Marktwirtschaft: AKI will Brüderstraße 7 kaufen

21. November 2012 | Vermischtes | 1 Kommentar

Gibt es doch noch eine Hoffnung für das denkmalgeschützte Haus „Brüderstraße 7“, auch bekannt als Marktwirtschaft? Der Arbeitskreis Innenstadt (AKI), der bereits seit längerem gegen einen Abriss durch den Eigentümer kämpft, will das Gebäude nun selbst kaufen. Nun sollen Sponsoren gesucht und Spenden gesammelt werden. 90.000 Euro will der aktuelle Eigentümer haben. Hinzu kommen laut AKI weitere 20.000 Euro für die Erstsicherung und sonstige sofort notwendige Ausgaben. „Sollte uns der Erwerb gelingen, stehen für die Sanierung des Denkmals verschiedene Fördermöglichkeiten offen, ein Teil der Arbeiten kann durch den Arbeitskreis selbst durchgeführt werden“, heißt es in einem Schreiben an die Unterstützer. Zwar weise das seit fünf Jahren leerstehende Haus einige Schäden auf, diese seien aber beherrschbar.

Vorgesehen ist nach den Sicherungsarbeiten eine schrittweise Sanierung. Während dieser soll es sogar möglich sein, Teile des Hauses zu nutzen, während in anderen Bereichen weiter gearbeitet wird. So könnten laut AKI bereits vor der Fertigstellung, die erst nach einigen Jahren erfolgen wird, Einnahmen erzielt werden. Das Erdgeschoss soll für Gewerbezwecke ausgebaut werden, vorzugsweise wieder für eine Gaststätte. Jahrelang hatte sich hier die Gaststätte Marktwirtschaft befunden. In den oberen Etagen sollen Studentenwohnungen entstehen, die Räume sind dafür eher geeignet als für langfristige Vermietungen, heißt es vom AKI.

Erbaut wurde das Fachwerkhaus im niedersächsischen Stil in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, die älteren vorhandenen Kelleranlagen wurden dabei einbezogen. unter Einbeziehung älterer Kelleranlagen erbaut. Nicht zu verkennen ist die Ähnlichkeit zum Haus Kleine Ulrichstraße 33 (Gasthaus Alt-Halle). Wegen Kriegsschäden fehlen Teile von Dach- und 2. Obergeschoss. Die einstige Pracht lässt sich nur noch erahnen.

Erster erwähnter Besitzer in der Mitte des 16.Jahrhundert ist das angesehene Mitglied des halleschen Stadtbürgertums Andreas Grundtmann, der seit spätestens 1554 Bürger geworden ist. Ab 1615 erwirbt Melchior Hoffmann das Grundstück für den relativ hohen Preis von 1500 Guldener. Er ist Jurist u.a. am kaiserlichen Kammergericht in Speyer sowie seit 1620 Schultheiß in Halle. Ab 1623 diente das Haus eventuell als Administrationsstube im Dienste des Administrators (und Stadtherrn) Christian Wilhelm von Brandenburg. Im 19. Jahrhundert kam es in den Besitz verschiedener Brauereien und wurde als Gasthaus genutzt.

Die steinerne Tafel mit einer Größe von ca. 60 mal 60 Zentimetern stellt das Wappen des Markgrafen Christian Wilhelm von Brandenburg (1587-1665) dar, der zu Beginn des 17. Jh. als Administrator des Erzstiftes Magdeburg in Halle regierte.

Im Jahr 1953 geriet die Gaststätte „Zum Markgrafen“ mitten in bedeutende politische Ereignisse hinein – in den Volksaufstand des 17. Juni. Falls der Wirt Walther Meye schon um die Mittagszeit in der Kneipe anwesend war, konnte er beobachten, wie sich Demonstranten in der Kleinen Steinstraße vor seiner Gaststätte versammelten, um die Freilassung politischer Häftlinge aus der Haftanstalt II zu erwirken.

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