Für 2,4 Millionen Euro: neuer OP am Uniklinikum

8. Juli 2013 | Vermischtes | 1 Kommentar

Am Montag wurde im Universitätsklinikum in Halle (Saale) ein neuer Hybrid-OP eingeweiht. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff war zur Eröffnung dabei.

Der so genannte Hybrid-OP vereint die Anwendung von interventionellen katheterbasierten Techniken, verbesserte radiologische Verfahren und minimalisierte Operationstechniken. Im Hybrid-OP werden die hygienischen und funktionellen Bedingungen eines Operationssaales mit einer leistungsfähigen Angiographieeinheit (Gefäßdarstellung) und modernen Möglichkeiten der Bildgebung vereint.

Die Zusammenführung chirurgischer und interventioneller Verfahren ermöglicht die Durchführung bisher getrennter Behandlungsschritte in einem Verfahren, bei einer deutlich verbesserten Eingriffsqualität, verbunden mit einer Reduzierung der OP-Risiken. Der operativen Fachgebieten stehen damit unterschiedlichste Therapieoptionen zur Verfügung, die für jeden Patienten individuell zugeschnitten werden können, um das jeweils beste Behandlungskonzept zur Anwendung zu bringen. Besonders die Herz- und Thoraxchirurgen und die Kardiologen des Universitätsklinikums werden den Hybrid-OP beispielsweise in der Herzklappen- und Bypasschirurgie einsetzen. Aber auch weitere chirurgische Fächer nutzen die moderne Behandlungseinheit.

Das für das UKH angeschaffte Gerät kostete 1,39 Millionen Euro. Hinzu kamen Kosten für die Herstellung der notwendigen baulichen Gegebenheiten von etwa 960.000 Euro. Der Kauf des Gerätes wurde zu 100 Prozent durch die Großgeräteförderung des Landes finanziert. Auch die Kosten der anfallenden Baumaßnahmen trägt das Finanzministerium des Landes Sachsen-Anhalt zu 100 Prozent.

Das Betreiben eines Hybrid-OPs eröffnet die Möglichkeit der Bevölkerung vor Ort modernste Therapieverfahren anzubieten. Diese Verfahren bedienen sich sowohl herzchirurgischer Techniken (Bypass in Off-pump-Technik auf die Hauptgefäße des Herzens) als auch in derselben Sitzung kardiologischen Techniken (Dilatation und Stenting von kleineren Herzkranzgefäßen, insbesondere an der Hinterwand des Herzens bzw. der rechten Kranzarterie). Hierzu ist ein Hybrid-OP Voraussetzung.

Neben der OP-Einweihung fand am Montag an der Uniklinik auch der Startschuss für das Regionale Herzinfarktregister Sachsen-Anhalt (RHESA) statt. Die Herzinfarktsterblichkeit liegt in Sachen-Anhalt um 43 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. Damit nahm Sachsen-Anhalt bundesweit die Spitzenposition ein. Bisher liegen aber keine standardisiert erhobenen Daten zur Ursache dieser erhöhten Mortalität vor.

Das Ziel der Landesregierung ist es, in einer städtischen und einer ländlichen Wohnbevölkerung des Landes Sachsen-Anhalt eine regionale bevölkerungsbezogene Herzinfarktregistrierung zu etablieren, um zu untersuchen, durch welche strukturellen und prozessualen Größen sich die überdurchschnittlich hohe Sterblichkeit am akuten Myokardinfarkt im Land Sachsen-Anhalt erklären und durch welche Maßnahmen sie sich gezielt beeinflussen lässt. Die beiden Medizinischen Fakultäten in Sachsen-Anhalt in Halle (Prof. Dr. Andreas Stang; Leiter des Instituts für Klinische Epidemiologie) und Magdeburg (Prof. Dr. Bernt-Peter Robra; Leiter des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie) betreuen gemeinsam das RHESA-Register. Die Studienzentrale befindet sich in Halle an der Medizinischen Fakultät.

Überlebte Infarkte werden durch 15 meldende Krankenhäuser an das RHESA übermittelt. Tödliche Infarkte werden von Gesundheitsämtern der Registerregion in Kooperation mit den leichenschauenden Ärzten und Hausärzten an das RHESA gemeldet. Das RHESA bietet eine Basis für gezielte Präventionsmaßnahmen, eine verbesserte Gesundheitsberichterstattung, eine Stärkung der epidemiologischen Versorgungsforschung, eine langfristige Senkung der Herzinfarktmortalität in Sachsen-Anhalt und eine Vergleichbarkeit mit etablierten Herzinfarktregistern.

Für Patienten mit Herz-Erkrankungen ist es besonders wichtig, auf höchstem medizinischem Niveau zeitnah und effektiv behandelt zu werden. Der neue Hybrid-OP des Universitätsklinikums wird dazu einen großen Beitrag im südlichen Sachsen-Anhalt leisten.

Durch die vorhersehbaren demografischen Veränderungen wird der Bedarf an minimal-invasiven chirurgischen Techniken für die Versorgung insbesondere der älteren multimorbiden Patienten stark steigen. Mit dem Hybrid-OP kann dementsprechend sowohl die Patientenversorgung gerade auch dieser Versorgungsgruppe in Sachsen-Anhalt wesentlich verbessert bzw. auf dem bisher hohen Niveau fortgesetzt werden und zum anderen wissenschaftliche Projekte zum Thema entsprechend fortgeführt werden.

Bezüglich wissenschaftlicher Fragestellungen in der Altersmedizin ist das Universitätsklinikum Halle (Saale) bereits besonders ausgewiesen. Der Hybrid-OP ermöglicht in diesem Zusammenhang die Weiterentwicklung neuartiger Operationsmethoden bei älteren multimorbiden Patienten. Auch die Ausbildung der Assistenten und Studenten in den entsprechenden Lehrinhalten wird dadurch verbessert. Dabei könnte der Hybrid-OP eine Schnittstelle für die Ausbildung von jungen herzchirurgischen und kardiologischen, aber u. a. auch neurochirurgischen Assistentinnen und Assistenten werden.

(Foto: Uniklinik)

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