Update: Streit um Betreuungsplätze in der Kita „Freiimfelde“

10. Februar 2014 | Vermischtes | 4 Kommentare

Stress mit Betreuungsplätzen in Kindereinrichtungen sind sicher vielen Eltern in Halle (Saale) bekannt. Was zur Zeit jedoch in der neuen Kita „Freiimfelde“ der Kinderland Halle gUG (haftungsbeschränkt), offensichtlich eine Firma die der Volkssolidarität Querfurt-Merseburg e. V. (VS) zugeschrieben werden kann, geschieht, geht über das normale Maß hinaus. In den ehemaligen Stalinbauten in der Freiimfelder Straße entstand in Zusammenarbeit mit der die Gebäude sanierenden Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH (HWG) diese neue Kindertagesstätte.

Kristin Apel ist 29 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern (4 Jahre und 20 Monate) und studiert soziale Arbeit an der HS Emden/Leer. Um sich voll auf ihre Abschlussarbeit konzentrieren zu können, benötigt Frau Apel für die zwei Kleinen nun Betreuungsplätze, welche sie auch für die Kita „Freiimfelde“ zugesagt bekam. Die Freude war nach der Zusage groß, hielt jedoch nur kurz an.

Auf seiner Internetseite schreibt der Träger der Einrichtung: „Wir bieten integrative Betreuung, sozialpädagogische Förderung und auf Wunsch eine eigene Essen- und Getränkeversorgung an.“ Vor allem der letzte Teil bezüglich des Essens ist interessant, denn als es daran ging die Betreuungsverträge zu unterschreiben, war von dem „auf Wunsch“ nichts mehr übrig.

„Die Vergabe der Betreuungsplätzen wurde plötzlich an die Bedingung geknüpft, dass ich auch das komplette Essen über den hauseigenen Lieferanten der Volkssolidarität bestelle.“, so Kristin Apel gegenüber HalleSpektrum.de. „Ich möchte meinen Kindern das Frühstück und die Vesper für Nachmittags gerne selber mitgeben, das wurde mir aber von Frau Milde, der Ansprechpartnerin bei der Volkssolidarität, als unmöglich dargestellt.“ Somit kämen für Kristin Apel zu den 134€ für Mittagessen, Getränke und Wäsche im Monat noch einmal 76€ für Frühstück und Vesper hinzu.

Kristin Apel jedoch ließ sich nicht beirren und informierte sich unter anderem beim Dienstleistungszentrum Familie der Stadt Halle und dem Jugendamt. Dort sagte man ihr, dass bei der Versorgung in Kitas tatsächlich Wahlfreiheit bestehe und die Verträge in der damals vorliegenden Form nicht einwandfrei seien. Mit dieser Tatsache konfrontierte Frau Apel dann den Träger der Kita und die Verträge wurden geändert. Auch eine ursprünglich vorgesehene Kaution musste aus den Verträgen entfernt werden.

Am Dienstag vergangener Woche sollte dann der neue Betreuungsvertrag unterschrieben und die Modalitäten der Eingewöhnungsphase für die beiden Kinder abgesprochen werden. Die Verträge lagen jedoch zum vereinbarten Termin nicht vor, so dass Frau Apel am folgenden Tag erneut erscheinen sollte. Am Mittwoch dann eine neue Überraschung: die aus den Verträgen gestrichene Forderung nach einer Kaution war durch eine Vorauszahlung ersetzt worden. 95,70€ für jedes Kind, macht 191,40€.

Papa Stefan mit Hedda (links) und Emma

Die junge Familie, die zur Zeit jeden Cent zwei Mal umdrehen muss, kann diese Summe nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln. Dies machte Kristin Apel den anwesenden Damen der Volkssolidarität auch klar und bat darum, eine Lösung finden zu dürfen. In dieser Situation muss es wohl zu unschönen Szenen gekommen sein, die wir hier jedoch nicht wiedergeben wollen, da uns weder die Leiterin der Kita, Frau Kerstin Schnabel-Janietz, noch der Geschäftsführer der VS, Herr Dirk Jürgens, für telefonische Rückfragen zur Verfügung standen. Frau Apel wurde jedoch zugestanden bis Freitag den 7. Februar 2014 eine Lösung für die Vorauszahlung zu finden und dann die unterschriebenen Verträge in der Einrichtung abzugeben.

