Scheitert Welterbe-Bewerbung?: Franckesche Stiftungen sehen mangelnde internationale Unterstützung

9. Dezember 2015 | Vermischtes | 1 Kommentar

Die vergangenen Monate standen in Halle (Saale) im Zeichen der Bewerbung der Franckeschen Stiftungen als Weltkulturerbe.

So wurde unter dem Motto „Sahnehäubchen für Halle“ eine 115 Meter lange Kaffeetafel auf dem Marktplatz aufgebaut. Ein Welterbe-Mobil rollte durch die Stadt, um Fotos von Hallensern mit der Francke-Geste zu machen und so für die Bewerbung zu werben. Zum Lichterfest leuchteten 16.935 Kerzen die Francke-Geste. Doch diese und viele andere Aktivitäten waren möglicherweise umsonst.

Bei einem Gesprächstermin im Zuge des mehrstufigen Evaluierungsverfahrens durch ICOMOS International vor anderthalb Wochen wurde der deutschen Delegation, die aus einer Vertreterin des Auswärtigen Amtes, einem Vertreter der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der UNESCO sowie zwei Vertretern der Franckeschen Stiftungen bestand, mündlich mitgeteilt, dass der Antrag auf Einschreibung der Franckeschen Stiftungen in die Welterbeliste nicht befürwortet wird. Dem Ensemble werde kein außergewöhnlicher universeller Wert zuerkannt: Sozial- und Bildungsarchitektur sowie Waisenhausbauten stellen für ICOMOS keine zu füllende Lücke auf der Welterbeliste dar. Die Ideen in Fürsorge und Bildung, die die Stiftungen verkörpern, seien im weltweiten Maßstab nicht einflussreich genug gewesen. In den Bauten des Stiftungsensembles sei die Verbindung von immateriellem und materiellem Erbe nicht ausreichend erkennbar. Die Architektur sei nicht innovativ genug. Das Konzept der Schulstadt sei nicht mehr voll erkennbar.

Die Delegation hat ihr Unverständnis über dieses pauschalisierende Urteil deutlich artikuliert, dafür aber kein Gehör gefunden. Alle im Bewerbungsverfahren beteiligten Partner in Bund, Land, Stadt, Franckeschen Stiftungen sowie die einbezogenen Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler stimmen der Einschätzung von ICOMOS nicht zu.

Derzeit sondiert das Kuratorium der Stiftungen intensiv zusammen mit dem Auswärtigen Amt das weitere Vorgehen. Eine Entscheidung darüber wird im Januar fallen.

Die Franckeschen Stiftungen haben im Verlauf des Bewerbungsprozesses bereits viel erreicht: So wurden grundlegende Erkenntnisfortschritte über die Baugeschichte und Einzigartigkeit der Architektur erzielt. Daran werden die Stiftungen mit einer internationalen Tagung im kommenden Frühjahr anknüpfen. Zudem hat der Bewerbungsprozess ein überwältigendes Interesse an den Franckeschen Stiftungen und eine große Sympathiewelle in der Öffentlichkeit erzeugt.

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