Tausende Besucher bei der Nacht der Kirchen in Halle

18. August 2013 | Vermischtes | Keine Kommentare

Auch in diesem Jahr pilgerten wieder tausende Hallenser zu den Gotteshäusern. Unter dem Motto „Einzigartig vielfältig“ luden 47 Gemeinden und Gotteshäuser zur mittlerweile 13. Halleschen Nacht der Kirchen ein. 7.500 Gäste kamen nach Angaben der Kirchenkreises.

Eröffnet wurde der Abendm it einem Festgottesdienst in der Kirche im Diakoniewerk, wo zugleich der Auftakt für die Aktion zur Knochenmarkstypisierung „ROTARY hilft Leben retten” stattfand. Zum Gottesdienst wurden auch zahlreiche Ehrengäste begrüßt, unter anderem die Schirmherren der Aktion Ministerpräsident a.D. Prof. Dr. Wolfgang Böhmer und Regionalbischof Dr. Johann Schneider. In seinem Grußwort rief Prof. Dr. Böhmer zu noch mehr Öffentlichkeit auf. Im Vergleich zu den anderen beiden Typisierungszentren in Sachsen-Anhalt, Magdeburg und Dessau, läge Halle bei der Anzahl registrierter Spendewilliger weit zurück. Um im Kampf gegen Leukämie erfolgreich zu sein, müssten deutlich mehr Freiwillige gefunden werden. Mit gutem Beispiel ging Regionalbischof Dr. Johann Schneider voran. Er ließ sich noch im Diakoniewerk 10 ml Blut abnehmen und erklärte sich bereit, als Spender in der Datei aufgenommen zu werden. Auf dem anschließenden Rundgang besuchten die Ehrengäste auch die drei anderen Orte in Halle, an denen die Aktion stattfand.

Geöffnet war auch die Evangelisch-methodistische Kirche, die schon seit den 50ern in der Schulstraße in der halleschen Innenstadt zu finden ist. Dabei sind die Räumlichkeiten gar nicht als Kirche erbaut worden, früher war es sogar einmal eine Boxschule. Zum Thema „Einzigartig. Vielfältig“ wurden Portraits und Aussagen von Gemeindegliedern präsentiert, um die Vielfalt zu zeigen. Emeka Nnamani (Nigeria) und Pierre Tognon (Benim) berichteten in Ton und Video über Afrikanische Gottesdienste und den Methodismus in Afrika.

Seit 1972 wird die Ulrichskirche zwar nicht mehr als Kirche, sondern als Konzerthalle genutzt. Geöffnet hatte sie trotzdem zur Nacht der Kirchen. Johanna Pfeifer, Absolventin der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle, spielte an der Orgel Werke von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy.

Gleich hinter der Ulrichskirche in einem unscheinbaren alten Fabrikgebäude hat die Adventistengemeinde mit ihren rund 75 Mitgliedern ihren Sitz. Schon seit den 50er Jahren dient das einstige Kaffeelager als Gotteshaus. Manch ein Besucher vermutete hier ein früheres Kino, was auch an den alten Kinostühlen lag. Die hatte man sich zu DDR-Zeiten wegen der Materialknappheit aus einem alten Kino besorgt. Inzwischen sind die alten Kinostühle modernen Sitzmöbeln gewichen. Besucher konnten hier unter anderem an einem Wissensparcour durch die Bibel teilnehmen.

In der Moritzkirche lud Organist Tobias Geuther zu einer interaktiven Orgelführung ein. Mit Hilfe von Videokameras konnte er den Besuchern zeigen, wie das imposante Pfeifenspiel funktioniert. Die Orgel war aufwändig saniert worden und konnte im vorletzten Jahr wieder eingeweiht werden.

Im gleichen Haus wie Mexikaner, ein China-Restaurant und einer Jobvermittlung am Leipziger Turm hat auch eine Glaubensgemeinschaft ihren Sitz. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage – wohl eher bekannt als Mormonen – hat hier seit mittlerweile fünf Jahren ihre Gebets- und Arbeitsräume im Dachgeschoss. Zuvor waren die Glaubensbrüder- und Schwestern im SaaleCenter in Neustadt anzutreffen. Manch einem Hallenser sind sicher schon die Missionare in der Innenstadt begegnet, die hier Tag für Tag ihre Runden ziehen und über Gott reden wollen. Vorrangig handelt es sich dabei um junge Amerikaner, die hier zwei Jahre um Neumitglieder werben. Bekannt sind die Mormonen aber auch durch die Stammbaumforschung, die natürlich auch am Samstag möglich war. In der Kirchennacht erhielten Besucher in stündlichen Vorträgen unter dem Motto „Ein weltumspannendes Werk“ einen Einblick in die Religion.

