Kreuzstein am Hansering erinnert an den Völkermord an den Armeniern

10. Mai 2015 | Vermischtes | 4 Kommentare

In Halle (Saale) wird ab sofort am Hansering mit einem Kreuzstein an den Völkermord an den Armeniern in der osmanischen Türkei erinnert werden. Der Genozid an Millionen Armeniern während des ersten Weltkrieges durch die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reiches wird bis heute in der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung bestritten. Der hallesche Stadtrat hatte im Dezember 2012 die Aufstellung in diesem Jahr beschlossen, 100 Jahre nach den dramatischen Ereignissen. Spenden und Sponsoren hatten die Aufstellung ermöglicht.

Karekin Bekdjan, Erzbischof der Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland, und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Sachsen-Anhalt, Jürgen Dittrich, hielten eine ökumenische Andacht zur Weihe. Ehrengast ist Bischof Anuschawan Zhamkochyan, Dekan der Theologischen Fakultät der Staatlichen Universität Jerewan und Dekan der Jerewan.

„Das 20. Jahrhundert ist auf entsetzliche und grauenvolle Weise gekennzeichnet von Krisen, Masakern, ethnischen Säuberungen und Völkermord“, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand, voll von Handlungen voller Unmenschlichkeit und Barberei. „Die Erinnerung an diese Verbrechen mahnt uns heute zu Menschlichkeit, Frieden und Versöhnung. Mahnt uns in einer Zeit voller politisch, religiös oder nationalistisch motivierter Konflikte. Mahnt uns mit großer Aktualität.“ Der Kreuzstein solle zu Friedfertigkeit, Versöhnung und Menschlichkeit auffordern.

„Ein Stein, der erinnert an die Opfer“, meinte Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh. Auch 100 Jahre später seien die Ereignisse Thema vieler Debatten. Er sei Bundespräsident Joachim Gauck für die deutlichen Worte dankbar. Gauck hatte von Völkermord gesprochen und damit den Zorn der türkischen Regierung auf sich gezogen. Gauck habe klare, klärende und deutliche Worte gefunden, so Dorgerloh. Mit der Aufstellung des Kreuzsteins werde an eine alte, tief verwurzelte armenische Tradition angeknüpft. Überall in Armenien treffe man auf diese Steine. Sie erinnern an bedeutende Ereignisse und laden zum Gedenken ein. Mit dem Stein in halle gehe es um Gerechtigkeit. „Zu sagen was war, und zu sagen was wahr ist.“ Der Stein diene als Symbol der Partnerschaft zwischen Sachsen-Anhalt und Armenien. „Uns geht es um ein Miteinander, um das Verständnis zwischen den Kulturen und Völkern.“

Armeniens Botschafter Ashot Smbatyan nannte die Weihe und Segnung ein „denkwürdiges Ereignis.“ Die Last der Geschichte sei manchmal unendlich schwer zu tragen. Das 21- Jahrhundert sei zwar von Globalisierung geprägt. „Manchmal könnte man aber meinen, dass die Völker wenig aus ihrer Geschichte gelernt haben. Oder liegt es vielleicht daran, dass in der heutigen schnelllebigen Zeit keiner mehr Zeit für Erinnerung hat?“ Mit dem Kreuzstein werde das Erinnern wachgehalten.

Im Rahmen der Gedenkstunde wurde auch an Hermann Goltz (1946-2010) erinnert. Dieser hat als evangelischer Theologe und Universitätsprofessor die Ökumene mit den Kirchen des Ostens und den wissenschaftlich-kulturellen Austausch mit Russland und Armenien gefördert. Er war Gründer des Dr. Johannes-Lepsius-Archivs 1982 und des MESROP Zentrums für Armenische Studien. Goltz war Mitinitiator der Resolution des Deutschen Bundestages im Jahre 2005 zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern. Bereits 2012 wurde am einstigen Wohnhaus von Goltz eine Gedenktafel angebracht, auf der von Völkermord die Rede ist. Goltz hätte sicher unglaublich gern diesen Moment miterlebt, sagte Kultusminister Dorgerloh. Er habe viel für die Verbindung zwischen den Völkern getan. „Wir brauchen solche Menschen.

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