Nach Angriff auf Marokkaner und Moschee: Polizei fahndet nach Jugendlichen

22. September 2015 | Vermischtes | 5 Kommentare

Nach der Attacke auf das Islamische Kulturzentrum mit Moschee am Meeresbrunnen und in Halle-Neustadt sowie den Angriff auf einen Marokkaner am späten Montagabend fahndet die Polizei nach drei Jugendlichen.

Der Haupttäter soll 14 bis 16 Jahre alt sein. Er war laut Zeugen ca. 175 cm groß, kräftig, hatte eine Glatze, und trug eine militärfarbene Kapuzenjacke sowie eine gleichartige Cargo-Hose. Die beiden weiblichen Personen, die ihn begleiteten, waren circa 13 Jahre alt.

Laut Polizei haben die drei zunächst gegen 23 Uhr die Scheibe des Kulturzentrums am Meeresbrunnen eingeworfen. Weiterhin wurden durch die drei fünf kleine Koniferen aus dem Boden gerissen sowie Mülleimer entleert. Anschließend flüchteten sie. Ein angesetzter Fährtenhund lief bis zum Rennbahnkreuz. Hier wurde gegen 23.10 Uhr ein Mann durch einen Unbekannten, welcher sich in Begleitung von zwei weiblichen Personen befand, mit Fäusten geschlagen. Anschließend flüchteten diese in Richtung Unstrutstraße. Auf Grund der übereinstimmenden Personenbeschreibungen kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich in beiden Fällen um die gleiche Personengruppe handelte.

Der bündnisgrüne Stadtverband in Halle verurteilt den Angriff auf das islamische Kulturzentrum in Halle-Neustadt auf das Schärfste. Dazu die Vorsitzende des Stadtverbands BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Grit Michelmann: „Noch wissen wir nicht genug über den Vorfall von gestern Abend. Klar ist aber, dass wir alle gewalttätigen Angriffe auf Geflüchtete, kulturelle sowie politische Einrichtungen und Menschen mit Migrationshintergrund auf das Schärfste verurteilen. Derartige Gewalttaten sind ein Resultat von Hetzparolen und Hetzkampagnen einiger weniger. Die Mehrheit der Gesellschaft ist hilfsbereit. Das Engagement der Hallenserinnen und Hallenser sowie der Stadt Halle (Saale) sind ein klares Zeichen für die Hilfsbereitschaft gegenüber den zu uns geflüchteten Menschen in Not. Das macht Mut. Wir hoffen, dass sich die Zivilgesellschaft durch solche Vorfälle nicht einschüchtern lässt, sondern die Demokraten darin bestärkt werden, weiter zusammen zu rücken.“

Auch der Evangelische Kirchenkreis Halle-Saalkreis verurteilt die Zerstörungen am Islamischen Kulturzentrum in Halle-Neustadt sowie den am nahegelegenen Rennbahnkreuz stattgefundenen Angriff auf einen Mitmenschen ausländischer Herkunft. In seinem Schreiben an den Vorsitzenden des Träger-Vereins des Islamischen Kulturzentrums, Djamel Amelal, bekräftigt Superintendent Hans-Jürgen Kant die Verbundenheit der Christinnen und Christen der Region mit ihren muslimischen Schwestern und Brüdern: „Mit großem Erschrecken habe ich heute von den Übergriffen gehört. Als Christen stehen wir konfessionsübergreifend in dieser Stunde an Ihrer Seite. Einen solchen Vorfall, wie Sie ihn erleben mussten, dürfen und werden wir nicht ignorieren. Die Geschichte lehrt uns, nicht einfach über zerbrochene Fenster und umgestoßene Blumenkübel hinwegzusehen. Respektlosigkeit und Gewalt gegen Sie als religiöse Gemeinschaft ist mittelbar auch ein Angriff auf uns als christliche Gemeinden. Ein Angriff auf die freie Religionsausübung, die jedem, der in unserem Land lebt, zusteht. Ebenso erwarte ich von der Polizei, dass alles getan wird, den Übergriff auf einen Mitmenschen mit ausländischem Hintergrund aufzuklären. Miteinander werden wir dafür einstehen, dass die Würde jedes einzelnen Menschen respektiert und geschützt wird.“ Im Zuge seines Schreibens bekräftigt der Superintendent und Mitvorsitzende der halleschen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen die Einladung der ACK Halle an die Muslimische Gemeinde zu einem weiteren Treffen. Bereits Anfang des Jahres waren Vertreter des Arbeitskreises zu Gast im Islamischen Kulturzentrum und regten einen kontinuierlichen, konfessionsübergreifenden Austausch an.

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD), verurteilte diesen Übergriff mit den Worten: „Angriffe auf Gotteshäuser – egal welcher Religion – sind zugleich Angriffe auf unser Land“. Es werde Zeit, dass „solche islamfeindlichen Akte mit höchster Anstrengung strafrechtlich verfolgt und vor dem anti-muslimischen Rassismus nicht länger weggeschaut wird.“ Djamel Amelal, Vorsitzender der betroffenen Moschee in Halle, verurteile diese Zerstörung ebenfalls und zeigte sich zudem irritiert, dass der Staatsschutz den Verein erst durch Nachfassen offiziell viele Stunden später über den Ermittlungsstand aufgeklärt hat. Einen Lösungsansatz, um den islamfeindlichen Tendenzen zu entgegnen, sieht der ZMD in den Anstrengungen den Dialog zwischen den Religionen und Gesellschaftsgruppen weiter voranzubringen und konkreten Schutzmaßnahmen für Moscheen in Deutschland durch die Behörden.

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