Stadtbad: Petition und Nutzungskonzept an OB Wiegand übergeben

25. September 2013 | Vermischtes | Keine Kommentare

Als vor einem Jahr die Frauenhalle des Stadtbads wegen einer einsturzgefährdeten Decke gesperrt wurde, stand für engagierte Hallenser schnell fest: wir müssen das Bad retten. Ein Runder Tisch zur Rettung des 100 Jahre alten Ensembles wurde ins Leben gerufen.

Am Dienstagabend wurde nun Bilanz gezogen. Die Ergebnisse der Beratungen und eine Petition mit 13.000 Unterschriften wurden an Oberbürgermeister Bernd Wiegand übergeben. Im Nutzungskonzept wird ein Zugang zur nebenan entstehenden Jugendherberge vorgeschlagen. Auch sollen die größtenteils ungenutzten Nebenflügel wieder mit Leben erweckt werden. Hier könnte es Platz für Wellness, Kosmetik, Friseur und einen Fitnessbereich. Im Hof könnte ein kleines Café entstehen. Auch wird eine Erweiterung des Saunabereichs vorgeschlagen. Er sei überwältigt von der Arbeit und den Ergebnissen, so Wiegand, und sprach ein dickes Dankeschön aus.

Vorgestellt wurden Wiegand und den gut 200 interessierten Gästen auch Handlungsempfehlungen. So soll sich die Stadt grundsätzlich zum Erhalt des Stadtbades bekennen. „Das ist unstrittig“, so Wiegand, dieses Bekenntnis sei bereits durch die Übertragung an die Bäder GmbH erfolgt. Bei der zweiten Handlungsempfehlung, der kurzfristigen Beseitigung der dringendsten Instandhaltungsarbeiten, hatte Wiegand gleich die Überraschung parat, dass die marode Rabitzdecke in der Frauenhalle schnell saniert wird, damit das Bad Weihnachten wieder öffnen kann. Zustimmung gab es von Wiegand auch für die Forderung der Einwerbung von Fördermitteln für die Turmsicherung und die Sanierung der Fassade. Gefordert wurde zudem eine Machbarkeitsstudie, um das Stadtbad zu einem multifunktionalen Bewegungs- und Gesundheitszentrum auszubauen.

Das Stadtbad wurde zwischen 1913 bis 1916 von Wilhelm Jost erbaut, der auch für den Wasserturm Süd, die alte Minol-Tankstelle in Trotha und das Trafohaus am Stadtpark verantwortlich ist. Entstanden ist das Bad zu einer Zeit, als es kaum fließend Wasser gab. Deutschlandweit hatten die Volksbäder dank der Hygieneausstellung 1883 ihren Durchbruch. In Halle sollte es aber etwas länger dauern. Das Stadtparlament stritt lange darum, schon damals war Geld knapp. So waren die Stadtverordneten damals der Meinung, im Sommer badet man in der Saale und im Winter gar nicht. Doch letzten Endes fiel die Entscheidung für den Bau und damit auch für ein modernes und aufwendiges Gebäude, das auf dem Gelände der alten Stadtgärtnerei errichtet wurde. Neben Frauen- und Männerhalle gab es auch eine Unterteilung in Arm und Reich, eine Sauna gehörte zum Angebot und selbst eine Hundebrause war geplant. Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Sportvereinen gab es auch damals schon. In alten Zeitungen ist von einem Kampf der Vereine gegen das neue Bad zu lesen. Denn die Nutzungsgebühren sollten für sie von 80 auf 300 Mark pro Stunde steigen, für Schwimmfeste am Wochenende sogar auf 1.200 Mark. Die Männerhalle verlor 1986 ihr Tonnengewölbe und wurde durch Wellbleche ersetzt, auch die unteren Umkleidekabinen wurden abgebrochen. Auch der Jüngling auf dem Turm fehlt heute. Im vergangenen Jahr kamen 140.000 Besucher ins Stadtbad, obwohl die Frauenhalle da schon im Herbst gesperrt war. 40.000 Schulschwimmer, 58.000 Vereinsnutzer sowie 35.000 Teilnehmer am öffentlichen Schwimmenund 4.400 Sauna-Gänger.

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