Steintor, Königsviertel, Giebichensteinbrücke: Millionen-Investitionen 2015 in Halle

7. Januar 2015 | Vermischtes | 5 Kommentare

Im gerade begonnen Jahr stehen in Halle (Saale) einige Millionen-Investitionen an. Wir haben eine Übersicht über die größten Vorhaben zusammengestellt.

Steintor
umbau steintorDas wohl größte Projekt ist der Umbau der Steintor-Kreuzung, mehr als 20 Millionen Euro werden investiert. In den nächsten Wochen erfolgt die Fällung von 57 zur Vorbereitung. Richtig gebaut wird dann ab März, ab Juni ist auch die Straßenbahn betroffen. Nach Abschluss der Arbeiten ist dann auch eine Neupflanzung von 57 Bäumen vorgesehen. Direkt vor dem Varieté soll ein Spitzahorn gepflanzt werden, zudem Zierkirschen, Feldahorn, Robinie und Lederhülsenbaum. Am östlichen Fahrbahnrand sollen zwischen Ernst-Kromayer-Straße und Krausenstraßenstraße ist die Pflanzung von 8 Spitzahorn-Bäumen vorgesehen. Der Gehbereich vor den jetzigen Geschäften wird mit einer Mischung aus Mosaikpflaster und Großplatten an, so wie die meisten Gehwege in der Altstadt gestaltet sind. Für den Rest des Platzes sind verschiedene Gestaltungsformen aus klein- bis mittelformatigen Betonstein-Platten vorgesehen. Wegen der Bedeutung des Platzes will man dabei auf Betonstein mit hochwertigem, sandgestrahlten Naturstein-Vorsatz in drei unterschiedlichen Graunuancen setzen. Der neue Radweg, der über den Platz führen wird, wird asphaltiert. Beleuchtet wird der westliche Platzbereich durch sogenannte Pendelleuchten, die zwischen dem Fahrdraht der Straßenbahn angebracht werden. In der Grünfläche werden Lichstelen aufgestellt. An den Straßen werden normale Laternen, sogenannte Kofferleuchten stehen. Daneben ist auch eine Anstrahlung des Steintor-Varietés vorgesehen, dessen Fassade derzeit saniert wird. Umgesetzt werden muss das Denkmal für die Timberwölfe, es wird neben der neuen Haltestelle aufgestellt. Auf dem Platz wird es in Zukunft 38 Fahrradständer geben, davon 20 in den Randlagen des Steintorplatzes, am Parkplatz Große Steinstraße, am Übergang zur Ernst-Kromayer-Straße und in der Ludwig-Wucherer-Straße. Die anderen befinden sich an den Fahrgastunterständen und im Baumblock auf der westlichen Platzfläche. Zum Ausruhen werden auch Bänke aufgestellt, vorgesehen sind einfache Ausführungen mit Betonsockel mit Holzauflage, partiell sind laut Stadt Rücken- und Armlehnen vorgesehen. Die beiden Kioske wird es in Zukunft nicht mehr geben. Auch nach der Umgestaltungen wird es am Steintor-Platz Frühjahrs- und Sommerbepflanzungen geben, jedoch nicht mehr in dem großen Umfang wie bislang. Stattdessen sollen mehr Stauden und Gräser in der Platzgestaltung eingesetzt werden. Dadurch lässt sich der Pflegeaufwand minimieren. Obendrauf hat es noch den Vorteil, dass der Platz auch im Winter nicht kahl ist, sondern ebenfalls von Pflanzen gesäumt wird. Die Kreuzung Berliner Straße / Paracelsusstraße soll künftig mit einer Ampel ausgerüstet werden. Daneben kommt eine weitere Zufahrt hinzu – die „neue“ Ludwig-Wucherer-Straße. Weil die bisherige „LuWu“ abgekoppelt wird, soll eine neue Straße aber der Emil-Abderhalden-Straße abzweigend nördlich hinter einem geplanten Parkhaus (jetzt Bauernclub) und dem Diesterweghaus entlang geführt werden. Der Bereich soll bis auf den Lieferverkehr komplett autofrei werden. Autos werden über Magdeburger Straße und Krausenstraße in die Große Steinstraße geleitet. Vom Steintor-Platz zur Kromayerstraße und an der Ecke Große Steinstraße / Krausenstraße soll es Fußgängerüberwege mit Mittelinseln geben. Der Radverkehr erhält eigene Wege über den Platz, zumeist geführt neben den Straßenbahngleisen. Eine Zentralhaltestelle für alle Linien wird es nicht geben, die Linie 12 hat auch weiterhin eine eigene Haltestelle.

