Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung: Erinnerung an die Nazi-Opfer in Halle

14. September 2015 | Vermischtes | 3 Kommentare

Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten, Homosexuelle, Behinderte, Sinti und Roma … sie alle wurden Opfer des Nationalsozialismus, starben teilweise qualvoll.
Tag der Mahnung
Mit Kranzniederlegungen auf dem Gertraudenfriedhof wurde am Sonntag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Anlass war der Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung. Der Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby (SPD) erinnerte dabei an das Schicksal des halleschen SPD-Reichtagsabgeordneten Franz Peters. Er war einer der 94 sozialdemokratischen Abgeordneten, die 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten gestimmt haben. Wenig später wurde er verhaftet und starb unter den schlechten Haftbedingungen im August des Jahres. Diaby spannte dabei einen Bogen zur heutigen Zeit, in der es wieder zu nationalsozialisten Kundgebungen kommt. „Der Verklärung des Hitler-Regimes und der vermeintlichen Überlegenheit der Nationalsozialisten müssen wir weiterhin entschieden entgegentreten. Und wenn heute wieder Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte ausgeübt werden, dürfen wir nicht tatenlos zusehen, sondern müssen mit rechtsstaatlichen Mitteln alles Nötige tun, um Geflüchteten und Asylsuchenden Schutz zu gewähren“, so Diaby.

Am Denkmal der “679 vom nationalsozialistischen Staat Gemordeten” wurden anschließend Kränze niedergelegt. Tatsächlich sind hier lediglich 455 Opfer begraben, die restlichen 224 Urnen sind in einem internationalen Bereich des Gertraudenfriedhofs bestattet. Unter den Toten, an die mit der Gedenkstätte erinnert wird, waren auch 150 Kranke und Behinderte.

Die Geschichte des Gedenktages geht ins Jahr 1945 zurück. Damals ergriffen Überlebende der Nazidiktatur 1945 die Initiative und führten in Berlin-Neukölln in der Werner-Seelenbinder-Kampfarena eine Gedenkfeier mit 100.000 Teilnehmern durch. Doch ab 1947 habe eine Schlussstrich-Mentalität eingesetzt. Der Osten führte den Tag der Opfer des Faschismus ein, der durch das Regime für die eigene Legitimierung missbraucht worden sei. Im Westen hingegen galt eine Teilnahme am OdF-Tag als prokommunistische Aktion. Und so hatte sich in Ost und West eine unterschiedliche Gedenkkultur entwickelt. Erst seit der politischen Wende 1989 findet das Gedenken als “Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung” gemeinsam in Ost wie West statt.

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