Die Eltern von Frau Apel erklärten sich sofort bereit, die Vorauszahlung zu übernehmen, so dass die Verträge von Kristin Apel unterschrieben wurden und endlich Ruhe eingekehrt zu sein schien. Doch schon am nächsten Morgen erhielt Frau Apel einen Anruf der Leiterin der Kita. Man habe sich dazu entschieden die Kinder nicht aufzunehmen. In einem Gespräch mit HalleSpektrum.de sagte Frau Apel: „Mir wurde gesagt, dass nach erscheinen des Zeitungsartikels (in der MZ, d. Red.) die Aufnahme meiner Kinder nicht mehr möglich sei.“ Fassungslos telefonierte kurze Zeit später der Vater von Frau Apel mit dem Geschäftsführer der VS. Nach Aussage von Frau Apel wurde ihrem Vater nun als Begründung dafür, dass die Kinder nun doch nicht aufgenommen werden sollen, genannt, dass Frau Apel andere Eltern gegen die Leitung der Kita aufwiegele. Der Geschäftsfüherer der VS versprach jedoch, sich noch einmal mit den Mitarbeitern vor Ort in Verbindung zu setzen und sich dann erneut bei den Apels zu melden. Auf diesen Anruf wartet die Familie bis heute.

Weitere Anrufe beim Sozialamt und ein erneuter Besuch beim Dienstleistungszentrum Familie im Rathaus brachten keine weitere Klärung, so dass Frau Apel am Freitag zum ursprünglich vereinbarten Termin in der Kita „Freiimfelde“ erschien um die Verträge abzugeben. Diese wurden von der Leiterin nur widerwillig entgegen genommen, begleitet von der wiederholten Aussage, man werde die Kinder auf Grund der Vorkommnisse nicht aufnehmen. Frau Apel jedoch ist der Meinung, dass vor allem durch den bereits erfolgten Beginn der Eingewöhnung eine eindeutige Willenserklärung seitens der VS abgegeben wurde und somit ein Vertrag geschlossen worden sei.

So ging sie dann auch heute Morgen, wie am vergangenen Freitag angekündigt, zur Kita „Freiimfelde“ um ihre beiden Kinder um 09:30 Uhr dort zur weiteren Eingewöhnung abzugeben. Ihr wurde dort sofort von der Leiterin der Einrichtung ein Hausverbot ausgesprochen und im gleichen Atemzug mit der Polizei gedroht. Nun wird es wohl auf eine gerichtliche Auseinandersetzung hinaus laufen.

UPDATE: Der oben stehende Text beruht bis hier leider nur auf Aussagen von Frau Apel. Nach der ersten Veröffentlichung dieses Artikels kam der Kontakt zum Geschäftsführer der VS und der Leiterin der Kita schnell zu Stande. Sowohl Herr Dirk Jürgens als auch Frau Kerstin Schnabel-Janietz äußerten sich jeweils offen und umfänglich in einem längeren Telefongespräch zu den im Raum stehenden Vorwürfen und brachten somit auch ihre Blickwinkel in die Betrachtung mit ein.

Die Planung der VS im Bezug auf die Vollversorgung in den Kitas ziele auf eine gesunde und ganzheitliche Versorgung aller Kinder ab. In den Pauschalen für die Essensversorgung sei zum Beispiel auch ein Teil für frisches Obst eingeplant, welches immer in den Räumlichkeiten aufgestellt wird und von den Kindern bei Bedarf gegessen werden kann. Hier stelle sich die Herausforderung, dass man einem drei oder vierjährigen Kind schlecht vermitteln könne, warum ausgerechnet dieses eine nicht an das Obst gehen dürfe, wenn die Eltern die Pauschale hierfür nicht zahlen wollten. Deshalb strebe die VS eine Vollversorgung in all ihren Einrichtungen an. In der Kita „Freiimfelde“ hätten sich 98% der Eltern auch genau hierfür entschieden.

Weiterhin soll Frau Apel von Anfang an eine deutliche Abneigung gegen die gesamte Konzeption der Kita an den Tag gelegt haben. Es soll nach Angaben von Herrn Jürgens und Frau Schnabel-Janietz bei Gesprächen zwischen Frau Apel und den vor Ort tätigen Angestellten sehr lautstark zugegangen sein. Vor ebenfalls anwesenden weiteren Eltern sollen sich Szenen zugetragen haben, die die Angestellten im Nachgang vor große Probleme stellte, um die Kinder wieder zu beruhigen. Vor diesem Hintergrund habe man sich entschieden, die Kinder nicht aufzunehmen, die Ablehnung der Vollversorgung habe hierbei keine Rolle gespielt. Wenn es einmal Komplikationen mit den Kindern gebe, zum Beispiel bei der altersgerechten Entwicklung, sei es ein Nachteil wenn das Verhältnis zwischen Eltern und Betreuern von Anfang an kein Gutes ist.

Herr Jürgens betonte zum Abschluss des Gespräches auch, dass es das Bestreben der VS und auch sein persönliches sei, in schwierigen Fällen eine Betreuung unkompliziert zu ermöglichen. In besonderen Fällen ginge dies dann auch einmal auf „dem kurzen Dienstweg“ innerhalb von zwei Stunden. HalleSpektrum.de wurde nun auch von der Leiterin der Kita zu einem persönlichen Termin vor Ort eingeladen, um sich ein eigenes Bild von der Kita zu machen.

Print Friendly, PDF & Email
4 Kommentare

Kommentar schreiben