Halle erinnert an die Bücherverbrennung der Nazis

8. Mai 2013 | Vermischtes | Keine Kommentare

Mit einem Gedenktag erinnert die Stadt Halle (Saale) am 12. Mai an einen unrühmlichen Tag in der Geschichte von Stadt und Universität. Denn an jenem Tag im Jahr 1933 brannten auch auf dem Universitätsplatz in Halle (Saale) Bücher. Die Liste der geschassten Bücher wurde in Halle sogar um viele weitere Autoren ergänzt, die Stadt war also übereifrig in jenen Jahren. 140 Autoren stehen auf dem „Halleschen Generalindex“, wie Heinrich Heine, Klabund, Frank Wedekind, Albert Einstein, Carl Zuckermayer und Friedrich Hollaender.

Im Mai 1933 war die Universität auch „judenfrei“, alle jüdischen Studenten und Wissenschaftler waren suspendiert. Der Name Martin-Luther-Universität: auch ein Werk des dunkelsten Kapitels in Deutschland. Aber konsequent, Martin Luther war bekennender Antisemit. Am 23. Mai 1933 kann man in einer Zeitung lesen, dass 20 hallesche studentische Verbindungen geschlossen der NSDAP beigetreten waren.

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“, so ein Zitat aus der Tragödie Almansor von Heinrich Heine. Unter diesem Motto steht eine Gedenkveranstaltung, mit der die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und „Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage“ an die Bücherverbrennung von 1933 in Halle erinnern wollen. Zum 80. Jahrestag dieses unrühmlichen Kapitels der Geschichte wird es am Sonntag, 12. Mai 2013, auf dem Gelände der MLU ein umfangreiches
Programm geben.

Hallenser und Universitätsangehörige sind eingeladen, sich ab 15 Uhr an den Offenen Lesungen auf und um den Universitätsplatz zu beteiligen. Die Veranstaltung Wider „wider den undeutschen Geist!“ stellt Werke des Halleschen Generalindex vor, die 1933 öffentlich verbrannt wurden. Das „Lesefestival – Autoren die zu lesen sich lohnen“ gibt die Möglichkeit, eigene Bücher zu präsentieren.

Die Lesungen finden parallel in Seminar- und Hörsälen sowie auf dem Universitätsplatz statt. Eine „Offene Bibliothek“ wird auf dem Universitätsplatz an jener Stelle aufgebaut, wo vor 80 Jahren die Bücher brannten. Die Werke der verfemten Autoren von einst werden so wieder den Lesern von heute zurückgegeben. Die Freunde der Stadtbibliothek bieten einen Bücherverkauf über den Tag an. Außerdem gibt es im Audimax eine Ausstellung zur Geschichte der Bücherverbrennung in Halle.

Um 17 Uhr beginnt die Gedenkveranstaltung. MLU-Rektor Udo Sträter sowie Bürgermeister Egbert Geier werden Grußworte halten. Für die musikalische Gestaltung sorgt das Quintett Momento Musicale. Anschließend hält Reinhardt O. Cornelius-Hahn, Leiter des Projekte-Verlag Cornelius, eine Rede zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung.

Veranstaltungsüberblick
15:00 Uhr: Offene Lesungen auf dem Uniplatz, in Seminarräumen und Hörsälen; Ausstellung zur Geschichte der Bücherverbrennung in Halle (Saale) im Audimax
17:00 Uhr: Eröffnung der Gedenkveranstaltung
18:30 Uhr: Szenische Lesung im Audimax
20:30 Uhr: Bilder und Filmdokumente an der Fassade des Löwengebäudes (Projektion von Originalbildern und Filmen mit musikalischer Begleitung)

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