Reger Erfahrungsaustausch in der Uni Halle: Apotheker zu Gast bei Studenten

21. Januar 2015 | Vermischtes | Keine Kommentare

. Überrascht waren die Praktiker vom großen Zuspruch. 130 Pharmaziestudenten – vor allem das Erstsemester – folgten gestern Abend der Einladung der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt zur Vorstellung der Berufsbilder für Apotheker. Die Kammer hatte eine Idee des Fachschaftsrates Pharmazie der Martin-Luther-Universität Halle (Studentische Vertretung) aufgegriffen und Apotheker unterschiedlichster Berufsrichtungen an die größte Ausbildungsstätte Mitteldeutschlands geholt.
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„Mit Beginn des Studiums ist vielen Studenten nicht wirklich klar, welchen Berufsweg sie einschlagen werden. Daher ist es wichtig, ihnen Praktiker aus unterschiedlichen Berufszweigen vorzustellen“, nennt Dr. Bernd Rattay, Vizepräsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt Gründe für den studentischen Zuspruch. Neben der Vorstellung der Kammeraufgaben legte er seinen Schwerpunkt auf das Berufsbild Uni. Denn der Vizepräsident ist nach seinem Studium bei Forschung und Lehre an der Uni geblieben.

Eine weniger bekanntes Arbeitsfeld stellte Elke Weitershaus vom Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, Referat Gesundheitswesen, Pharmazie vor. Sie ist in der Hallenser Behörde zuständig für die gesamte Bandbreite der Arzneimittel. Dazu zählen das Überwachen der Arzneimittelherstellung sowie die Apothekenüberwachung. „Ich gehe in die Unternehmen und kontrolliere, ob Gesetze und Richtlinien richtig eingehalten werden. Für mich eine interessante Arbeit“, erklärt sie. Sie empfiehlt, wer in der Behörde arbeiten will, sollte zuvor in der Industrie gewesen sein, da diese Erfahrungen benötigt werden. Außerdem sind gute Kenntnisse des Arzneimittelrechts von Vorteil.

apotheker2ärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt in Magdeburg beschäftigt. Dort berät sie Ärzte in allen Fragen zum Arzneimittel. „Ärzten drohen Regresse. Um diese zu verhindern, berate ich praktizierende Mediziner in Fragen zum Arzneimittel. Meine Erfahrungen mit den Ärzten sind unterschiedlich. Aber wenn sie unsere Fachkompetenz erst erkannt haben, sind sie dankbar für die Hilfe“, erklärt sie den Studenten.

Zum kompetenten und sicheren Umgang mit Ärzten rät auch Almut Jäck von der Krankenhausapotheke im Harzklinikum Wernigerode. „Ich wollte schon immer im Klinikum arbeiten. Daher habe ich schon während des Studiums meinen Schwerpunkt darauf gelegt, weil ich mir keine andere Tätigkeit vorstellen konnte. Und ich habe es bis heute nicht bereut“, schwärmt die Krankenhausapothekerin. Von klinischen Studien über onkologische und geriatrische Pharmazie bis hin zum Medikationsmanagement reiche das Berufsspektrum. Lediglich die ständige Rufbereitschaft stelle für sie einen gewissen Nachteil in ihrem Berufsleben dar.

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Dem konnte Apothekerin Josefine Müller zustimmen. Sie ist heute in der Kassen
Die Bereitschaft ins Ausland zu gehen muss mitbringen, wer sich für eine Arbeit bei der Bundeswehr entscheidet. Einen lebhaften Einblick in die praktische Berufswelt gewährte Oberstabsapotheker Robert Bolesta. Er versorgt in der größten unterirdischen Apotheke der Welt täglich 75.000 Menschen. Sein Arbeitsplatz befindet sich in einem acht Kilometer langen Stollen in Blankenburg. „Unsere Tätigkeit ist spannend. Doch wer sich für einen Job in der Bundeswehr bewirbt, muss sehr flexibel sein. Denn Versetzungen gehören zum Soldatenberuf, ebenso Auslandseinsätze. Dafür werden wir aber auch sehr gut bezahlt“, so Robert Bolesta.

Für die Apotheker in öffentlichen Apotheken sprach Christoph Jacke. Sein beruflicher Werdegang gleicht dem vieler Apotheker. Nach seinem Studium arbeitete er zunächst als angestellter Apotheker. Dann sprang er vor acht Jahren mit einer klassischen Neugründung ins kalte Wasser und hat in Halle die Apotheke am Händelhaus eröffnet. „Das Wasser war sehr kalt. Ich habe keinen familiären Hintergrund und musste alles selbst lernen und mir hart erarbeiten. Aber es hat sich gelohnt. Mittlerweile habe ich zu delegieren gelernt. Heute bin ich Heilberufler und Kaufmann in einer Person. Der unmittelbare Kontakt mit den Patienten erfüllt mich in meiner Arbeit und macht mir wirklich viel Spaß“, wirbt er für eine spätere Tätigkeit in der Offizin.

Kurz angerissen wurde noch das Berufsfeld in der pharmazeutischen Industrie. Da der Industrieapotheker jedoch abgesagt hatte, blieb es hier bei einigen kurzen Einführungen.

Im Ergebnis gaben die Praktiker den Studierenden mit auf den Weg, die Zeit des Studierens intensiv für das gemeinsame Lernen zu nutzen. Manchmal stellt sich die Frage, was von dem umfangreichen Lehrstoff später wirklich gebraucht wird. Doch, ob in Apotheke oder Industrie, es kommen Momente, da erinnert man sich. Plötzlich sind Themengebiete aktuell, die man nie vermutet hätte. In diesem Sinne war der gemeinsame Gedankenaustausch mit den Studierenden für alle Seiten fruchtbringend. Die Apotheker können demnächst Famulanten und Praktikanten bei sich begrüßen und diese dann für ihre jeweiligen Berufsfelder begeistern.

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