Der pietistische Pfarrer August Hermann Francke hatte vor über 300 Jahren seine Schulstadt gegründet. Religion spielte schon immer eine Rolle, auch heute. Denn gleich zwei Kirchen sind auf dem Gelände beheimatet. Versteckt findet man die Russisch-orthodoxe Kirche der Kreuzerhöhung und die benachbarte St. Georgs-Kapelle im Kellergewölbe des längsten Fachwerkbaus Europas. Besonders die Gebetsräume der russisch-orthodoxen Gemeinde – übrigens die einzige orthodoxe Kirche in Sachsen-Anhalt – waren beliebtes Fotomotiv und sorgten für viele Fragen der Hallenser, schließlich sind die Malereien an den Wänden doch sehr aufwändig gestaltet. Auch das Francke-Wohnhaus hatte an diesem Abend geöffnet. Es ist zwar keine Kirche, unter dem Dach findet sich die Bibelmansarde. Im Niemeyer-Gärtchen erklang Live-Musik mit Gaston, auch kleine Spielchen gab es hier.

Gegenüber der Franckeschen Stiftungen gibt es im Elisabeth-Krankenhaus eine kleine Kapelle. In dem modern eingerichteten Gebetsraum gibt es unter anderem ein Gedenkkreuz am Eingang, der an viel zu früh verstorbene Kinder erinnert. Eltern haben hier kleine Bausteine in Gedenken an ihre verstorbenen Lieblinge aufgestellt.

Gleich nebenan gibt es die Propsteikirche. Sie war erst vor vier Jahren aufwändig saniert worden und erstrahlt Innen in einem hellen und freundlichen weiß, dass den verzierten Altar besonders zur Geltung bringt. Die Propsteikirche St. Franziskus und St. Elisabeth hat derzeit vier funktionierende Glocken hat. Die stammen aber alle nicht aus der Bauzeit, wurden nachträglich eingebaut. Aus dem Jahr 1710 stammt die fünfte Glocke. Sie soll in naher Zukunft ebenfalls zum Schwingen gebracht werden. Besucher durften auf den Turm klettern und so einen Blick über Hochstraße und Altstadt genießen, zudem gab es ein kleines Orgelkonzert.

Ein paar Meter weiter, auf der anderen Seite der Glauchaer Straße, steht die Georgenkirche. Würde es die DDR heute noch geben, dann stünde das Gotteshaus wohl nicht mehr. Es verfiel zusehends, und die Jahre zuvor verschwanden schon mit dem Bau der Hochstraße die Viertel drumherum. Engagierten Hallensern war es jedoch gelungen, das Gotteshaus zu retten. Auch die Protestbewegung zu DDR-Zeiten fand hier ihren Ursprung, hier wurde unter anderem auch die Umweltbibliothek gegründet. Am 10. Oktober 1989 begannen die Mahnwachen. Die Behörden versuchten einem Hupverbot zu begegnen. Autofahrer hatten aus Verbundenheit mit den Protestlern in der Glauchaer Straße an der Kirche gehupt. Zur Kirchennacht gab es unter anderem Beatbox-Vorführungen, Lesungen und Gespräche. Im Hof wurde bei einem Lagerfeuer zu Bratwürstchen und Cocktails in der lauen Sommernacht eingeladen. Die kleine Georgenkirche wurde außerdem auch für Autofahrer zum Blickfang – sie erstrahlte in verschiedenen Farben.

In der Marktkirche wurde der erstmals vom Evangelischen Kirchenkreis Halle-Saalekreis ausgeschriebene Medienkunstpreises für Fotografie verliehen. Liboa Keuck und Thomas Neuhaus wurden ausgezeichnet. Die Werke der beiden sind in den nächsten Wochen als kleine Ausstellung in der Marktkirche zu sehen, ebenso wie die Werke der Nominierten Christian Huhn, Alexandra Polina und Hanna Sass. Eine siebenköpfige Jury hatte die Entscheidung getroffen.

Die St. Maria-Magdalena Kapelle in der Moritzburg war nach ihrer Sanierung geöffnet. Sie wurde 1509 zum ersten Mal geweiht und war ehemals prächtig ausgestattet – litt aber an den Folgen des Brandes im Zuge des 30-Jährigen Krieges. Ab 1690 wurde sie als “französische Kirche” weitergeführt und diente als Zufluchtsort für französische Hugenotten. Nach 1805 wurde sie als Lazarett und auch als Lagerraum genutzt. Erst im Zuge der 200-Jahrfeier der halleschen Uni sollte Kapelle restauriert werden und wurde als Universitätskirche neu geweiht. Wegen Rissen stehen am Gebäude derzeit Gerüste, die Bleiglasfenster sind ausgebaut. Zur Kirchennacht gab es Konzerte und Meditation, zudem wurden die restaurierten Glasfenster gezeigt.

