Gedenktafel für Professor Hermann Goltz

26. November 2012 | Vermischtes | 1 Kommentar

Hermann Golz war ein hervorragender Verfechter der Ökumene, hob Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados hervor: am Montagvormittag wurde in der Schleiermacherstraße am ehemaligen Wohnhaus des Theologen und Uni-Professors eine Gedenktafel angebracht. Vor einem Jahr hatte Stadträtin Sabine Wolff (Neues Forum) den Vorschlag unterbereit, Hermann Goltz für seine wissenschaftlichen, theologischen und gesellschaftlichen Leistungen zu würdigen.

Seine Verdienste um die Ökumene drücke sich auch durch die Anwesenheit das evangelischen Superintendends Hans-Jürgen Kant und des Alt-Bischofs Axel Noack aus. Insbesondere auf den kulturellen Austausch mit Armenien und Russland habe Goltz Wert gelegt, so Szabados. Auch die Gründung der orthodoxen Kapelle in den Franckeschen Stiftungen gehe auf Golz zurück, „und die ist uns ganz besonders lieb, weil es ganz im Sinne August Hermann Franckes eine Öffnung darstellt, eine Verbindung in die Welt.“

In diesem Zusammenhang äußerte Szabados noch die Hoffnung, dass in Halle ein Kreuzstein in Gedenken an den armenischen Völkermord im osmanischen Reich aufgestellt wird. Auch hierzu hatte Goltz geforscht. Je nach Quelle ist von 300.000 bis 1,5 Millionen Opfern die Rede, wie während der Deportationen und Todesmärsche zwischen 1915 bis 1917 ums Leben kamen. Das ganze hat auch eine politische Dimension. Eine Resolution im Bundestag sprach nur von Vertreibung und Massaker, um die türkische Seite nicht zu verärgern. Auch im halleschen Stadtrat wird gerade um eine Formulierung gerungen. Die Gedenktafel an Goltz spricht von Völkermord. „Es war Völkermord“, positionierte sich auch Dagmar Szabados noch einmal, „wir sind nicht das Außenministerium und müssen nicht auf auswärtige Verwicklungen achten“, sagte sie. Eine Alternative wäre noch, der Rat beschließt nur die Aufstellung des Kreuzsteins und die armenische Gemeinde kümmert sich um den Text. „Doch das wäre inkonsequent“, so Szabados.

Ebenfalls zur Enthüllung der Gedenktafel war Staatsministerin Cornelia Pieper gekommen. Sie lobte, dass man durch Golz in der deutschen Außenpolitik neue Akzente habe setzen können. Anwesend waren zudem der Stadtratsvorsitzende Harald Bartl, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Max Privorotzki, Uni-Rektor Udo Sträter und der Direktor der Franckeschen Stiftungen Thomas Müller-Bahlke.

Hermann Goltz (1946-2010) hat als evangelischer Theologe und Universitätsprofessor die Ökumene mit den Kirchen des Ostens und den wissenschaftlich-kulturellen Austausch mit Russland und Armenien gefördert. Er war Gründer des Dr. Johannes-Lepsius-Archivs 1982 und des MESROP Zentrums für Armenische Studien. Goltz war Mitinitiator der Resolution des Deutschen Bundestages im Jahre 2005 zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern.

Text auf der Tafel:
Hier wohnte von 1975 bis 1995 Prof. Dr. Dr. h. c. Hermann Goltz (1946-2010), Evangelischer Theologe und Universitätsprofessor, bedeutender Förderer der Ökumene mit den Kirchen des Ostens und des wissenschaftlichkulturellen Austauschs mit Russland und Armenien, Gründer des Dr. Johannes-Lepsius-Archivs und des MESROP Zentrum für Armenische Studien, Initiator des Wiederaufbaus des Lepsiushauses in Potsdam, Mitinitiator der Resolution des deutschen Bundestages 2005 zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern 1915 in der osmanischen Türkei, Ideengeber zur Einrichtung und Ausgestaltung der ersten orthodoxen Kirche in Sachsen-Anhalt, Franckesche Stiftungen Halle.“

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