Tag des Eisenbahners in Halle: „ein altes Verkehrsmittel, dem die Zukunft gehört“

12. Juni 2015 | Vermischtes | Keine Kommentare

Der 14. Juni war zu DDR-Zeiten der „Tag des Eisenbahners“. Mit der Wende schlief diese Tradition ein. Doch der Bahn-Konzernbevollmächtige für Sachsen-Anhalt, Alexander Kaczmarek, hat diesen Tag wiederbelebt. Am Freitag fand er nun bereits zum dritten Mal statt. Zahlreiche Eisenbahner und Verkehrsexperten aus Wirtschaft und Politik kamen im Eisenbahnmuseum in Halle (Saale) zusammen.
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Kaczmarek begrüßte die Gäste in der „heimlichen Hauptstadt“ Sachsen-Anhalts. Natürlich durfte das Zitat des Autors Curt Goetz nicht fehlen, wonach das Schönste an Halle der Bahnhof sei, weil man so die Stadt in alle Himmelsrichtungen schnell wieder verlassen könne. Doch das Coetz-Zitat geht weiter. „Das schönste an Halle – nach der Überzeugung weitgereister Leute, sofern sie sich nicht genieren diesen alten Witz anzubringen – sei jedoch Halles Hauptbahnhof, der infolge seiner Eigenschaft als wichtigster Eisenbahnknotenpunkt eine ideale Gelegenheit biete, diese Stadt nach allen Himmelsrichtungen zu verlassen. Glaubt ihnen nicht! Halle an der Saale beherbergt Peterhans von Binnigens Schülerliebe! Sie war, ist und bleibt also eine reizende Stadt!“ Diesen Worten könne er sich nur anschließen, sagt Kaczmarek. „Zum einen, dass Halle eine tolle Stadt ist. Und zum anderen, dass der Hauptbahnhof einen wesentlichen Anteil an der Attraktivität hat und auch in Zukunft vermehrt haben wird.“ Damit spielt er auf die Bauarbeiten am Bahnknoten Halle an. Aber: „Baulärm vergeht, aber das was dann geschaffen wird bleibt bestehen.“ Da könne man stolz darauf sein. Der Umbau werde Halle neue Verbindungen bringen wie Sprinter-Züge nach München und Frankfurt. „Das wird eine neue Qualität der Bahnanbindung sein“, so Kaczmarek.

Zu Wiederbelebung des Eisenbahnertages sagte er, er halte es für eine gute Idee, den Bahnern einmal zu danken und zu sagen: „Toll was ihr da auf die Beine stellt. Ganz im Verborgenen, ohne dafür Lorbeeren und Ruhm zu ernten. Aber immer zuverlässig und pflichtbewusst.“ Kaczmarek berichtete von seinem morgendlichen Besuch in Köthen. Zuvor hatte er den Bahnknoten als „lebendes Eisenbahnmuseum“ bezeichnet. Immerhin stamme ein Großteil der Technik aus den Jahren 1910 und 1924. Die Mitarbeiter wollten diesen Spruch nicht gern hören. „Doch das war nicht böse, sondern anerkennend gemeint.“ Die alte Technik funktioniere heute noch tadellos. „Die Eisenbahn ist ein altes, historisches Verkehrsmittel. Aber es ist ein altes Verkehrsmittel, dem die Zukunft gehört.“ Und das wolle man den Menschen im Land zeigen mit der Aktion „Bahnland Sachsen-Anhalt“. In diesem Rahmen gewährt die Bahn Interessierten Einblicke in Werkstätte, Stellwerke und auf Baustellen. Die Aktion fand im vergangenen Jahr ein überraschend großes Interesse, deshalb wurde die Zahl der Führungen in diesem Jahr erhöht. Zu sehen gibt es dabei auch historische Stellwerke, die noch in Betrieb sind, so in Bernburg. „Dafür habe ich viel Schelte bekommen“, so Kaczmarek, gerade wegen der recht antiquiert anmutenden Technik. „Aber wir wollen zeigen, dass diese Technik noch einwandfrei funktioniert und dem heutigen Bahnverkehr gewachsen ist.“ Ein eigenes Budget für die Veranstaltungsreihe gebe es nicht. Die Mitarbeiter erledigen dies im Rahmen ihrer regulären Arbeit. Doch das Programm wecke viel Sympathie für die Eisenbahner. Wer mal hinter die Kulissen geschaut habe, verstehe die Bahn viel besser.
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Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand ging auf die Großbaustellen der Bahn ein. 700 Millionen Euro investiert die Bahn, unter anderem in die Zugbildungsanlage. Der Vorteil für die Stadt liege auf der Hand. Man könne neue Interessenten und Investoren anlocken. In 3:45 Stunden könne man von Halle aus mit Start der neuen ICE-Trasse München erreichen. Die Bahn sei ein wesentlicher Motor für die Stadt Halle. Wiegand lobte die Zusammenarbeit mit Kaczmarek und bedauerte den Weggang des Konzernbevollmächtigten nach Berlin. „Wir haben mit Ihnen einen Freund der Bahn gefunden“, erwiderte Kaczmarek. „Wenn es in allen Städten mit der Verwaltung so reibungslos gehen würde mit Großinvestitionen wie in Halle wäre das super.“

Mit einer halben Stunde Verspätung – er stand auf der Autobahn im Stau – kam auch Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel, er sich zunächst einmal mit einem Witz probierte: Warum fahren Politiker nicht gerne Bahn? Weil der Schaffner am Bahnsteig „zurücktreten bitte“ ruft. Mit Blick auf die aktuellen Baustellen erklärte er, es liege in der Natur der Sache, dass diese erst einmal Behinderungen mit sich bringen. Doch sie seien nötig, um den Reparaturrückstau aufzulösen. „Eine gute Idee wird fortgesetzt“, befand Webel zur Wiederbelebung des Tages der Eisenbahner, der sich mit seinem Ministerium erst kürzlich durch Streckenstilllegungen zwischen Merseburg und Schafstädt sowie Wittenberg und Bad Schmiedeberg in der Kritik stand. „Hier wird die Leistung der Eisenbahner gewürdigt, einmal auch darzustellen, dass es ohne die Eisenbahn eine wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und der Welt nicht gegeben hätte.“ Die Eisenbahn habe zum enormen Fortschritt beigetragen. In Sachsen-Anhalt würden auch heute noch 18 Prozent der Waren über die Schiene transportiert. Damit liege man über dem deutschen und europäischen Schnitt. Weitere Steigerungen seien auch drin. Deshalb investiere die Bahn 1,7 Milliarden Euro in Sachsen-Anhalt.

Interessierte Bürger bekommen im Rahmen einer losen Veranstaltungsreihe die Möglichkeit, normalerweise nicht zugängliche Orte wie Stellwerke, Instandhaltungswerke oder Großbaustellen zu besuchen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Unter anderem laden das Instandhaltungswerk Dessau, das Elektronische Stellwerk Halberstadt oder das DB Museum in Halle zu Führungen ein. Die modernen Nahverkehrszüge von DB Regio, darunter die Triebzüge für die S-Bahn Mitteldeutschland werden in der DB Regio-Werkstatt in Halle zu sehen sein. Auch die Besichtigung der aktuellen Großbaustellen in Halle (Saale) und Magdeburg sowie der vor Fertigstellung stehenden Neubaustrecke VDE 8 ist geplant, um Informationen über die zahlreichen Investitionsvorhaben im Bereich der Schieneninfrastruktur zu vermitteln.

Die Veranstaltungstermine sind unter www.deutschebahn.com/bahnland-sachsen-anhalt aktuell im Internet abrufbar.

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