Königsviertel
KönigsviertelAn der Niemeyerstraße entsteht für 14,2 Millionen Euro das „Königsviertel“. 114 Wohnungen sowie im Eckgebäude eine Begegnungsstätte sind im Wohnquartier “Königsviertel” geplant, hauptsächlich Zwei-Zimmer-Wohnungen. Blickfang wird ein siebengeschossiger Wohnturm sein. Der Name rührt von der einstigen Königsstraße, die hier entlang lief. Im Hof des 6.900 Quadratmeter großen Geländes sind Grünflächen sowie ein Spielplatz vorgesehen. Geplant ist auch der Bau einer Tiefgarage mit 100 Stellplätzen. Die Zufahrten sollen über Ernst-Toller-Straße und Kurt-Eisner-Straße erfolgen. Derzeit wird das Gelände als riesiger Schotter-Parkplatz genutzt. In den vergangenen Jahren hatte ein früherer Eigentümer auf dem 8.000 Quadratmeter großen Gelände zahlreiche Gebäude abreißen lassen. Auf Nachhaltigkeit soll beim Bau geachtet werden. So wird das Warmwasser des Hauses durch Solarthermie erzeugt werden. Beheizt wird der Komplex durch Fernwärme. Zudem wird es eine Ladestation für E-Bikes und Elektroautos geben.

Rannischer Platz
rannischer2Seit Oktober wird bereits der Rannische Platz für 5,2 Millionen Euro umgebaut. Bauphase 2 geht von März bis Juni 2015 und hat die größten Auswirkungen. Dabei werden die Zufahrten zur Beesener Straße und zum Steinweg gesperrt. Auch die Straßenbahnen können in diesem Zeitraum den kompletten Platz nicht befahren. Von Juli bis August 2015 läuft die dritte Bauphase mit Sperrung der Zufahrten zur Willy-Brandt-Straße und Liebenauer Straße. Die Straßenbahn wird dann schon wieder fahren. Der Platz wird komplett neu gestaltet und die komplette Gleisanlage erneuert und erweitert. Ebenso werden sämtliche Ver- und Entsorgungsleitungen auf und um den Verkehrsknoten ausgetauscht bzw. saniert.

Planetarium
Gasometer2Ins Gasometer am Holzplatz soll das neue Planetarium. Der Neubau ist notwendig, weil das 1978 erbaute Planetarium auf der Peißnitz beim Hochwasser vor anderthalb Jahren schwer beschädigt wurde. Für 120.000 Euro soll das Gebäude abgerissen werden. 8 Millionen Euro sollen die Arbeiten kosten. 6,8 Millionen Euro davon sollen aus dem Fluthilfe-Fond kommen, der Rest durch Spenden und Sponsoring. Die Stadt favorisiert das Gasometer, obwohl diese Variante 2 Millionen Euro mehr kostet als die Neubauten an anderen Standorten. Bedingt ist dies durch die spezielle Bauweise des Gasometers. Daneben gibt es am Holzplatz drückendes Grundwasser, zudem ist das Areal mit alten Industrieschadstoffen belastet. Das eigentliche Planetarium soll auf das Gasometer „aufgesetzt“ werden. Der darunter entstehende Raum könnte beispielsweise für Veranstaltungen genutzt werden. Die Fensteröffnungen im Gasometer werden verglast. Die Decke darüber wird als Stahlbeton-Kassettendecke ausgeführt. Der Zugang soll über eine neu angelegte Rampe und Treppe erfolgen, zudem ist eine zweite Fluchttreppe nötig. Diese soll in einem Treppenturm realisiert werden, der auch Platz für die Sternwarte bietet. Der Planetariums-Aufbau erhält einen zwei Meter breiten Außenring, der als Aussichtsterrasse sowie als Ort für die mobile Sternbeobachtung genutzt werden kann. 100 bis 120 Plätze soll der Innenraum bieten. Hinzu kommen Büros, ein kleiner Hörsaal, eine Bibliothek und das Foyer mit Platz für eine Dauerausstellung. Auf dem Außengelände sollen bis zu 100 Parkplätze entstehen.

