Kreuze in Halle erinnern an die Toten aus dem Mittelmeer

23. Juni 2015 | Vermischtes | 2 Kommentare

Tausende Menschen sterben jährlich auf dem Mittelmeer, kommen bei Bootsunglücken ums Leben. An verschiedenen Orten in Halle (Saale) wurden deshalb in der Nacht von Montag zu Dienstag symbolisch Gräber aufgestellt, um der Toten zu gedenken.

Vor der halleschen Oper, den Franckeschen Stiftungen, auf der Peißnitz und am Hauptbahnhof wurden die Gräber aufgestellt. Damit wolle man auf die „Ermordung tausender Menschen aufmerksam“ machen, so die Initiatoren. Denn Europas Grenzen seien militärisch abgeriegelt und eine der tödlichsten Grenzen der Welt. „Europa hat den Einwanderern den Krieg erklärt – ein Krieg, dem ausschließlich Zivilisten zum Opfer fallen.“ Dieses Unrecht wolle man nicht länger hinzunehmen.

Man sei „fassungslos gegenüber über den Ermordungen“ und „wütend über die Verschärfung von Gesetzen gegen Asylsuchende“. Inspirirt worden sei man durch die Aktionen des Zentrums für politische Schönheit (ZPS). Die Aktion sei „ein Versuch die Folgen des mörderischen EU-Grenzregimes etwas sichtbarer zu machen.“ Denn „nach dem Willen des deutschen Innenministers sollten die Toten unsichtbar bleiben.”, so Stefan Pelzer, Eskalationsbeauftragter des ZPS. „Das Recht der Angehörigen auf Totenfürsorge besitzt in Deutschland Verfassungsrang. Angehörige nicht zu ermitteln und ihnen damit die Möglichkeit zu nehmen, bei der Bestattung ihrer Liebsten anwesend zu sein, ist ein Verbrechen an der Menschheit.“, verdeutlicht Cesy Leonard, Chefin des Planungsstabs des ZPS.

Im März 2015 erklärte Proasyl das seit 2000 mindestens 23 000 Flüchtlinge Todesopfer des EU-Grenzregimes sind. Jeder einzelne Mensch hatte einen Namen, eine Zukunft und Geschichte. Auf den Gräbern in Halle steht: “Wer einen Mensch rettet, rettet die ganze Welt” und “Grenzen töten” – doch die Kerzen holen leider keinen Menschen mehr zurück.

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