Ökodorf in der Stadt: Zukunftspläne für den Schlachthof

7. Mai 2013 | Vermischtes | 1 Kommentar

Vergangene Woche hat HalleSpektrum.de bereits über Ideen berichtet, auf dem Gelände des alten Schlachtshofs in der Freiimfelder Straße ein ökologisches Wohnprojekt zu etablieren. Am Montag haben die Initiatoren Details vorgestellt.

Foto: Ralf Liebegott

Bereits am 16. April wurde eine Baugenossenschaft gegründet, die Halle im Wandel e.G. Die derzeit 12 Mitglieder wollen das Projekt vorantreiben. Für 250 Euro Mitgliedsbeitrag kann man eintreten. „Der Betrag kann auch in Raten abgestottert werden“, so Mitinitiator Richard Schmid.

Klar ist: Geld wird dringend benötigt. Zwar wurde eine für den 15. Mai angesetzte Versteigerung abgesagt. Doch befinden sich die Ideengeber in Verhandlungen mit dem Eigentümer. Das seit 1991 leerstehende Gelände gehört einer Aktiengesellschaft aus Leipzig, die sich auf den Ankauf und die gewinnbringende Verwertung von NPL-Banken-Kreditforderungen (Problemkrediten) spezialisiert hat. Wie Mitinitiator Ulrich Möbius vom Peißnitzhaus-Verein sagte, seien die Gläubiger bereit, auf einen Großteil der Forderungen zu verzichten. So könnte der Kaufpreis bei 800.000 Euro bis 1 Million Euro liegen. Laut Gutachten aus dem Jahr hat der Schlachthof einen Wert von 1,3 Millionen Euro, hinzu kommt noch eine Grundschuld von vier Millionen Euro. Die konnte schon reduziert werden, denn laut Akten war das Grundstück einmal mit 14 Millionen DM belastet. Als derzeitiges Problem stellt sich momentan noch dar, dass die Stadt Halle (Saale) Vorzugsschuldner ist. Sie wartet nämlich noch auf 380.000 Euro Grundsteuer.

Geld dürfte aber nicht das einzige Problem sein. So muss geklärt werden, welche Belastungen im Boden sind. So müssen die alten Blutwannen beseitigt werden. Auch gibt es etliche, zum Teil nicht vermerkte Keller, die zur Gefahr werden können. Jede Menge Müll, darunter 2.000 Altreifen, lagern auf dem Gelände. Doch das Hauptproblem ist der Lärm, machte eine Vertreterin des Fachbereichs Umwelt am Montag deutlich. Dabei spiele nicht nur die Bahnstrecke mit dem geplanten Rangierbahnhof rein, sondern auch der Autolärm der Freiimfelder Straße. „Die Grenze zu gesundem Wohnen ist überschritten“, sagte sie

Nach Angaben von Thomas Mirtschink vom Fachbereich Planen sei im Flächennutzungsplan das Gelände als Sonderfläche ausgewiesen. Deshalb müsste zunächst ein Änderungsverfahren ausgelöst werden. Auch der Denkmalschutz dürfe laut Mirtschink nicht außer Acht gelassen werden. Eventuell sei aber eine Neueinstufung möglich, welche Teile noch mit einem tragbaren Kostenaufwand saniert werden können. Zudem sei laut Mirtschink ein Bebauungsplanverfahren nötig. Er berichtete von der bewegten Geschichte des Areals in den Jahren nach der Wende. Einst sei geplant gewesen, hier ein großes Fachmarkt- und Einzelhandelszentrum mit Markthalle zu etablieren. Später gab es die Idee zu studentischem Wohnen in Containermodulen. Jedes Jahr habe eine neue Consultingfirma auf der Matte gestanden, die im Auftrag der wechselnden Gläubiger tragfähige Konzepte erarbeiten sollte.

Ein Konzept erstellt haben die Genossenschafter von „Halle im Wandel“ noch nicht, aber jede Menge Ideen. Da wäre die eines großen Gewächshauses. Die größte der ehemaligen Lagerhallen stellt sich Richard Schmid als Markt- und Basarhalle vor. Werkstätten soll es geben, Solarzellen auf dem Dach. Und natürlich soll das kleine „Ökodorf“ inmitten der Stadt auch Kita und Schule bekommen, denkbar wäre zum Beispiel Riesenklein.

Produzieren, Reparieren und Tauschen sollen im Mittelpunkt stehen. Die Initiatoren denken an ein großes Gewächshaus, eine Halle für Regional- und Tauschmärkte, Werkstätten. Auch Schule und Kita sollen entstehen. Angebautes Obst und Gemüse soll in einer Stadtteilküche gleich weiterverarbeitet werden.

Doch festgemacht am Standort Schlachthof ist die Idee nicht. „Wir suchen einfach zwei, drei Hektar Land, um eine Modellgenossenschaft zu schaffen“, so Richard Schmid. „Wir suchen auch weiter, wenn es dieses Gelände nicht wird.“ Er sei überzeugt, dass man mit Genossenschaften gutes Leben organisieren kann, ohne abhängig zu sein von großen Konzernen. Ideen gibt es auch zu anderen leerstehenden Objekten in der Stadt, wie beispielsweise das alte Polizeirevier am Steintor.

Weiterführender Artikel:
Schlachthof: Pläne für ökologisches Wohnprojekt

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