Stadtbad feiert 97. Geburtstag

17. Februar 2013 | Vermischtes | 1 Kommentar

2016 soll eigentlich groß gefeiert werden, dann wird das Stadtbad in Halle (Saale) 100 Jahre alt. Doch die Vorbereitungen werden durch die seit Oktober gesperrte Frauenhalle getrübt.

Am Samstag wurde trotzdem „gefeiert“. Zum 97. Geburtstag des von Wilhelm Jost entworfenen Bades gab es Vorträge und ein Konzert der halleschen Band „Viertelpoet“. Ein breites Bürgerbündnis hat sich zusammengefunden, um für einen Erhalt und die Sanierung zu kämpfen.

Mit dabei ist zum Beispiel Elke Scharnowski, die langjährige Leiterin des Stadtbades. Die Einrichtung müsse im Gespräch bleiben, sagte sie. Mit der für die Untersuchung zur Sanierung beauftragten Firma Baukonzept verbindet sie große Hoffnungen, zeichnet sich das Unternehmen doch auch für die Herrichtung des Zwickauer Bades verantwortlich. „Wir müssen den Verantwortlichen zeigen welche Perle wir haben“, meinte die Kunsthistorikern Kathleen Hirschnitz, die ebenfalls zum Unterstützerkreis zählt. Welcher Schatz sich hier befinde, zeige sich auch in Online-Kommentaren zur Petition, meinte sie. Da wäre die Meldung aus Nürnberg zum seit 19 Jahren leerstehenden Jugendstilbad. Oder Post auf Denkmalschutz aus Darmstadt, die von einem Alleinstellungsmerkmal sprechen. Im Rahmen des Projektes „Partage Plus“ war das Stadtbad kürzlich für die europäische Jugendstsil-Bilddatenbank Europeana fotografiert worden, ebenso wie 16 weitere Gebäude aus Halle wie der Volkspark und der Gertraudenfriedhof.

Auf die Geschichte des von 1913 bis 1916 erbauten Bades ging Marion Mehlis ein. Entstanden sei es zu einer Zeit, als es kaum fließend Wasser gab. Deutschlandweit hatten die Volksbäder dank der Hygieneausstellung 1883 ihren Durchbruch. In Halle sollte es aber etwas länger dauern. Das Stadtparlament stritt lange darum, schon damals war Geld knapp. Doch letzten Endes fiel die Entscheidung für den Bau und damit auch für ein modernes und aufwendiges Gebäude. Neben Frauen- und Männerhalle gab es auch eine Unterteilung in Arm und Reich, eine Sauna gehörte zum Angebot und selbst eine Hundebrause war geplant. „Der große Vorteil war, dass das Bad der Hygiene und der körperlichen Ertüchtigung diente“, meinte Marion Mehlis. Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Sportvereinen gab es auch damals schon. In alten Zeitungen ist von einem Kampf der Vereine gegen das neue Bad zu lesen. Denn die Nutzungsgebühren sollten für sie von 80 auf 300 Mark pro Stunde steigen, für Schwimmfeste am Wochenende sogar auf 1.200 Mark. Wie Mehlis weiter sagte, habe das Stadtbad auch Weltrekordler hervorgebracht wie 1958 die Schwimmerin Karin Beyer oder Olympiasieger wie Falk Hoffmann. Inzwischen allerdings ist ein Teil der Funktion verloren gegangen. Wäscherei, Friseur und Fußpflege gibt es im Komplex nicht mehr. Deshalb sei für die Räume ein Nutzungskonzept nötig. In den kommenden zwei Wochen solle zudem der Fördermittelantrag gestellt werden. Geht alles gut, könnte die Frauenhalle vielleicht schon nach den Sommerferien wieder öffnen. Im Stadtrat will die Initiative noch einmal Druck machen und 6.000 Unterschriften der Petition an Oberbürgermeister Bernd Wiegand überreichen. Um unabhängig davon Spenden zu sammeln, soll ab kommender Woche an der Stadtbad-Kasse ein Sparschwein stehen.

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