicht Veranstalter der Demo, sondern der Fachschaftsrat Medizin. Wie Liebich sagte, habe er sofort Kontakt mit dem FSR aufgenommen. Doch der dürfe das Geld, immerhin 400 Euro, auf Weisung des Stura nicht annehmen. Nun sucht Liebich nach einem alternativen gemeinnützigen Zweck.

Der Stura wiederum stellt klar: „Wir haben uns ausdrücklich von dieser Aktion distanziert, da unser Name unerlaubt verwendet wurde, denn es gab zu keinem Zeitpunkt Absprachen zwischen dem Verkäufer der T-Shirts und uns, dem Studierendenrat der MLU. Jetzt müssen wir uns öffentliche Anschuldigungen gefallen lassen. Wir haben jedoch weder den Verkauf von T-Shirts noch generell eine Spendenaktion verhindern wollen.“

Am Freitag setzte sich dann die Medienmaschinerie in Gang. Anlass war ein überdimensionales T-Shirt, mit dem das Händel-Denkmal auf dem Marktplatz geschmückt wurde. „Für den Erhalt der Universitätsmedizin in Halle“ ist darauf zu lesen. Das nämlich hatte jemand nach der Vorbild der Liebich-Shirts bei einer örtlichen Werbeagentur drucken lassen. Die bekam prompt einen Anruf eines Mitarbeiters einer örtlichen Zeitung, der einst Mitarbeiter im Landtagsbüro der Linken war. Ob er denn nicht wüsste, dass besagter Shop im Verdacht stehe, rechtsradikal zu sei, lautete dessen Frage.

Das wiederum geht auf E-Mails der Antifa zurück. „Neonazi bereichert sich an Studierenden“, ist darin zu lesen. „Neben vielen Standard-Motiven und den angeblichen Uniprotest-Shirts mit Solibeitrag finden sich in seinem Angebot auch eindeutig politische T-Shirts, die an Ideen aus seiner Vergangenheit anknüpfen. Diese sind nicht immer als eindeutig neonazistisch zu erkennen, in der Gesamtschau zeigt sich aber die Anlehnung an rechte Ideologiefragmente wie Verschwörungstheorien, Antisemitismus und die Verherrlichung autoritärer Regime. Gleichzeitig werden diese mit als links geltenden Symboliken kombiniert“, heißt es in dem anonymen Antifa-Schreiben. So drucke Liebich Solidaritätsshirts für die antizionistische Radiosendung KenFM und Günter Grass, bemängelt die Antifa. Weil bereits im Vorfeld linke Gruppierungen vor dem Shop von Liebich gewarnt haben, reagierte der. Er ließ in Anlehnung an den Boykott jüdischer Geschäfte durch die Nationalsozialisten unter dem Slogan „Kauft nicht bei Juden“ eigene Shirts mit dem Slogan „Kauft nicht bei Shirtzshop“ drucken. Er „verharmloste so die Jugendverfolgung im 3.Reich“, heißt es weiter (sicher ist die Judenverfolgung gemeint).

Von Bereicherung könne keinesfalls die Rede sein, stellt Liebich klar. Denn schließlich müsse zunächst der Film für das Motiv gestaltet und später das Sieb hergestellt werden. Damit sei man bei etwa 3,50 Euro, so Liebig. Hinzu komme der Arbeitsaufwand. Es sei nicht darum gegangen, Geld zu verdienen, sondern die Uniproteste zu unterstützen. 15 Euro, das ist übrigens der Preis, den die Universität in ihrem eigenen Laden für Uni-T-Shirts verlangt.

Vor einer Woche musste das Ordnungsamt schon einmal abziehen. Da gab es eine Anzeige durch Unbekannt, in einem Shop in der Innenstadt würden „rechtsradikale T-Shirts“ verkauft. Fündig wurden die Kontrolleure nicht. Der Shop hatte die Soli-T-Shirts von Liebich im Angebot.

Am Freitagnachmittag hat die Stadt das überdimensionale T-Shirt abhängen lassen. „Wir werden es nicht zulassen, dass der Protest von Universität und Stadtgesellschaft von der rechten Szene missbraucht wird“, so Stadtsprecher Drago Bock.

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