Nazis warfen 43 Wissenschaftler raus: Uni Halle gedenkt entlassener Hochschullehrer

21. November 2013 | Vermischtes | Keine Kommentare

Mit einer Gedenkveranstaltung erinnert die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) am Mittwoch, 27. November, an die Hochschullehrer, die zur Zeit des NS-Regimes aus dem Dienst der Universität Halle entlassen wurden. Eine Projektgruppe hat die Schicksale von 43 Wissenschaftlern recherchiert, die gehen mussten, weil sie jüdischer Herkunft waren oder politisch nicht ins Bild der Nationalsozialisten passten. Zur Gedenkveranstaltung, die um 16 Uhr in der Aula im Löwengebäude beginnt, werden mehr als zwanzig Angehörige der einstigen Hochschullehrer erwartet. Sie reisen auch aus Israel und den USA an.

„Lebendiges Gedenken ist eine permanente Aufgabe. Sich dieser Aufgabe zu stellen, gehört zum Selbstverständnis einer Universität und ihrer Aufgabe als politischer Akteur in ihrer Zeit“, sagt Rektor Prof. Dr. Udo Sträter, der die Grußworte zur Veranstaltung sprechen wird. Das Gedenken gelte nicht allein den bekannten 43 Hochschullehrerinnen und -lehrern, sondern auch den entlassenen Assistentinnen und Assistenten sowie den Studierenden, zu denen Fakten viel schwieriger festzustellen seien, so Sträter.

Den Gedenkvortrag hält Wissenschaftshistoriker Prof. Dr. Rüdiger vom Bruch (Berlin), ausgewiesener Experte für die Erforschung der Geschichte wissenschaftlicher Institutionen. Er spricht über „Die Universität Halle im Kontext. Entlassung und Vertreibung von Hochschullehrern in der NS-Zeit“. Darüber hinaus erinnern Studierende der „Sprechbuehne“ der Universität mit einer szenischen Lesung aus Texten von und über die vertriebenen Hochschullehrer an diese. Den musikalischen Rahmen gestalten Studierende des Instituts für Musik.

Anlass für das Erinnern ist das vor 80 Jahren verabschiedete „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, mit dem die Vertreibung von jüdischen oder politisch unliebsamen Hochschullehrern rechtlich legitimiert wurde. Eine Projektgruppe der Universität recherchierte unter Leitung des Theologen PD Dr. Friedemann Stengel die Lebensläufe der damals an der Universität Halle entlassenen Dozenten. Die Ergebnisse werden am Tag der Gedenkveranstaltung in einem Gedenkband mit dem Titel „Ausgeschlossen – Gedenken an die zwischen 1933 und 1945 entlassen Hochschullehrer“ erstmals veröffentlicht.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar schreiben