Straße der Opfer des Sozialismus: Jusos kritisieren Julis

31. Januar 2014 | Vermischtes | 1 Kommentar

Mit großem Bedauern registrieren die Jusos Halle den aufkommenden Geschichtsrevisionismus bei Teilen der verbliebenen sogenannten Jungliberalen (JuLis). Der am 30. Januar publizierte Vorschlag der JuLis Halle, die Emil-Abderhalden-Straße in eine Straße für die „Opfer des Sozialismus“ umzubenennen, offenbart mangelnde Bereitschaft und Ernsthaftigkeit bei der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Stattdessen wendet sich der Vorschlag unreflektiert dem folgenden Unrechtsregime, der DDR, zu.

Die Jusos warnen davor, Menschen, die Opfer einer menschenverachtenden Ideologie geworden sind, für politische Spielchen zu missbrauchen. Wir bleiben bei unserem Vorschlag, zumindest einen Teil der Emil-Abderhalden-Straße nach verdienten Frauen zu benennen. Wir denken, dass Gertrud Schubart-Fikentscher, Emmy Noether oder auch Elisabeth Blochmann anerkannte Persönlichkeiten der Wissenschaft und Gesellschaft waren, die mit einer Straßenbenennung in prominenter hallescher Lage geehrt werden sollten.

In diesem Zusammenhang begrüßen die Jusos, dass die JuLis Halle sich endlich auch mit der Gleichstellungsfrage auseinandersetzen. Wir bedauern aber zutiefst, dass das Schicksal von strukturell diskriminierten Personen den Parteifreundinnen und -freunden von Rainer „Herrenwitz“ Brüderle offensichtlich nur als Zielscheibe ihres Spottes dient. Der Versuch, ernstzunehmende Politik durch Grammatik-Witzchen zu diskreditieren, darf als gescheitert angesehen werden. Benachteiligung wird durch Strukturen zementiert. Das haben die JuLis offenbar noch nicht verstanden.

Aufgrund dieser jungliberalen Kapitulation vor der fundierten und ernsthaften Auseinandersetzung mit politischen Themen können wir abschließend nur die Umbenennung der Geiststraße in „Straße der Opfer des neoliberalen Geistes“ fordern. Mit einer solchen Straße soll all jenen Menschen gedacht werden, die Opfer von Brüderle-Herrenwitzen, Möllemann-Antisemitismus, Westerwelle-Mövenpick-Steuern und Pflege-Bahr-Versicherungen geworden sind. Also uns allen.

Weiterführender Artikel:
JuLis wollen “Straße der Opfer des Sozialismus”

Print Friendly, PDF & Email
Ein Kommentar

Kommentar schreiben