Stadtphysikus, Gelehrter,Psychiatrie-Begründer: Sonderschau zu Reil

20. November 2013 | Vermischtes | Keine Kommentare

Gleich drei neue Sonderausstellungen befassen sich in den nächsten Wochen mit Johann Christian Reil. Anlass ist der 200. Todestag des bedeutenden Mediziners, Begründers der Psychiatrie, Universitätsgelehrten, Stadtphysikus und prägenden Bürgers der Stadt Halle.

Johann Christian Reil (1759 – 1813) lebte und arbeitete seit 1780 bis zu seinem Tod in Halle.

Unter dem Titel „Das geheimnisvolle Organ – Die Vorstellung über Hirn und Seele von Johann Christian Reil bis heute“ sind die Ausstellungen im Universitätsmuseum, dem Kunstforum Halle und der Moritzburg zu sehen. 17 Leihgeber steuerten Exponate bei, wie die Universitäts- und Landesbibliothek, das Uni-Archiv, das Stadtarchiv und das niedersächsische Landesarchiv. „Reil war eine gesellige Persönlichkeit“, sagte der frühere Uni-Kustos Ralf-Torsten Speler. Er habe erkannt, dass Geselligkeit zum Leben dazugehöre. Speler wies darauf hin, dass Reil aus diesem Grund in der früheren Kirche des alten Barfüßerklosters (heute Uniplatz) ein Theater einrichtete.

Das Universitätsmuseum zeigt Reil als Wissenschaftler und zentral als Hirnanatom. Die Ergebnisse seiner Arbeit waren im frühen 19. Jahrhundert maßgebend und bildeten die Basis für die weitere Forschung auf diesem Gebiet. Er publizierte zudem mit dem “Archiv für die Physiologie” die erste physiologische Fachzeitschrift der Welt. Verdient machte er sich auch, indem er sich bei der Behandlung psychisch Kranker für deren menschenwürdige Unterbringung einsetzte und den üblichen Umgang mit “Irren” zu seiner Zeit scharf kritisierte. So sind im Universitätsmuseum Präparate zu sehen, die heute in den Meckelschen Sammlungen bewahrt werden, wie Hirnpräparate, die die sogenannte “Reilsche Insel” zeigen. Ergänzt wird die Schau durch zahlreiche Originaldokumente, etwa Reils Eintrag in die Matrikel der Universität, seine Dissertation und die Promotionsurkunde. Hinzu kommen Kunstobjekte, die zu Ehren Reils gefertigt wurden, wie die Porträtplastik aus Marmor, geschaffen von Ernst Friedrich August Rietschel. Die Ausstellung im Universitätsmuseum ist ab Freitag, 22. November 2013, zu sehen und läuft bis zum 20. Februar 2014.

Reil als praktizierender Arzt, Stadtphysikus, als Unternehmer und prägender Bürger der Stadt Halle steht im Zentrum der Schau im Kunstforum der Saalesparkasse. Ab dem 10. Dezember 2013 bis zum 23. Februar 2014 steht dort Reils Engagement für die Stadt im Mittelpunkt. So wirkte er unter anderem aktiv in der Freimaurerloge “Zu den drei Degen” mit, gründete ein Heil- und Kurbad und setzte sich dafür ein, dass Halle ein festes Theater bekam, um den Kurbetrieb dadurch attraktiver zu gestalten. So prägte er aus medizinischen Überlegungen heraus auch das kulturelle Leben der Stadt maßgeblich. “Es ist also auch heute gar nicht verwunderlich, dass es in Halle zahlreiche Erinnerungsorte in der ganzen Stadt gibt, die seinen Namen tragen, zum Beispiel der Reilsberg, wo auch sein Grab ist, das Reileck, die Reilstraße, die Reilapotheke, und noch viele mehr”, sagt Dr. Ralf-Torsten Speler, Kurator der Ausstellung “Das geheimnisvolle Organ” und Präsident der Vereinigung der Freunde und Förderer der MLU. Im Kunstforum werden daher zahlreiche Belege für eben jenes Wirken Reils – als Stadtphysikus, also als Amtsarzt der Stadt, als vermögender Bürger und Kulturfreund gezeigt, so zum Beispiel Dokumente zum Theater und zum Kurbad. Im Rahmen der Vernissage am 8. Dezember wird auch der umfangreiche Katalog zur Ausstellung erstmals vorgestellt.

Wolfgang Müller: Vulkanische Gase aus dem Stein zu Wörlitz dringend
Bearbeiteter Reprint, 2003
Schellack, Tusche
Foto: Archiv Moritzburg

Einen weiteren Zugang zu Reils Wirken schafft schließlich die Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, deren Ausstellung ebenfalls ab 22. November 2013 ihre Türen öffnet. Hier nähern sich bis zum 6. Januar 2014 zeitgenössische Künstler der Person Reils, aber vor allem seinem zentralen Forschungsgegenstand, dem menschlichen Gehirn. So ließ sich Dagmar Varady zu einem Experimentalfilm inspirieren, der Aufnahmen aus dem Wörlitzer Park mit gesprochenen Passagen aus einer der Schriften Reils kombiniert. Die Künstler Richard Long, Ludger Gerdes, Wolfgang Müller und Antonio Murado bearbeiteten Reprints historischer Ansichten des Parks, die in einen räumlichen Dialog mit dem Film treten sollen.

Ausstellungsorte:
Universitätsmuseum
Löwengebäude, Universitätsplatz 11
06108 Halle
Öffnungszeiten:
22. November 2013 bis 20. Februar 2014
Dienstag bis Freitag: 11 bis 13 und 14 bis 18 Uhr

Stiftung Moritzburg Halle (Saale)
Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt
Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle (Saale)
Öffnungszeiten:
22. November 2013 bis 6. Januar 2014
Dienstag von 10 bis 19 Uhr
Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr

Kunstforum Halle
Bernburger Straße 8
06108 Halle (Saale)
Öffnungszeiten:
10. Dezember 2013 bis 23. Februar 2014
Dienstag, Mittwoch, Freitag von 14 bis 17 Uhr
Donnerstag von 14 bis 19 Uhr
Sa, So und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr

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