Hochschulkonzept: Sparpläne für die Uni Halle liegen vor

28. März 2014 | Vermischtes | Keine Kommentare

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Hartmut Möllring hat am Freitag seine Pläne für eine neue Hochschulstrukturreform vorgelegt. In dem 36 Seiten starken Papier wird aufgeführt, wo an den Unis der Rotstift angesetzt werden soll. Hier können Sie es herunterladen.

uniplatzUnter anderem ist geplant, die Lehramtsausbildung für Sport und Geografie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zu schließen. Sie soll nach Leipzig verlagert werden. Geplant ist auch eine Schließung des Studienkollegs. Außerdem soll mit Sachsen ausgehandelt werden, den Bereich Pharmazie von Leipzig nach Halle zu holen. Auch die Institute für Medienwissenschaften, Psychologie und Informatik stehen auf der Kippe. Daneben soll die MLU stärker mit den Unis Jena und Leipzig kooperieren.

Auch die Kunsthochschule Burg Giebichenstein muss einen Sparbeitrag von 500.000 Euro bis zum Jahr 2025 beisteuern. Das Kultusministerium geht davon aus, dass dies durch derzeit schon nicht besetzte 7 Professorenstellen erfolgt. Außerdem wird eine Kostendämpfung gefordert, denn trotz des Werkstattprinzips habe die Kunsthochschule hohe Kosten pro Studienplatz. Die Lehramtsausbildung von bislang 5 Prozent soll stärker berücksichtigt werden. Außerdem soll das Verhältnis von Kunst und Kunsthandwerk stärker bestimmt werden, im Bereich Design soll sich die Burg auf leistungsstarke Schwerpunkte zur internationalen Sichtbarkeit konzentrieren.

Man wolle bei den stärker entwickelten und zukunftsfähigen Fachbereichen ansetzen und mit ihnen die Hochschulprofile weiter schärfen, erklärte Möllring. Man vollziehe mit der neuen Planung keinen radikalen Kurswechsel, sondern setze die begonnene Entwicklung fort. „Die Kehrseite der stärkeren fachlichen Profilierung ist, dass wir künftig auf einige Angebote an einzelnen Hochschulen verzichten müssen.“ Im Ergebnis verspreche man sich eine moderne und wettbewerbsfähige Hochschullandschaft.

„Der vorgelegte Text geht für den Hochschulstandort Halle nicht wesentlich über das bereits im Herbst 2013 durchgesickerte und vom Minister selbst als Schwachsinn bezeichnete Papier hinaus“, erklärt Felix Peter, Vorsitzender der Jusos Halle (Saale). „Zudem entspricht es nicht der geltenden Beschlusslage des Landtages aus dem vergangenen Jahr. Darüber hinaus würde eine Umsetzung die Qualität der Lehramtsausbildung in Halle und somit des Landes erheblich gefährden. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

„In Umsetzung des Hochschulgesetzes hat das verantwortliche Ministerium erstmals einen belastbaren Entwurf eines Hochschulstrukturplans vorgelegt. Der Minister bleibt damit im vereinbarten Zeitplan“, meint der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, André Schröder. „Eine wichtige Etappe für die notwendige Hochschulstrukturreform ist damit erreicht. Die CDU-Landtagsfraktion wird sich auf ihrer kommenden Sitzung, am 08. April, mit dem Papier beschäftigen und ihre Positionierung verabreden.“

„Der importierte und ins Kabinett eingewechselte Minister Möllring beweist Bildungsferne. Er betätigt sich nicht als Wirtschafts- und schon gar nicht als Wissenschaftsminister, sondern als kalter Abwickler, dem die Hochschullandschaft in Sachsen-Anhalt egal ist. Möllring zwingt den Universitäten eine vernichtende Negativ-Debatte auf, deren Schaden schon jetzt massiv ist“, meint der Landtagsabgeordnete der Grünen, Sören Herbst. „Der Plan, die Fakultät für Humanwissenschaften an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg zu schließen, gleicht einem intellektuellem Kahlschlag. Unsere Universität mit all ihren Fakultäten ist elementarer Kern der bisherigen und der weiteren positiven Entwicklung der Landeshauptstadt. Sie ist sowohl unverzichtbarer Anker für Forschungseinrichtungen, für Unternehmensgründungen und eine Quelle für Kreativität, Interkulturalität und gesellschaftspolitische Impulse in der Stadt. Die Humanwissenschaften sind dabei ein unverzichtbarer Baustein und gleichzeitig Anbieter fakultätsübergreifender Studiengänge in Logistik, Neurowissenschaften und anderen Bereichen. Einmal gekappt, werden solche Angebote faktisch beerdigt. Wer etwas anderes suggeriert, versucht den Menschen Sand in die Augen zu streuen. Einer Reduzierung von Hochschul- und Forschungsangeboten stelle ich mich daher strikt entgegen, insbesondere einem Abbau der Humanwissenschaften. Wer an diesen Angeboten sägt, arbeitet aktiv gegen die Interessen und Zukunftschancen tausender Menschen und disqualifiziert sich als Minister im Dienst des Landes Sachsen-Anhalt.“

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