Stadtrat beschließt: neues Planetarium im Gasometer, Altbau auf der Peißnitz wird abgerissen

26. November 2014 | Vermischtes | 1 Kommentar

Das neue Planetarium wird im Gasometer am Holzplatz eingerichtet. Das hat der Stadtrat am Mittwoch beschlossen. Zudem wurde in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, das Areal im Holzplatz komplett zu übernehmen. Bisher gehörte es zur Hälfte Mitgas.
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Der Neubau ist notwendig, weil das 1978 erbaute Planetarium auf der Peißnitz beim Hochwasser vor anderthalb Jahren schwer beschädigt wurde. Für 120.000 Euro soll das Gebäude abgerissen werden. Doch auch das ist nicht unumstritten, handelt es sich doch um einen Bau von „Schalen-Müller“. Deshalb hatten die Grünen einen Antrag gestellt, den Altbau auf der Peißnitz zu erhalten. Kulturdezernentin Judith Marquardt erklärt dazu, das Gebäude sei ein wirtschaftlicher Totalschaden und werde abgerissen. „Es gibt kein Nutzungskonzept.“ Inés Brock (Grüne) sieht das Peißnitzhaus oder die Kinderstadt als möglichen Nutzer und fordert ein Konzept ein, das die Stadt entwickeln soll. „Der Stadtrat beauftragt die Verwaltung mit der Erstellung eines fundierten Betreiberkonzeptes, welches gemeinsam mit der Vorlage zum Baubeschluss vorgelegt wird“, heißt es in einem Antrag der Grünen. Diesen hält Eberhard Doehe (CDU) für unzulässig. „Wir treffen hier eine Standortentscheidung und keine Entscheidung über das alte Planetarium“, meint er und sorgt entsprechend für Kritik von Inés Brock. Schließlich ist in der Vorlage von einem Abriss des alten Gebäudes die Rede. Doeges Antrag, den Grünen-Antrag abzusetzen, wurde vom Rat mehrheitlich abgelehnt. Gottfried Koehn (SPD) erkundigt sich, weshalb nicht die Franckeschen Stiftungen genutzt wurden. Hier gebe es laut Kulturdezernentin Judith Marquardt zu wenig Platz. Christoph Bernstiel (CDU) zweifelt an, dass das leerstehende Gebäude 60.000 Euro Unterhalt kostet und will eine Aufstellung. Die soll schriftlich kommen. Christian Feigl (Grüne) ist insbesondere wegen der Informationspolitik der Stadt sauer. Die hatte erklärt, ein Abriss des alten Gebäudes sei nötig, um Flutmittel zu erhalten. Die Grünen haben von der Investitionsbank andere Informationen erhalten. Sie machen nun Druck, einen Beschluss zu fassen, das alte Gebäude stehen zu lassen. OB Wiegand spricht dagegen von einem Totalschaden, der Antrag sei widersinnig. „Wir können nicht einen wirtschaftlichen Totalschaden geltend machen um dann eine Nachnutzung zu präsentieren.“ Inés Brock (Grüne) sieht das anders. „Ein Totalschaden heißt, dass es nicht als Planetarium nachgenutzt werden kann“, erklärt sie. Bodo Meerheim (Die Linke) sagte, „die Stadt hat andere Aufgaben, als dieses marode Gebäude herzurichten.“ Christoph Bernstiel (CDU) will zumindest eine mögliche Nachnutzung prüfen lassen. Seine Fraktionskollegin Ulrike Wünscher hält dagegen nichts vom Gebäude. Der Peißnitzhausverein könne das gar nicht finanziell stemmen. Tom Wolter (MitBürger) findet eine Prüfung der Nachnutzung sei unschädlich für die Gasometer-Pläne.
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8 Millionen Euro sollen die Arbeiten kosten. 6,8 Millionen Euro davon sollen aus dem Fluthilfe-Fond kommen, der Rest durch Spenden und Sponsoring. So sind beispielsweise Mittel aus Zusagen zum Verkauf der städtischen Anteile am Gasunternehmen VNG eingeplant. Allerdings gibt es hier durchaus unterschiedliche Auffassungen in der Stadtverwaltung, wonach die Gelder verfallen sind, weil diese nicht rechtzeitig abgerufen worden.

Die Stadt favorisiert das Gasometer, obwohl diese Variante 2 Millionen Euro mehr kostet als die Neubauten an anderen Standorten. Bedingt ist dies durch die spezielle Bauweise des Gasometers. Daneben gibt es am Holzplatz drückendes Grundwasser, zudem ist das Areal mit alten Industrieschadstoffen belastet. Das eigentliche Planetarium soll auf das Gasometer „aufgesetzt“ werden. Der darunter entstehende Raum könnte beispielsweise für Veranstaltungen genutzt werden. Die Fensteröffnungen im Gasometer werden verglast. Die Decke darüber wird als Stahlbeton-Kassettendecke ausgeführt. Der Zugang soll über eine neu angelegte Rampe und Treppe erfolgen, zudem ist eine zweite Fluchttreppe nötig. Diese soll in einem Treppenturm realisiert werden, der auch Platz für die Sternwarte bietet. Der Planetariums-Aufbau erhält einen zwei Meter breiten Außenring, der als Aussichtsterrasse sowie als Ort für die mobile Sternbeobachtung genutzt werden kann. 100 bis 120 Plätze soll der Innenraum bieten. Hinzu kommen Büros, ein kleiner Hörsaal, eine Bibliothek und das Foyer mit Platz für eine Dauerausstellung. Auf dem Außengelände sollen bis zu 100 Parkplätze entstehen.
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Geprüft wurden auch acht weitere Standorte. Die Feldscheune der Franckeschen Stiftungen weist laut Untersuchung eine zu hohe Lichtverschmutzung auf, biete zudem keine freie Sicht nach Süden und wäre mit erheblichen Eingriffen in das Denkmal verbunden. Geprüft wurden auch die Andalusierstraße und die Blücherstraße, hier werden ebenfalls die starke Lichterverschmutzung und die fehlende freie Sicht nach Süden bemängelt. Beim Heinrich-Heine-Felsen handelt es sich um Privatgelände. Die Freifläche am Weinbergweg / Heideallee steht laut Stadt nicht zur Verfügung, weil es sich laut Bebauungsplan um eine Erweiterungsfläche für die Uni handelt und zudem Lichtverschmutzung durch das Biologicum vorhanden ist. Auch das Areal an der Betty-Heimann-Straße steht nicht zur Verfügung, weil es bereits an universitäre Einrichtungen veräußert wurde. Am Roßplatz ist die Sicht Richtung Süden ebenfalls nicht gegeben, es gibt eine starke Lichtverschmutzung sowie starke Bodenschwingungen durch die nahegelegene Straßen. Daneben wurde auch geprüft, das Planetarium an Stelle des Gasdruckreglergebäudes zu errichten.

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