Halloren feiern Pfingstbier und bekommen restaurierte Fahne zurück

6. Juni 2015 | Vermischtes | Keine Kommentare

30 Grad im Schatten, viel Sonne: diesmal war das Wetter das genaue Gegenteil wie beim letzten Pfingstbier der Halloren im Jahr 2013. Damals regnete es wie aus Kannen. Doch diesmal konnte die Salzwirker-Brüderschaft ihre Tradition wieder pflegen.

Zunächst einmal wurde der neue Vorstand mit Matthias Frosch als neuem Ersten und Regierenden Vorsteher vorgestellt. Im Anschluss stand die Ehrung verdienstvoller Halloren an, für sie gab es einen Hallorentaler zur Belohnung. Oberbürgermeister Bernd Wiegand überbrachte das sogenannte „Friedewirken“, ein Vorgang bei dem zu früheren Zeiten der Salzgraf die Brüderschaft ermahnte, nicht zu zanken, zu raufen, zu schlagen und auch ähnliches zu unterlassen. Zum Dank gab es ein Stück Hallorenkuchen und einen kühlen Schluck Bier.

Danach vormierten sich die Halloren zum Fahnenschwenken der Junghalloren, bevor zum Zappeltanz gerufen wurde. Bei diesem Schauspiel geht es um die Geschicklichkeit der Salzwirker. Es gilt, den Gegner zu Fall zu bringen. Am Ende durfte sich Ricky Reinsberger über den Kuss der Hallorenbraut freuen. Dank finanzieller Unterstützung der Saalesparkasse konnte zudem eine restaurierte Brüderschaftsfahne übergeben werden. Damit war der öffentliche Teil vorbei, und es ging für die Halloren weiter zur internen Feier. Dazu gehört auch das Trinken aus den Silberbechern des über 300 Jahre alten einzigartigen Silberschatzes, der sich im Besitz der Brüderschaft befindet.

Das Privileg für das Pfingstbier-Fest gewährte der Landesherr der Landesherr den Halloren als Anerkennung für ihre schwere Arbeit im Salz. So heißt es in alten Akten (Zitat): „damit sie auch bey ihrer sauren Arbeit eine Ergetzlichkeit haben sollten“ und „miteinander fröhlich seyn dürffen“ (Dr. F. Hondorff, 1670). Der „uralten Gerechtigkeit nach“, wie es in der ältesten überlieferten „Ordnung der Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle“ vom 3. Februar 1699 heißt, versammelten sich die Halloren alle zwei Jahre, – um zu Pfingsten nicht die Gottesandacht zu stören -, erst 10 Tage nach Pfingsten, um aus ihrer Mitte die Vorsteher und die Beutelherren zu wählen.

Für das Fest interessierten neben lokalen Kamerateams auch nationale und internationale Journalisten. Kein Wunder, schließlich sind die Halloren seit diesem Jahr „immaterielles Weltkulturerbe“. Das Bestehen der Brüderschaft ist seit 1491 beurkundet. Damit gilt sie heute als die wahrscheinlich älteste Brüderschaft im deutschsprachigen Raum, welche gegenwärtig noch besteht. Derzeit halten ca. 50 Mitglieder der Brüderschaft sowie deren Familien die Traditionen und die Geschichte der Salzwirker lebendig. So gehören die Halloren mit ihrem typischen Festkleid zum halleschen Stadtbild und sind im Alltagsleben der Stadt Halle präsent: Bei öffentlichen Schausiedeveranstaltungen im Technischen Halloren- und Salinemuseum sowie auf großen Festen der Brüderschaft und der Stadt Halle werden alte Bräuche wie das Fahnenschwenken oder das Fischerstechen gepflegt. Außerdem übernehmen die Halloren immer wieder repräsentative Aufgaben, beispielsweise zu den Neujahrsempfängen der Bundespräsidenten, zu vielfältigen Anlässen bei den jeweiligen Oberbürgermeistern der Stadt Halle oder für die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.



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