Straßenschilder: Ehrung für Senff und Kügelgen

5. Dezember 2013 | Vermischtes | Keine Kommentare

Während seiner Studienzeit an der Dresdner Kunstakademie war Carl Adolf Senff für drei Jahre als Hauslehrer im von Kügelgenschen Haus angestellt. Der vor allem für seine Porträts und minutiösen Blumenstillleben berühmte Maler verweilte 32 Jahre seines Lebens in Rom, er starb in Ostrau. Ein Großteil seiner Werke befindet sich im Besitz des Kunstmuseums, Stiftung Moritzburg in Halle. Der Porträt- und Historienmaler Wilhelm von Kügelgen wirkte am Hof von Ballenstedt als Hofmaler und Kammerherr des Herzogs von Anhalt-Bernburg. Berühmt wurden seine „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“, in denen er auch von seinem Besuch in Halle im Jahre 1811 in Begleitung seines Hauslehrers Carl Adolff Senff berichtet.

Sowohl die Wilhelm-von-Kügelgen-Straße als auch die Senffstraße erhalten am Montag, 9. Dezember 2013, um 11 Uhr, im Rahmen des Projekts „Bildung im Vorübergehen“ der Bürgerstiftung Zusatzschilder. Es sprechen Antje Löhr-Dittrich und Dr. Georg Rosentreter (Ostrau-Gesellschaft e. V.). Die Schilder für Wilhelm von Kügelgen wurden gespendet von Prof. Wolfhard und Ingemarie Frost sowie von Dr. Karla und Dr. Johannes Rohde. Die Schilder für die Senffstraße wurden gespendet von Michael von Busse.

Wilhelm von Kügelgen (1802–1867)
Am 20. November 1802 wurde Wilhelm von Kügelgen in Sankt Petersburg geboren als zweites Kind des Historienmalers Gerhard von Kügelgen (1772–1820) und dessen Ehefrau Helene Marie Zoege von Manteuffel (1773–1842). 1805 zog die Familie nach Dresden, wo er ab 1809 zusammen mit seinem Bruder Gerhard von Carl Adolf Senff als Hauslehrer privat unterrichtet wurde. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bernburg begann Wilhelm von Kügelgen ein Studium der Malerei bei seinem Vater an der Dresdner Kunstakademie. Die Ermordung seines Vaters bei einem Raubüberfall am 27. März 1820 stürzte ihn in eine tiefe Glaubens- und Lebenskrise. Er zweifelte an seinem künstlerischen Können, zudem machte sich eine Rot-Grün-Schwäche bemerkbar, die ihm das Malen in Öl erschwerte. 1823 erhielt Kügelgen ein Stipendium des russischen Zaren Alexander, das ihm in den folgenden vier Jahren den Abschluss seiner künstlerischen Ausbildung in Rom ermöglichen sollte. In Rom befreundete er sich unter anderem mit Ludwig Richter, Carl Peschel, Ludwig von Maydell. Doch schon nach einem Jahr trat er den Rückweg über Florenz, Venedig und Mailand an. Zunächst versuchte er als Maler in Reval, wo ein Teil seiner Familie wohnte, und St. Petersburg Fuß zu fassen, erhielt aber nur einen Großauftrag für das Altargemälde in der Revaler St. Olaikirche, dass er über die nächsten drei Jahre in Hermsdorf bei Dresden ausführte. 1833 erhielt er den Ruf als Hofmaler an den Anhalt-Bernburgischen Hof in Ballenstedt. Hier entstanden zahlreiche Porträts, Landschaftsbilder und Zeichnungen. Während der Märzrevolution 1848 wurde er der politische Berater der Herzogin Friederike und 1853 zum Kammerherrn des geisteskranken Herzogs Alexander Carl ernannt. Während der letzten Lebensjahre des Herzogs auf Schloss Hoym, wohin ihn von Kügelgen begleitete, verfasste er seine „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“, die ein authentisches Porträt der Zeit darstellen. Wilhelm von Kügelgen starb am 25. Mai 1867 in Ballenstedt und ist auf dem Ballenstedter Friedhof begraben.
Wilhelm von Kügelgen war verheiratet mit Julie Krummacher, einer Tochter seines früheren Gymnasiallehrers in Bernburg, des Anhalt-Bernburger Landessuperintendenten Friedrich Adolf Krummacher. Das Paar hatte drei Töchter und drei Söhne. Ihr Haus in Ballenstedt steht noch heute in der nach dem Künstler benannten Straße. Die „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“ wurden erst nach von Kügelgens Tod veröffentlicht, waren aber bald die Lieblingslektüre der bürgerlichen Gesellschaft und sind bis heute in 17 verschiedenen Verlagen mehrfach neu aufgelegt worden. Darin berichtet von Kügelgen über seine Kindheit und Jugend im napoleonischen Zeitalter bis zur Ermordung seines Vaters. In Dresden hatte der Vater Gerhard von Kügelgen einen Hauslehrer für seine Kinder angestellt – Carl-Adolf Senff, der seinerseits beim Vater Gerhard von Kügelgen Kunst studierte. 1811 nahm der Hauslehrer seinen Zögling Wilhelm auf eine mehrwöchige Reise mit in seine Heimatstadt Halle. Hier wohnte Wilhelm von Kügelgen in Senffs Elternhaus im Moritzpfarrhof. In seinen „Jugenderinnerungen“ beschreibt er sein Feriendomizil, die Moritzkirche, den Pfarrgarten und Lorchen, eine Schwester Senffs, mit der er gern die Zeit verbrachte.

