Neuausschreibung im Rettungsdienst: Mitarbeiter befürchten Jobverlust und Lohndumping

10. Januar 2016 | Vermischtes | 3 Kommentare

Die Stadt Halle (Saale) will demnächst ihre Leistungen im Rettungsdienst neu ausschreiben und dabei künftig auf das Konzessionsmodell setzen. Bei diesem Modell erhalten die Ausschreibungsgewinner eine Konzession und rechnen ihre Leistungen direkt mit den Krankenkassen ab. Bisher erfolgt der Umweg über die Stadt als Leistungsträger.

Doch die Mitarbeiter der Rettungsdienste fürchten nun um ihre Jobs und haben die Sorge, dass bei einer Neuausschreibung der billigste Anbieter gewinnt. Deshalb haben sie sich nun an den Stadtrat und Oberbürgermeister Bernd Wiegand gewendet. Der hatte schon im Vorfeld gesagt, dass man in einer Ausschreibung durch Stellschrauben wie Ortskenntnis etc. Billigheimer ausschließen könnte. Doch so ganz trauen die Rettungskräfte dem nicht.

Denn schon jetzt sind die Mitarbeiter im Rettungsdienst gering bezahlt. Es könne nicht angehen, dass ein Lidl-Mitarbeiter mehr verdiene als Menschen im Rettungsdienst, heißt es in dem Brief. Durch den seit 2005 bestehenden Ausschreibungsdruck habe es seitdem für die Beschäftigten kaum oder keine Lohnerhöhungen gegeben. Noch schlimmer treffe es neueingestellte junge Leute, die noch weniger verdienen. „Ansporn diesen Beruf zu erlernen und auszuüben sieht anders aus“, schreiben die Rettungsdienst-Mitarbeiter in ihrem Brief. In den vergangenen Jahren hätten deshalb schon 40 Kollegen die Stadt verlassen und seien zu Dienstleistern gewechselt, die besser bezahlen.

Derzeit wird der Rettungsdienst in Halle von DRK, ASB und Ambulance betrieben. Die Mitarbeiter machen der Stadt nun den Vorschlag, einen Eigenbetrieb Rettungsdienst zu gründen. Ein städtisches Unternehmen soll also in Zukunft den Rettungsdienst in der Stadt betreiben, andere Städte machen es vor. Halles Stadtspitze solle diesbezüglich Verhandlungen mit den Krankenkassen als Kostenträger aufnehmen. „Sicherlich werden vorrangig die Kostenträger versuchen unsere Forderung zu zerreden und wegzudiskutieren“, heißt es in dem Brief weiter.

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