Uni Halle verleiht Christian-Wolff-Preis für beste Habilitation

11. Juli 2015 | Vermischtes | Keine Kommentare

Der Christian-Wolff-Preis 2015 für die beste Habilitation der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wurde an Malte Dominik Krüger verliehen. Der 40-Jährige forscht an der Theologischen Fakultät zum Verhältnis von menschlichem Bildvermögen und religiösen Vorstellungswelten. Seine Arbeit beleuchtet die Bedeutung des Bildlichen für das Verständnis von Theologie und Religion.
Malte Dominik Krüger
Die Thematik des Bildlichen gewinnt gegenwärtig aufgrund der rasanten Entwicklung digitaler Techniken eine bisher nicht gekannte Dynamik. Das betrifft die Orientierung und Kommunikation im Alltag über interaktive Bildschirme, die Macht von Bildern in politischen Auseinandersetzungen sowie die Innovationsschübe in Wissenschaft und Technik durch bildgebende Verfahren. Die neue Dominanz des Bildmediums gegenüber Schrift und Sprache korrespondiert mit lebenswissenschaftlichen Entdeckungen, die die zentrale Bedeutung des Bildvermögens für die menschliche Intelligenz und Geistestätigkeit herausstellen. In den Kulturwissenschaften hat dies zu einem sog. ‚iconic turn‘ geführt. Er ist auch für die Theologie höchst bedeutsam.

PD Dr. Krüger greift in seiner Arbeit die verschiedenen Debatten zur Bildthematik weiträumig auf und führt ihre Stränge aus Lebens- und Kulturwissenschaften, Philosophie und Theologie interdisziplinär zusammen. Zugleich entwickelt er eine komplexe systematische These zur Bedeutung der Bildthematik für Religion und Theologie. Im Erstellen und Deuten von Bildern überschreitet der Mensch die vorfindliche Wirklichkeit – sei es, dass er sie im Bild neu erstehen lässt, sei es, dass er ihr eine andere Gegenwelt entgegenstellt. Zugleich lernt der Mensch etwas über sich selbst und seine Kreativität, wenn er das Bild als Bild sieht und von der bloßen Realität unterscheidet. Mit der Bildthematik ist ein Zug zum Unbedingten verbunden. Er schlug und schlägt sich in der religiösen Bildsprache zwischen Kultbild, künstlerischer Darstellung und inneren Vorstellungsbildern nieder. Deren Spektrum reicht von der Darstellung von Fiktivem bis zur Imagination einer erlösenden Gegenwelt. Zugleich zeigt das in der jüdisch-christlichen Tradition prominente Bilderverbot, dass und wie mit der Macht der Bilder auch ein Potential ihrer Kritik gesetzt ist.

„Krügers Habilitationsschrift stellt in der interdisziplinären Weite ihres Zugriffs und in der konstruktiven systematischen Kraft eine außerordentliche Forschungsleistung dar, die in der wissenschaftlichen Diskussion Wirkung zeigen wird“, sagt Professor Dr. Jörg Dierken, der Dekan der Theologischen Fakultät. Er weist außerdem darauf hin, dass die Jury mit der Wahl von PD Dr. Krüger die interdisziplinäre und konstruktive Kraft der Theologie in Halle unterstrichen hat.

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