Finanzamt
finanzamt1An der Spitze entsteht derzeit das neue Behördengebäude. Zwischenzeitlich gab es einen Baustopp. Der Kläger, ein benachbarter Immobilienbesitzer, hatte mit seinem Eilantrag gegen eine Tiefgaragenzufahrt wegen befürchteter Abgase keinen Erfolg. Rund 36 Millionen Euro kostet der Neubau, errichtet wird er im Rahmen eines PPP-Modells (Public Private Partnership) durch die Firma Papenburg, der das Grundstück auch gehört. Das Unternehmen ist für Baukosten, Finanzierung und Instandhaltung verantwortlich. Das Land zieht als Mieter ein und zahlt die Kosten über 25 Jahre in Raten zurück. Monatlich sind je Quadratmeter Nutzfläche 8,80 Euro fällig. Mit Instandhaltung und weiterer Kosten muss das Land 70 Millionen Euro zahlen, kritisiert der Bund der Steuerzahler. Zudem hätten auch landeseigene Immobilien zur Verfügung gestanden. So wären eine Sanierung des Bestandsgebäudes oder der Scheibe C in Halle-Neustadt denkbar gewesen. 439 Beamte sollen einmal in dem Gebäude tätig sein. Auf 19.300 Quadratmeter Nutzfläche soll das Finanzamt, das derzeit in einem maroden Plattenbau am Gimritzer Damm untergebracht ist, Platz finden. Unter dem 5-geschossigen Neubau soll eine Tiefgarage für die Mitarbeiter das Parkplatzproblem vor Ort lösen.

HFC-Nachwuchsleistungszentrum
In diesem Jahr beginnen die konkreten Planungen für das neue HFC-Nachwuchsleistungszentrum. 8,5 Millionen Euro soll es kosten. Vorgesehen sind 3 Kunstrasenplätze, 3 Naturrasenplätze, ein Technikparcours sowie ein Sozialgebäude und Stellplätze für Busse und Autos. Etwa 6 Millionen Euro soll der Neubau kosten, die Finanzierung soll über den Fluthilfefond erfolgen. Der Neubau für die Fußball-Jungs und Mädels ist nötig, weil das alte Leistungszentrum am Sandanger vom Hochwasser schwer beschädigt wurde.

Osttangente
osttangente22,6 Kilometer fehlen nun noch zwischen Delitzscher Straße und B100, un der Lückenschluss soll nun in diesem Jahr erfolgen. Zwei Jahre dauern die Arbeiten. In die Fertigstellung der Haupterschließungsstraße Halle-Ost investiert die Stadt etwa 29,5 Millionen Euro, rund 22,3 Millionen Euro davon kommen als Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur” (GRW). Die Arbeiten kosten damit mehr als ursprünglich geplant. Grund sind laut Stadtverwaltung zum einen die leichte Verschiebung der Trasse im Bereich Dautzsch sowie Honorarerhöhungen der Planer. Der vierte Bauabschnitt umfasst den Ausbau der Fahrbahn auf eine Breite von 7,50 Metern, abschnittsweise einen befestigten, einseitigen, 2,50-Meter-breiten Rad-/Gehweg, passive und aktive Lärmschutzmaßnahmen sowie insgesamt fünf Überführungen über Straßen und Bahnstrecken.

Schulsanierungen
Auch in die Sanierung von Schulen steckt Halle Geld. Seit Herbst laufen die Arbeiten an der Friesenschule und am Herder-Gymnasium. In diesem Jahr sollen zudem Brandschutzertüchtigungen am Südstadt-Gymnasium und am Christian-Wolff-Gymnasium durchgeführt werden.

Bahn
Bahnknoten7Ganze 700 Millionen Euro, allerdings verteilt über vier Jahre, investiert die Deutsche Bahn in den Standort Halle. Hier entsteht unter anderem eine Zugbildungsanlage. Ende des Jahres schon soll ein Teil des Rangierbahnhofs in Betrieb genommen werden. Im April 2017 ist die Inbetriebnahme der gesamten Anlage geplant. Bis dahin werden 36 neue Richtungsgleise werden errichtet, ein neuer Ablaufberg und zwei neue vollautomatische Stellwerke gebaut sowie mehr als 130 Weichen eingebaut. 42 Kilometer Gleise und 76.000 Tonnen Schotter werden verlegt. In der Anlage, die 146 Millionen Euro kosten wird, sollen einmal täglich bis zu 2.500 Waggons bearbeitet werden. 150 Jobs entstehen. Doch auch am Bahnknoten selbst wird gearbeitet. Auch die Bahnsteige im Hauptbahnhof der Saalestadt werden modernisiert. Im Jahr 2016 wird für die Bauarbeiten die Ostseite des Bahnhofs mit den Gleisen 7 bis 12 gesperrt. Ein Jahr später folgt die Westseite mit den Gleisen 1a bis 6. Nötig sind die Arbeiten, um Halle an die ICE-Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt-Halle/Leipzig-Berlin anzuschließen. Mit dem Umbau kann die Geschwindigkeit der Züge innerhalb der Stadt von 40 km/h auf bis zu 160 km/h angehoben werden. Schnellere Züge heißt natürlich mehr Lärm. Deshalb werden auch 20 Kilometer Lärmschutzwände aufgestellt. Schon während der Arbeiten will die Bahn durch mobile Schutzwände den Lärm um bis zu 17 Dezibel reduzieren.

