Gedenken zum Ewigkeitssonntag in Halle

25. November 2012 | Vermischtes | Keine Kommentare

Mit Gedenkgottesdiensten, Konzerten und musikalischen Andachten wurde am Sonntag in verschiedenen halleschen Kirchgemeinden an die im Kirchenjahr Verstorbenen erinnert. So wurde in den Andachten in die verstorbenen Gemeindeglieder des letzten Kirchenjahres erinnert, ihre Namen wurden verlesen und Kerzen angezündet.

In der Mötzlicher Kirche St. Pankratius wurde zudem an die Opfer der Konzentrationslager der Nationalsozialisten erinnert. Tausende Fremd- und Zwangsarbeiter mussten in den Siebel-Flugzeugwerken arbeiten und waren in vier Lagern – davon eines als Außenstelle des KZ Buchenwald – auf dem Gebiet Mötzlichs von August 1944 bis April 1945 untergebracht. Seit 2008 wird am Friedhofskreuz des Mötzlicher Friedhofs der Toten gedacht.

Am Friedhofskreuz wurden Kerzen abgestellt. “Damit diese Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten”, sagte Pfarrerin Grietje Neugebauer. Sie zeigen zudem, dass die Verstorbenen im Gedächtnis weiterleben. Erinnert hat Pfarrerin Neugebauer aber auch an jene, die den Mut hatten, den Nationalsozialisten zu widerstehen. „Wir müssen eingestehen: in den Kirchen waren es nur wenige, die widerstanden.“

Der Ewigkeitssonntag oder Totensonntag ist in der evangelischen Kirche in Deutschland ein Gedenktag für die Verstorbenen. Als letzter Sonntag vor dem ersten Advent beendet er das Kirchenjahr. Am Ewigkeitssonntag ist es üblich, Friedhöfe zu besuchen und Gräber zu schmücken. In Gottesdiensten wird der im vergangenen Kirchenjahr Verstorbenen gedacht und in Gebeten der Hoffnung um Auferstehung Ausdruck verliehen.

In allen Kulturen, Religionen und Konfessionen nimmt das Totengedenken einen wichtigen Platz ein und gehört zum menschlichen Zusammenleben. Allerdings lehnten die Reformatoren den katholischen Seelenkult ab und schafften das Allerseelenfest (2. November) in den evangelischen Kirchen ab. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ordnete 1816 an, jeweils am letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem letzten Sonntag vor dem 1. Advent, der Verstorbenen zu gedenken. Dieser Feiertag wurde schnell von anderen evangelischen Landeskirchen übernommen, der Totensonntag ist also in gewisser Weise das evangelische Gegenstück zur Feier von Allerseelen.

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