Stadt ehrt Gudrun Goeseke mit Straßennamen

17. April 2015 | Vermischtes | 5 Kommentare

Vielen Hallensern wird der Name Gudrun Goeseke nichts sagen. Doch für die Aufarbeitung der städtischen Geschichte, insbesondere zum Leiden der Juden, hat sie eine wichtige Arbeit geleistet.
Goesecke
Im Rahmen des Steintor-Umbaus entsteht eine kleine Straße zwischen Emil-Abderhalden-Straße und Paracelsusstraße hinter dem Diesterweghaus. Im Dezember 2012 hatte der Stadtrat auf Antrag der Fraktion MitBürger für Halle/Neues Forum die Prüfung der Namensvergabe beschlossen.

Goeseke war 2008 im Alter 82 Jahren gestorben. Die gebürtige Meißenerin hatte sich jahrelang aufopferungsvoll um die Geschichte der halleschen Juden und ihres Lebens in Halle gekümmert und so das Leiden der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus aber auch während des SED-Regimes in den Köpfen der Hallenser lebendig gehalten. 1978 hatte Goeseke bei Aufräumarbeiten im Keller des jüdischen Gemeindehauses alte Unterlagen endeckt. Unter den Unterlagen waren Deportationslisten und Fotos von deportierten Juden aus Halle.

Außerdem deckte Goeseke Einmischungen der SED in die Arbeit der Jüdischen Gemeinde auf. So war die damalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Karin K., nicht wie behauptet Jüdin, sondern betrieb mit Kenntnis und Duldung der SED den Niedergang des jüdischen Lebens. Goesecke versuchte zwar die Machenschaften öffentlich zu machen, geriet dabei aber in die Fänge der Staatssicherheit und wurde systematisch überwacht. 1985 hatte K.’s Mann erklärt, es würde ausreichen wenn Goeseke mal für zwei Tage in den Knast kommt, um sie ruhig zu stellen.

Nach der Wende konnte Goeseke formell in die jüdische Gemeinde aufgenommen werden. Und auch ihre zu DDR-Zeiten untersagte Aufarbeitung der gefundenen Unterlagen konnte sie nun fortsetzen. Dadurch konnten die Biografien verschiedener jüdischer Nazi-Opfer rekonstruiert werden. Mit russischen Zuwanderern hatte Goeseke zudem Anfang der 90er Jahre Sabbat in einem Abrißhaus in der Kleinen Ulrichstraße begangen, weil der Gemeinde das Geld zum Unterhalt der Räume fehlte. Bis 2005, bis zu seinem Tod, pflegte Goeseke zudem zuhause ihren hilfsbedürftigen Sohn.

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Dieses Thema enthält 5 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  wolli vor 3 Jahre, 7 Monate.

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  • #149455

    Vielen Hallensern wird der Name Gudrun Goeseke nichts sagen. Doch für die Aufarbeitung der städtischen Geschichte, insbesondere zum Leiden der Juden,
    [Der komplette Artikel: Stadt ehrt Gudrun Goeseke mit Straßennamen]

    #149456

    Es muss heißen Karin M. und nicht Karin K.
    Ich vermute, dass der volle Name der früheren Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Halle hier nicht genannt wird, weil Karin M.s Sohn (inzw. Kantor der halleschen Synagogengemeinde) alle mit Klageandrohungen überzieht, die über diesen Skandal berichten.

    Frau Goeseke war eine beeindruckende Frau!

    #149457

    Das muss aber erst noch vom Stadtrat beschlossen werden.

    #149548

    Mehr Informationen zu den skandalösen Zuständen in der „Jüdischen Gemeine Halle“ findet man z.B. hier:

    „Eine Nichtjüdin als Gemeindevorsitzende
    Wie Karin Mylius an die Spitze einer jüdischen Gemeinde in der DDR gelangte
    http://www.dradio.de, 14.08.2009″

    #151944

    @wolli ich denke, hier dürfte es eine große Zustimmung geben. Sabine Wolff hatte sich sehr für eine Ehrung eingesetzt, kann es nun aber selbst nicht mehr erleben.

    #151974

    Das ist gar keine Frage, sie war so bescheiden und hätte das sicher gar nicht gewollt.

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