Schnittpunkt Nietleben

Bahnhof Nietleben

Bahnhof Nietleben

Gebaut wird auch am Bahnhof Nietleben. Nach dem Abriss soll es im zweiten Quartal mit den richtigen Baumaßnahmen losgehen. Während der gesamten Bauzeit werden keine Sperrungen erfolgen, die Nutzung der Zufahrten und Zuwege zum Bahnsteig und der Haltestellen in der Heidestraße sind ständig gewährleistet. Der S-Bahnsteig war in der Vergangenheit schon umgebaut worden. Nun sollen noch ein Park&Ride-Parkplatz mit 40 Stellplätzen, zwei Behindertenstellflächen sowie 40 überdachte Fahrradstellplätze entstehen. Auch eine Ladestation für Elektrofahrräder soll errichtet werden. Der Fußweg wird auf beiden Seiten 2.50m breit, hinzu kommt ein Radweg von 1.60m je Richtung. Vorgesehen ist eine Mittelinsel im Bereich der Bushaltestelle, um so ein Überqueren der Straße für Fußgänger zu erleichtern. Auch die Barrierefreiheit wird verbessert.

Hochwasser
Einen großen Anteil der Investitionen nehmen auch diverse Beseitigungen von Hochwasserschäden ein. Dazu gehört die Herrichtung des Mitteldeutschen Multimediazentrums MMZ, in das in diesem Jahr mehr als 7 Millionen Euro fließen. Begonnen werden zudem Uferbefestigungen an der Saale im Bereich Saline und Riveufer. In Radewell / Osendorf werden die Burgholzbrücke und die Elsterbrücke saniert. Ebenfalls saniert werden die Gimritzer Gutsbrücke und Pfälzer Brücke. Und auch an zwei wichtigen Saaleübergängen wird gearbeitet. Wegen Flutschäden müssen die Auffahrt vom Glauchaer Platz nach Neustadt und die Abfahrt von Neustadt zum Glauchaer Platz abgerissen und neu gebaut werden. 3,6 Millionen Euro aus dem Fluthilfefond wurden dafür genehmigt. Für 1,3 Millionen Euro muss zudem die sogenannte Schleusenbrücke der Hochstraße saniert werden, das ist der Teil zwischen Glauchaer Platz und Neustadt. Daneben steht auch die turnusmäßige Sanierung der Hochstraße im Bereich des Franckeplatzes für 6,3 Millionen Euro an. Zudem erfolgen Arbeiten an der Giebichensteinbrücke. Neben Flutschäden werden hier auch allgemeine Korrossionsschäden behoben. So ist der Beton so geschädigt, dass Teile herausbrechen. Auch gibt es Ausplatzungen an Fugen, teilweise sind diese ganz defekt. Im Gehwegbelag bilden sich immer wieder Blasen. Die Straßenbahngleise bleiben erhalten. Lediglich die Schienenkammersteine und die Spurstangen zwischen den Schienen werden ersetzt. Ein Großteil der Arbeiten soll unter einer halbseitigen Sperrung erfolgen. Auch der Straßenbahnverkehr soll weitestgehend aufrechterhalten werden.

Weitere große Projekte
Rauchfrei2Die Wohnungsgenossenschaft Halle-Süd errichtet an der Elsa-Brändström-Straße an der Ecke Schwalbenweg das „Schwalbennest“, die ersten rauchfreien Mietshäuser. 33 Wohnungen entstehen. An der Südwache startet der nächste Bauabschnitt zur Sanierung. Beendet werden in diesem Jahr die Arbeiten für das neue Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Trotha. Für 1,7 Millionen Euro entsteht derzeit an der Robert-Koch-Straße eine neue Kraftsporthalle. In die Händelhalle werden unter anderem 460.000 Euro für eine Erneuerung der AMX-Anlage investiert.

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