Seit 70 Jahren ein Herz und eine Seele

31. Dezember 2012 | Vermischtes | Keine Kommentare

Es waren die Wirren des Krieges, die Heinz und Elsa Hensel 1942 zusammenbrachten. Mittlerweile sind beide seit 70 Jahren verheiratet und konnten am Silvestertag 2012 in ihrer Wohnung im halleschen Stadtteil Seeben ihre Gnadenhochzeit feiern. Hoher Besuch hatte sich dazu angekündigt. Denn Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand persönlich schaute bei dem Ehepaar vorbei, überbrachte als Geschenk neben Blumen auch ein Buch und Pralinen. Die Grüße der Landesregierung überbrachte Wirtschaftsstaatssekretär Marco Tullner.

Kennengelernt haben sich Heinz und Elsa Anfang 1942, als Heinz als Stabsgefreiter am Hauptbahnhof Halle stationiert wurde, „da war ich unter anderem für die Zugauskunft zuständig.“ Untergebracht war er in der Seebener Straße. Von dort aus unternahm der gebürtige Pillnitzer einen Ausflug nach Seeben – und traf dort auf Elsa, die gerade mit einer Freundin vom Einkaufen kam. Es folgte ein zweites Treffen, Heinz holte Elsa nach ihrer Rückkehr aus Chemnitz auf Besuch bei ihrer Schwester vom Bahnhof ab. Und als die junge Seebenerin schwanger war, da kommentierte der verschmitzte Sachse das mit den Worten „Da muss ich se eben nehmen.“ Im Gemeindebüro Seeben war am 31.12.1942 die standesamtliche Trauung durch die damaligen Bäckermeister und Bürgermeister Neubert. „Mit geborgtem Schleier, geborgtem Kleid und Sommerschuhen“, sagte Elsa Hensel. Die Ringe holten sie sich nach der Hochzeit in Mansfeld. Noch heute wissen beide, was es als Hochzeitsessen gab: Gänsebraten. „Meine Eltern hatten einen Bauernhof und haben selbst geschlachtet.“ Einem Kumpel ihres Angetrauten sei damals schlecht geworden. „Er hat wohl zu viel gegessen.“

Allerdings folgte bald schon wieder die Trennung, Heinz nämlich wurde in Geringswalde und Döbeln eingesetzt, musste anschließend nach Dänemark und geriet dort in britische Kriegsgefangenschaft. Im Januar 1946 wurde er wieder entlassen, allerdings in die Westzone. Also ging es bei Helmstedt nachts schwarz über die Grenze. Abgewartet wurde, bis die Russen gefeiert haben. Wieder in Halle arbeitete er drei Jahre als Lagerverwalter bei der sowjetischen Militäradministration in Trotha, war danach von 1949 bis 1985 Prüfer in der Wirtschaftskontrolle der Konsumgenossenschaft. „1990 zur Währungsreform haben sie mich als Rentner noch mal für ein paar Monate geholt.“ Auch seine Frau war bis zur Rente beim Konsum, war dort für den Seebener Textilladen zuständig.

Mittlerweile sind die beiden nun also 70 Jahre zusammen. Zwei Töchter brachte das Paar zur Welt – eine starb 1991 an Krebs. Auch zwei Enkelkinder, zwei Urenkel und eine Ururenkelin gehören mittlerweile zur Familie. Geistig fit hält sich das Ehepaar mit dem Lösung von Kreuzwort- und Zahlenrätseln sowie Kartenspielen. Heinz liest außerdem gern. „Krimis, Tiergeschichten. Aber Erotik darf es auch gern mal sein“, so Heinz Hensel, der auch mit seinen mittlerweile 91 Jahren immer noch persönlich einkaufen geht und Wege zum Lottoladen und zur Sparkasse erledigt. „Ich muss mal raus“, meinte er so. „Im Fernsehen ist manchmal das Programm nicht so besonders“, kommentierte er das. Seine Frau schaut derweil die Gerichtssendungen im TV. Busfahrten unternimmt Heinz Hensel auch gern, die allerdings allein. Seine Frau verlässt die gemeinsame Wohnung in Seeben, die beide schon seit 55 Jahren bewohnen, nur äußerst selten. Die nächste Reise steht auch schon fest. Am 9. Januar geht es in den Fläming.

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