Landgericht: Villa Kunterbunt eröffnet Anfang Mai

22. April 2013 | Vermischtes | 1 Kommentar

„Ich bin überwältigt“, konnte selbst Justizministerin Angela Kolb nur noch sagen. Am Montag hat sie sich auf der Baustelle des Landgerichts am Hansering in Halle (Saale) über den Fortgang der Sanierung informiert, die in den letzten Zügen liegt. Nicht nur die Begleiter zückten dabei zu Kamera und Handy, auch die Ministerin selbst holte ihr iPhone raus und knipste.

Für 16,8 Millionen Euro ist das 1901 bis 1905 errichtete Gebäude umfassend saniert worden. 20 Verhandlungssäle – davon sechs mit historischer Prägung, 110 Büros sowie mehr als hundert weitere Räume wurden hergerichtet und erstrahlen nun in neuem Glanz. Außerdem wurde das einstige Archiv ebenfalls in einen Verhandlungssaal umgebaut. Auch Häftlinge haben bei der Sanierung geholfen. So wurden die 350 Türblätter im Gefängnis in der Frohen Zukunft aufgearbeitet. Auch die Möbel wurden durch Strafgefangene hergestellt. Die Polsterei in Volkstedt war für die Bestuhlung zuständig. Auch die Jalousien fertigten Häftlinge in Volkstedt.

Doch ein richtiger Blickfang sind die Flure und das Treppenhaus, die ebenfalls einen frischen Anstrich bekamen. Das mit Blättern und Blüten gestaltete Geländer war die letzten Jahre in weinrot gehalten. Jetzt kamen die Original-Farben wieder drauf: hellgrüne Blätter und goldene Blüten. Ein Blickfang zweifelsohne die farbenfroh gestaltete Kuppel.

Auch die Außenhülle erstrahlt mit geringen Abstrichen wieder in der bauzeitlichen Farbgebung. Die damaligen Technologien, Farben und Putze wurden durch die Arbeiter nachgestellt. Neu eingebaut wurden Verwahrzellen mit einem videoüberwachten Weg. Eines der Hauptprobleme war dabei die komplexe Technik, die man dezent in die historische Bausubstanz einbringen musste. Der Denkmalschutz hatte ein wachsames Auge auf die Arbeiten, so gab es allein 50 Sitzungen zum Denkmalschutz.

„Es ist gelungen, die hohen denkmalpflegerischen Ansprüche mit einer modernen technischen Ausstattung zu vereinen und dabei einen hohen Standard an Sicherheit für ein Gerichtsgebäude zu gewährleisten“, so Justizministerin Professor Angela Kolb nach einem Rundgang mit Vertretern des Gerichts. „Die Komplettsanierung war aufgrund bestehender brandschutz- und sicherheitstechnischer Mängel und des allgemeinen Bauzustandes notwendig. Es war dabei von Beginn an unser Ziel, die wertvolle, noch umfangreich erhalten gebliebene Bausubstanz zu bewahren.“ Zwei Jahre lang wurde gebaut und damit vier Monate länger als geplant.

Anfang Mai ziehen die Justizmitarbeiter vom derzeitigen Ausweichquartier in der Straße der Opfer des Faschismus zurück ins Landgericht. Am 6. Mai sollen hier die ersten Verhandlungen stattfinden. Am 25. Mai wird es einen tag der offenen Tür geben.

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