Helfer aus Trotha werden zur Kulturgut-Feuerwehr

1. Juni 2015 | Vermischtes | Ein Kommentar

Viele Kulturgüter lagern in Halle (Saale). Doch was passiert im Katastrophenfall, werden sie ein Raub der Flammen oder versinken sie im Hochwasser? Genau das soll nicht passieren.

Der Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar 2004 und der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln 2009 haben gezeigt, wie wichtig ein koordiniertes Vorgehen ist. Aus diesem Grund haben sich in zahlreichen deutschen Städten Notfallverbünde zum Schutz von Kulturgut gebildet, darunter vor drei Jahren auch in Halle. Das Besondere des halleschen Notfallverbunds ist, dass ein spartenübergreifender Verbund, dem Museen, Archive und Bibliotheken angehören, gebildet wurde.

Am Montag nun wurde ein weiterer Meilenstein im Notfallverbund gefeiert. Die Stadt Halle erhält elf sogenannte Notfallboxen. Diese sind zwar teilweise schon vorhanden. Doch sie sind bei Weitem nicht ausreichend und zudem dezentral gelagert, dies habe das Jahrhunderthochwasser vor zwei Jahren deutlich gemacht, erklärte die Vorsitzende des Notfallverbunds, Christiane von Nessen. Häufig fehle es an ganz banalen Dingen wie Gummistiefeln, Kabelrollen oder ausreichend Verpackungsmaterial zur Erstversorgung. Dabei sind die ersten Stunden nach einem Katastrophenfall entscheidend. Nur wenn es hier gelingt, das notwendige Fachpersonal und das entsprechende Material an den Unglücksort zu bringen, gibt es begründete Hoffnung, dass das Ausmaß der Katastrophe eingedämmt werden kann.

Deshalb sind die Notfallboxen, die das Land zur einen Hälfte und die beteiligen zwölf Einrichtungen wie Universitätsarchiv, Stadtarchiv, Händelhaus, Franckesche Stiftungen, Leopoldina und Moritzburg je zur Hälfte finanziert haben, prall gefüllt mit Material, das zur Erstversorgung beschädigten Kulturguts nötig ist. Dazu gehören jede Menge Pappschachteln für den Transport, Arbeitstisch, Klappstühle, verschiedene Gummistiefel und Handschuhe, Warnwesten, Klebefolien, Schutzhelme, Ventilatoren, Megaphone, Wathosen, Klebeband, Batterien, Lampen, Scheinwerfer, Messgeräte, Wischlappen, destilliertes Wasser, Schwämme, Spanngurte, Eimer, Meißen, Sägen, Beile, Schläuche, Pinsel, Folien, Schürzen, Müllbeutel und Messer, dazu kommt Büromaterial zur Dokumentation der Schäden wie eine Kamera und ein Diktiergerät. Insgesamt 1.900 Stück sind enthalten. Es erfolgt laut von Nessen eine regelmäßige Wartung. Die Notstrom-Aggregate werden einmal im Jahr kontrolliert. Das Verbrauchsmaterial wie Handschuhe und Batterien wird alle fünf Jahre ausgetauscht.

Gelagert werden die Boxen auf dem Gelände der Hauptwache in Neustadt. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Halle-Trotha werden den Einrichtungen bei der Rettung von Kulturgut zur Hand gehen und die Boxen zum Einsatzort transportieren. Damit die Mitarbeiter im Ernstfall aber auch gleich selbst noch richtig reagieren, wurde ihnen auch gleich der richtige Umgang mit Feuerlöschern gezeigt.

Interview mit Christiane von Nessen, Vorsitzende des Notfallverbunds.

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