Kröten-Alarm in der Talstraße – Biologiestudenten forschen für den Artenschutz

3. März 2014 | Vermischtes | 3 Kommentare

Ein Schauspiel ist alljährlich an der Talstraße in Halle (Saale) zu erleben. Von der Saaleaue aus wandern Frösche und Kröten zu den Kreuzer Teichen, eines der artenreichsten Stadtbiotope mit jeweils zwei Molch- und zwei Krötenarten sowie vier verschiedenen Froscharten. Doch eine Barriere gibt es, die Talstraße. Deshalb wurde hier ein Zaun aufgestellt, an dem alljährlich Studenten die Amphibien einsammeln und auf die andere Seite der Straße bringen. Dann geht es weiter zu den Leichgewässern.

krötenBiologiestudenten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) tauschen nun wieder ihre Hörsaalplätze mit der Saaleaue und kontrollieren die Wanderungen der Grasfrösche, Teichmolche und Erdkröten. Im Rahmen eines Fachpraktikums in Regie des FachschaftsratsBiologie und mit Unterstützung des Initiators und langjährigen Leiters der Aktion, PD Dr. Wolf-Rüdiger Große werden seit Jahren Daten zur Amphibienwanderung im Stadtgebiet erhoben. Untersucht wird die Wirkung der Talstraße als Barriere, die Amphibienpopulationen und ihre Lebensräume nahezu vollständig voneinander isoliert. Daneben forschen die Studierenden nach weiteren Ursachen der Veränderungen der Populationen im urbanen Raum. Zu beobachten ist unter anderem, dass die Kröten in den letzten zehn Jahren immer größer werden.

„Die Praktikums-Untersuchungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Amphibien im Frühjahr aus der Saaleaue über die Talstraße in die Kreuzer Teiche zum Laichen wandern“, sagt Wolf-Rüdiger Große. „Ein Teil der Erdkröten und Grasfrösche durchschwimmt die Wilde Saale ab der Peißnitz-Halbinsel und landet trotz der Strömung sicher am Talstraßenufer.“ Zwischenzeitlich hat sich die Krötenpopulation auch in die Brandvorwerk-Region des Sportkomplexes ausgebreitet. Über Schutzzäune und zwischengeschobene Fangeimer werden die wandernden Amphibien an einem stationären Zaun in der Talstraße, Höhe Kreuzer Teiche und am Kreuzvorwerk abgefangen.

In diesem Jahr ist die Frage besonders interessant, welche Folgen das Junihochwasser 2013 für die Amphibienpopulationen in der Aue hatte. Die Studierenden bergen die Amphibien nicht nur und tragen sie sicher über die Straße, die Tiere werden auch biometrisch erfasst. Die Messdaten geben später detaillierte Auskunft zu Wanderungen, Alter und Kondition der Tiere.

Hintergrund des Praktikums ist das drohende Aussterben der Amphibien. „Die Schätzungen aktueller Aussterberaten für Amphibien weisen weltweit auf den dramatischen Rückgang der Diversität und damit auf eine kritische Situation der Biosphäre hin“, erklärt Wolf-Rüdiger Große. In der von der World Conservation Union (IUCN) 2010 veröffentlichten Roten Liste der gefährdeten Tierarten seien über die Hälfte aller Amphibienarten weltweit vom Aussterben bedroht.

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