Auch für machen Häftling ist Religion wichtig. Das Gefängnis “Roter Ochse” verfügt deshalb über eine Anstaltskirche. Schon im Mai 1842 wurde sie geweiht. 1953 wurde das Inventar zerstört, die Kirche seitdem zweckentfremdet. Mit Hilfe von Sponsoren konnte sie vor drei Jahren saniert werden. Am Samstagabend nun konnten auch Besucher einmal hinter die Gefängnismauern schauen und die Kirche betrachten.

Schräg gegenüber vom Roten Ochsen findet man die Laurentiuskirche. Die Geschichte des Gotteshauses reicht bis ins Jahr 1241 zurück. Doch am Morgen des 16. November 1984 zerstörte ein Feuer jahrhundertealte Kirchengeschichte, eine Ausstellung informierte über die Brandstiftung, durch die das Gotteshaus bis auf die Grundmauern niederbrannte. Doch die Gemeinde hielt zusammen, Einzelteile des Taufsteins konnten geborgen werden. Und nach Ende der polizeilichen Absperrung fand am 12. Dezember 1984 der erste Arbeitseinsatz statt. Aus verbrannten Balken wurde ein Kreuz gezimmert. Es hängt noch immer im Kirchenneubau. Denn der wurde alsbald in Angriff genommen. Schon am 19. September 1985 konnte am Turmdachstuhl Richtfest gefeiert werden. Ab erst 1991 war die gesamte Kirche baulich wieder instand gesetzt. Die Orgel wurde 1997 fertig. Und Ostern 2002 wurden die neuen Glocken geweiht. Unter dem Motto „Cafe Salomo“ gab es zur Kirchennacht Sprüche Salomos, Texte, Bilder und Musik.

Mit dabei war auch die die Neuapostolische Kirche, die in einem modernen Kirchenneubau in der Pfälzer Straße ihren Sitz hat. Hier gab es Gebete, Orgelmusik und eine Bibellesung. Eingeladen wurde zudem zu Gesprächen zu den Themen „„Was prägt die Neuapostolische Kirche und wie kann Kirche prägen? Wie aktiv sind wir Christen und wo liegt noch ungenutztes Potential?“ Die NAK geriet die letzten Jahre in die öffentliche Diskussion, weil sie eng mit dem DDR-Regime zusammengearbeitet haben soll. Heute hat die NAK in Halle noch rund 800 Mitglieder.

Seit zwei Jahren hat Halle auch eine armenische Kirche, die Surp Harutyun in Radewell. Die Kirche wurde 1901 erbaut und trug zunächst den Namen Marienkirche. Nach dem Neubau einer Kirche in der Silberhöhe erhielt die Kirche den Namen St. Hedwig. Am 16. Oktober 2005 hatte Bischof Gerhard Feige sie in einer Prozession entweiht. Informiert wurde zur Kirchennacht über die Geschichte der armenischen Kirche und des armenischen Volkes mit seinen kulturellen Besonderheiten.

In einem Hinterhof der Gütchenstraße findet sich die 1990 erbaute katholische Kirche „Heilig Kreuz“. Bei einem Lagerfeuer wurde zu Gesprächen sowie Speis und Trank eingeladen, in der Kirche gab es musikalische Unterhaltung.

Ein Blickfang war zweifelsohne die Pauluskirche, die beleuchtet wurde. Die Initiative haben die CDU-Stadträte Roland Hildebrandt und Raik Müller und der Freiraumarchitekt Stefan Petrat ergriffen. Anfang Juli wurde die Kirche schon mal probeweise angeleuchtet, um die Effekte zu testen. Nun wird der lang gehegte Traum am 110 Jahre alten Bauwerk Realität, als Probelauf im Rahmen des Kirchen-Sommerfestes zur Kirchennacht. Um unnötige Kosten zu sparen und etwaige Lichtbelastungen der Anwohner und ansässiger Tierarten des Nachts zu verhindern, ist nur an eine stundenweise Beleuchtung gedacht. Für die laufenden Stromkosten konnten Sponsoren gewonnen werden. In der Pauluskirche wurde zudem der Stabenow-Film „Halle-wie es einmal war“ gezeigt.

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