Montagsdemos: wenn die Steuerung daneben geht

18. April 2014 | Vermischtes | 2 Kommentare

Am 28. April soll in Halle (Saale) eine Antikriegs-Demonstration auf dem Markt stattfinden. So teilte es einer der Organisatoren am Montag mit. Ein weiteres Mitglied der entsprechenden Facebook-Gruppe konkretisierte dann per E-Mail die Veranstalter: Friedenskreis und Piraten sollen es sei.
Weltfriedenstag9
Doch damit nahm die Geschichte ihren Lauf. Der Friedenskreis teilte mit: „Der Friedenskreis Halle e.V. unterstützt diesen Aufruf nicht und ruft nicht zur Teilnahme an der Friedensdemonstration am 28.4.2014 auf.“ Wenig später – in sozialen Netzwerken war schon zu lesen, der Aufruf komme von Rechtsextremen – zogen sich auch die Piraten zurück. „Die Piratencrew um Markus Hünniger und der Stammtisch Halle Mitte nehmen Abstand von jeder Form der Teilnahme und Organisation dieser Veranstaltung“, hieß es in einer Erklärung. Man habe keinen „Anteil an Organisation oder jegliche Veröffentlichung dazu getätigt“, so Hünniger in einer Mitteilung. Die wurde auf seiner Facebook-Wahlkampfseite – Hünniger ist Kandidat für die Stadtratswahl – sofort kommentiert. „Die Piraten Halle gehören sehr wohl zu den Organisatoren der Mahnwache“, meint ein User. Jedoch sei der Friedenskreis über die verfrühte Veröffentlichung irritiert. Es folgten Anrufe und Mails von Piraten beim Team von HalleSpektrum.de. So wurde sich unter anderem erkundigt, wer denn die Veröffentlichung des Artikels in Auftrag gegeben hätte. Antworten, niemand habe einen Bericht über die geplante Montagsdemo in Auftrag gegeben, wollte man dort offenbar nicht hören oder verstehen. Es folgte am Mittwochabend ein Treffen der Organisatoren und Friedenskreis und Piraten im Café Lucy. An deren Ende stand dann die Entscheidung, die Demo für den 28. April absagen zu wollen.

Allerdings hat sich zwischenzeitlich bereits eine Facebook-Seite gegründet, auf der fleißig Werbung für die Demo gemacht wird. Zu einer Mahnwache um 18 Uhr auf dem Marktplatz wird aufgerufen. Die Macher geben sich zwar nicht zu erkennen. Doch zumindest spielt Sven Liebich eine Rolle – was wiederum neuerliche Proteste auf den Plan ruft. Vor mehr als einem Jahrzehnt war er führendes Mitglied der Rechten Szene in Halle, unter anderem bei “Blood & Honour” und dem “Nationalen Beobachter”. Heute ist er angestellter Geschäftsführer eines T-Shirt-Versands und hat nach eigenen Angaben mit der rechten Szene nichts mehr am Hut. Um eine Demo nicht in die extremistische Ecke abdriften zu lassen, hat Liebich inzwischen reagiert und sein Pseudonym in der Facebook-Gruppe der Montagsdemo-Organisatoren offen gelegt. Zur Rechten Szene sagt er dort: „Ich habe damit nichts mehr zu tun.“ Weiter erklärt er, „ich teile die Aufrufe für Friedensproteste sehr gern, bin aber als gebranntes Kind natürlich gegen jede Form von Meinungsdiktatur, egal von welcher Seite sie kommt.“

Klar scheint derzeit: eine Demo am 28. April wird es in Halle geben. Von wem organisiert, steht zwar nicht fest. Liebich selbst sagt: er teilt nur fleißig den Aufruf. Organisator wird er nicht. Und auch Friedenskreis und Piraten werden wohl im Kompetenzgerangel die Organisation nicht übernehmen, haben es stattdessen aus dem Ruder laufen lassen. Sie wollen stattdessen weitere Gruppierungen mit ins Boot holen und im Mai eine Aktion durchführen.

Print Friendly, PDF & Email
2 Kommentare

Kommentar schreiben