Jom haScho’a: Gedenken in Halle an Aufstand im Warschauer Ghetto

27. April 2014 | Vermischtes | 1 Kommentar

Buchenwald, Auschwitz, Bergen Belsen, Maijdanek, Sobibor… Millionen Juden wurden von den Nationalsozialisten in Konzentrationslagern ermordet. Am Sonntag hat die Jüdische Gemeinde in der Synagoge am Wasserturm in Halle (Saale) an die Opfer des Holocaust erinnert.

Anlass war der Gedenktag an den Aufstand im Warschauer Ghetto, der Jom haScho’a, vor 71 Jahren. Jugendliche der jüdischen Gemeinde gestalteten die Gedenkstunde mit Liedern und Texten, verlasen außerdem die Namen der ermordeten halleschen Juden. Einige Geschichten griffen sie heraus, wie die von Kurt Bauchwitz aus der Großen Ulrichstraße 2. Am 01.06.1942 wurde er mit einem Zug ins Vernichtungslager Sobibor gebracht und dort noch am Tag der Ankunft am 3. Juni ermordet. Verwandte von ihm leben heute in den USA. Im gleichen Haus lebte Leo Lewinsky, er wurde am 27.02.1943 aus Halle deportiert und starb anderthalb Monate später in Theresienstadt.

Sechs Kerzen wurden während der Veranstaltung entzündet, darunter von Halles Sozialdezernent Tobias Kogge und einem Vertreter des Kultusministeriums. Die erste Kerze gedenkt der Partisanenopfer. Die zweite Kerze erinnert an die ermordeten Kinder. Die dritte Kerze wird zum Gedenken an die Auslöschung ganzer Gemeinden entzündet. Die vierte Kerze ehrt die Minderheit tapferer Menschen, die Juden trotz Gefährdung ihres Lebens und des Lebens ihrer Familien halfen. Die fünfte Kerze wird für Israel angezündet. Die sechste Kerze gedenkt der sechs Millionen Juden, die Opfer des Nazi-Terrors wurden.

Zur Geschichte:
Am 19. April 1943 erhoben sich die im Warschauer Ghetto eingepferchten Juden gegen ihre Deportation in die Vernichtungslager der Nazis. Wochenlang folgten Gefechte mit den deutschen Besatzer. Der Kampf um die Freiheit war am 16. Mai 1943 verloren. Der SS-Brigadeführer Jürgen Stroop meldete an General Krüger in Krakau telegraphisch: „(…) Der ehemalige Jüdische Wohnbezirk Warschaus besteht nicht mehr. Mit der Sprengung der Warschauer Synagoge wurde die Großaktion um 20.15 Uhr beendet. (…)Gesamtzahl der erfassten und nachweislich vernichteten Juden beträgt insgesamt 56.065. Und er fügte hinzu: Meine Leute haben ihre Pflicht einwandfrei erfüllt. Ihr Kameradschaftsgeist war beispiellos.“

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