Gericht entscheidet über Abriss eines 500 Jahre alten Hauses

24. Oktober 2013 | Vermischtes | Keine Kommentare

Seit fast 500 Jahren steht das Haus an der Ecke Kleine Steinstraße / Brüderstraße. Über die Jahrhunderte folgten diverse Umbauten. Und nun droht der Abriss des Baudenkmals.

Am kommenden Dienstag nun wird sich das Verwaltungsgericht Halle (Saale) in einer öffentlichen Verhandlung mit dem Schicksal des Renaissancehauses Brüderstraße 7 befassen ungewiss. Der derzeitige Eigentümer hatte den Abriss beantragt, scheiterte damit aber bei der Oberen Denkmalschutzbehörde im Landesverwaltungsamt. Dagegen zog er vor Gericht.

„Der Abriss des Denkmals wäre ein sehr empfindlicher Verlust für die hallesche Denkmallandschaft, handelt es sich doch um eines der letzten erhaltenen Fachwerkhäuser aus dem 16. Jahrhundert in Halle“, beklagt der Arbeitskreis Innenstadt (AKI), der sich seit Jahren um die Rettung des Hauses bemüht und dem Eigentümer sogar ein notarielles Kaufangebot unterbreitet hat. Die Finanzierung sei dank zahlreicher Unterstützer gesichert.

Zur Geschichte
Erbaut wurde das Fachwerkhaus im niedersächsischen Stil in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, die älteren vorhandenen Kelleranlagen wurden dabei einbezogen. Nicht zu verkennen ist die Ähnlichkeit zum Haus Kleine Ulrichstraße 33 (Gasthaus Alt-Halle). Wegen Kriegsschäden fehlen Teile von Dach- und 2. Obergeschoss. Die einstige Pracht lässt sich nur noch erahnen.

Erster erwähnter Besitzer in der Mitte des 16. Jahrhundert ist das angesehene Mitglied des halleschen Stadtbürgertums Andreas Grundtmann, der seit spätestens 1554 Bürger geworden ist. Ab 1615 erwirbt Melchior Hoffmann das Grundstück für den relativ hohen Preis von 1500 Gulden. Er ist Jurist u.a. am kaiserlichen Kammergericht in Speyer sowie seit 1620 Schultheiß in Halle. Ab 1623 diente das Haus eventuell als Administrationsstube im Dienste des Administrators (und Stadtherrn) Christian Wilhelm von Brandenburg. Im 19. Jahrhundert kam es in den Besitz verschiedener Brauereien und wurde als Gasthaus genutzt.

Die steinerne Tafel mit einer Größe von ca. 60 mal 60 Zentimetern stellt das Wappen des Markgrafen Christian Wilhelm von Brandenburg (1587-1665) dar, der zu Beginn des 17. Jh. als Administrator des Erzstiftes Magdeburg in Halle regierte.

Im Jahr 1953 geriet die Gaststätte “Zum Markgrafen” mitten in bedeutende politische Ereignisse hinein – in den Volksaufstand des 17. Juni. Falls der Wirt Walther Meye schon um die Mittagszeit in der Kneipe anwesend war, konnte er beobachten, wie sich Demonstranten in der Kleinen Steinstraße vor seiner Gaststätte versammelten, um die Freilassung politischer Häftlinge aus der Haftanstalt II zu erwirken. Später wurde die Kneipe als „Marktwirtschaft“ bekannt.

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