Antje Löhr-Dittrich
Quellen:
Elschenbroich, Adalbert, „Kügelgen, Wilhelm“, in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 185-186
[Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118567551.html
Schöner, Hans: Wilhelm von Kügelgen. Sein Leben und seine Bilder. Kiel 1992.

Carl Adolf Senff (1785 – 1863)
Carl Adolf Senff wurde am 17. März 1785 als 13. Kind des Konsistorialrats Carl Friedrich Senff im Pfarrhaus an der Moritzkirche zu Halle (Saale) geboren. Er besuchte das Gymnasium „Latina“ der Franckeschen Stiftungen und studierte Theologie in Halle. Anschließend war er als Lehrer an der Leipziger Bürgerschule sowie im Hause von Gerhard von Kügelgen sen. in Dresden tätig, von dem er seine malerische Ausbildung erhielt. 1815 meldete sich Senff als Freiwilliger zu den Makraner Jägern, mit denen er in den Feldzug gegen Frankreich zog, ohne jedoch an einer Schlacht teilzunehmen. Anschließend führte ihn sein Weg nach Italien, wo er 32 Jahre seines Lebens verbrachte. Senff lebte in der bekannten Künstlerherberge „Casa Butti“ in Rom, er wurde Mitglied der Künstlerakademie in Perugia und erwarb sich den Ruf eines bedeutenden Portrait- und Stilllebenmalers. Er unterhielt zahlreiche Kontakte zu anderen Künstlern, z. B. zu den Bildhauern Christian Daniel Rauch und Bertel Thorvaldsen. 1848 kehrte Senff nach Deutschland zurück. Nach kurzem Aufenthalt in Berlin ließ er sich bei seinem älteren Bruder Carl Wilhelm Senff in Ostrau am Petersberg nieder, wo dieser Pfarrer war. Bei unverminderter Schaffenskraft schuf er hier einige seiner bedeutendsten Werke. Später heiratete er Auguste Held, die Pflegetochter seines Bruders. Am 21. März 1863 starb Senff 78jährig. Beigesetzt wurde er in Ostrau. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde des Ortes unter der sog. „Professorenlinde“. 2013, im Jahr seines 150. Todestages, wurde sein Grab durch die Ostrau-Gesellschaft e.V. vollständig wiederhergestellt. Die Stiftung Moritzburg Halle (Saale) – Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt – besitzt den größten zusammenhängenden Bestand von Werken Carl Adolf Senffs.
Ostrau-Gesellschaft e. V.

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