Gedenken an die Bücherverbrennung vor 81 Jahren in Halle

12. Mai 2014 | Vermischtes | 1 Kommentar

Heute vor 81 Jahren brannten auch auf dem Universitätsplatz in Halle (Saale). Die halleschen Nazis gingen sogar noch weiter als in anderen Städten. Hier wurde die Liste der geschassten Bücher um viele weitere Autoren ergänzt, die Stadt war also übereifrig in jenen Jahren.
Bücherverbrennung7
Ab Mitte Februar 1933 wurden Schulbüchereien nach gemäß der NS-Ideologie geschichtlich nicht geeigneten Werken durchgesehen. Im März folgte die groß angelegte Säuberungsaktion „Wider den undeutschen Geist!“ Im April ist in einer halleschen Zeitung zu lesen, dass die deutsche Studentenschaft vom 12. April bis 10. Mai einen „Aufklärungsfeldzug wider den undeutschen Geist“ veranstaltet. Auf öffentlichen Anschlägen wird in 12 Thesen der treibende Geist dokumentiert. Die braune Studentenschaft in Halle ging zunächst aktionistisch und hysterisch vor, ändert später jedoch ihre Taktik. Studierende befragten Buchhändler und Bibliothekare, welche Bücher jüdischer, marxistischer und sonst „volkszersetzender“ Autoren am meisten gekauft bzw. ausgeliehen wurden.

140 Autoren stehen auf dem “Halleschen Generalindex”, wie Heinrich Heine, Klabund, Frank Wedekind, Albert Einstein, Carl Zuckermayer und Friedrich Hollaender. Einen Teil der Werke hat die Stadtbibliothek heute in ihrem Besitz. Doch auch dem Förderverein ist es nicht gelungen, alle damals geächteten und verbrannten Werke ausfindig zu machen.

Im Mai 1933 war die hallesche Universität auch “judenfrei”, alle jüdischen Studenten und Wissenschaftler waren suspendiert. Der Name Martin-Luther-Universität: auch ein Werk des dunkelsten Kapitels in Deutschland. Aber konsequent, Martin Luther war bekennender Antisemit. Am 23. Mai 1933 kann man in einer Zeitung lesen, dass 20 hallesche studentische Verbindungen geschlossen der NSDAP beigetreten waren.

Zum Gedenken an das unrühmliche Kapital der Saalestadt wurde am Montag auf dem Uniplatz aus den Werken der von den Nazis verbotenen Werken gelesen wie Erich Kästner, Carl von Ossietzky, Heinrich Heine, Karl Marx und Kurt Tucholsky.

„Die Drohung, mit der die Fackel in den Bücherstapel fliegt, gilt nicht dem Juden Freud, Marx oder Einstein, sie gilt der europäischen Kultur, sie gilt den Werten, die die Menschen mühsam hervorgebracht und die der Barbar anhaßt, weil er halt barbarisch ist, unterlegen, roh, infantil.” Arnold Zweig

„Verbrennt mich…! Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht , zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbande gelangen. Verbrennt die Werke des deutschen Geistes. Er selber wird unauslöschlich sein wie eure Schmach.” Oskar Maria Graf

„Die Flammen, die zuerst über dem Bücherhaufen prasselten, verschlangen später im Feuersturm unsere Städte und die Menschen selbst. Nicht der Tag der Bücherverbrennung allein muß im Gedächtnis behalten werden, sondern diese Kette von dem Lustfeuer an diesem Platz über die Synagogenbrände zu den Feuern vom Himmel auf die Städte.” Peter Suhrkamp


Print Friendly, PDF & Email
Ein Kommentar

Kommentar schreiben