Friesenschule: Eltern werfen Stadtverwaltung Untätigkeit vor

10. April 2014 | Vermischtes | 1 Kommentar

Gestern Abend kamen zahlreiche Eltern der Schüler der Friesen-Grundschule sowie Vertreter der Stadtverwaltung von Halle (Saale) im Herder-Gymnasium zusammen. Eingeladen hatte Claudia Kettmann, die Vorsitzende des Schulelternrates der Grundschule Friesen. Geplant war, den aktuellen Stand der Dinge bezüglich der anstehenden Sanierungsmaßnahmen den Eltern vorzustellen.

2014-04-09 - infoveranstaltung friesenschule 001Der jetzige Planungsstand der Stadt sieht vor, die Schülerinnen und Schüler für die Zeit der Sanierungsmaßnahmen in die etwa 5 Kilometer entfernte Ottostraße Am Rosengarten umziehen zu lassen. Die Betreuung im Hort soll während der Schulzeit von 06:00 Uhr bis 17:30 Uhr und in den Schulferien von 07:00 Uhr bis 17:00 Uhr gewährleistet sein. Die Stadt sicherte auch zu, dass erhöhte Betreuungskosten übernommen würden, falls diese entstünden. Allerdings sei der Transport zum Frühhort in Eigenregie der Eltern zu organisieren, auch wenn der Hort für die Zeit der Sanierung nun ebenfalls 5 Kilometer weiter weg, am anderen Ende der Stadt liege. Wo die Einschulungsfeier für die neuen Erstklässler stattfinden solle sei nun auch klar: im Auslagerungsobjekt.

Im Anschluss daran wurde nochmals der Werdegang der Planungen erläutert. Hier kam mehrfach die Frage auf, warum die Stadtverwaltung nicht eine Lösung mit Hilfe einer Containerschule in Betracht gezogen hätte. Die laut einem Kostenvoranschlag entstehenden Kosten von etwa 700.000 Euro sowie die schwierige Standortsuche wurden als Begründung angeführt. Der nächstgelegene Standort wäre der Roßplatz (Paracelsusstr./Berliner Straße) gewesen, dieser sei jedoch zumindest zeitweilig an einen Zirkus vermietet. Für Verwunderung sorgt in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass der durch die Stadt eingeholte Kostenvoranschlag nach Informationen mehrerer Eltern noch keine Woche alt sein soll, obwohl schon sehr früh in der Planungsphase eine Containerschule als Lösung in die Diskussion eingebracht worden war. Trotz der Kürze der Zeit konnten die Elternvertreter einen eigenen Kostenvoranschlag einholen: 500.000 Euro Netto.

2014-04-09 - infoveranstaltung friesenschule 002Blieb noch die Frage nach dem Bustransfer der Kinder zur Ausweichschule, welcher sich im Laufe des Abends als Dreh- und Angelpunkt herausstellen sollte. Hierfür hatte die Stadt von den Elternvertretern belastbare Zahlen verlangt, um den Bedarf richtig einschätzen zu können. Die Zahlen der durchgeführten Umfrage wurden an die Stadt übergeben und wortlos entgegen genommen. Den Eltern konnten zwei denkbare Abfahrtsorte für die Fahrten zum Ausweichobjekt genannt werden. Einmal sei dies die Magdeburger Straße unmittelbar vor dem Hotel „Am Steintor“, zum anderen sehe man eine Möglichkeit in der Krausenstraße einen Haltepunkt einzurichten. Auch die Ankunft bzw. Abfahrt in der Ottostraße sei unproblematisch, da man direkt vor dem Ausweichgebäude halten könne. Bei der Frage der Abfahrtszeiten stehen bisher nur diejenigen nach Schulschluss fest: 15:45 Uhr und 16:45 Uhr.

Damit war das Thema Bustransfer jedoch nicht beendet. In den Ausführungen von Claudia Kettmann war immer wieder zu hören, dass man die Herangehensweise der Stadt in diesem Punkt weder nachvollziehen könne, noch damit einverstanden sei. Die Fragen nach der Abfahrtszeit am Morgen und der Begleitung der Kinder während der Fahrten seien immer noch unklar. Die Eltern fordern eine Abfahrt um 07:15 Uhr, damit der Unterricht nicht zu spät beginnt und so den gesamten Tagesablauf durcheinander bringt. Die Stadt favorisiert eine Abfahrt um 07:45 Uhr, unter anderem mit dem Hinweis, dass in den frühen Morgenstunden die Kapazitäten der Transportunternehmen ohnehin schon so gut wie ausgelastet seien. Auch zur Frage der Aufsicht während der Fahrten konnte keine für die Eltern befriedigenden Aussage getroffen werden. Zwar bestehe unter Umständen zumindest bis Ende dieses Jahres die Möglichkeit Begleitpersonal über das Jobcenter zur Verfügung zu stellen, was danach geschehe sei aber weiterhin unklar. Frau Dr. Christine Radig, Leiterin der Abteilung Schule und Service im Fachbereich Bildung, betonte erneut, dass während einer Schülerbeförderung mit einem Schulbus kein rechtlicher Anspruch auf eine Begleitung bestünde.

Frau Draba, eine anwesende Mutter, sagte den anwesenden Vertretern der Stadt auf dem Podium hierzu: „Sie sind dafür Verantwortlich unsere Kinder pünktlich und sicher zur Schule zu bringen.“ Wer eine Sanierung plane und durchführe, könne nicht die Folgen außer Acht lassen und sich darum nicht kümmern. Der Verantwortung gegenüber den Bürgern dieser Stadt müssten sie gerecht werden, man lebe schließlich nicht auf einem Dorf, wo die Kinder jeden Tag 5 Kilometer zu Schule fahren müssen. „Oder wollen sie jetzt die Stadt Halle als Dorf deklarieren?“ Frau Draba machte die Mitarbeiter der Stadtverwaltung darauf aufmerksam, dass sie eben genau für diese Stadt und ihre Bürger arbeiten. Sie habe bereits Kontakt zu einem Anwalt aufgenommen und erwäge auch eine Klage gegen die Stadtverwaltung. Immer wieder stellte sie die Frage, was die Stadtverwaltung in den vergangenen vier Monaten gemacht hätte nachdem entschieden worden sei, dass die Schüler der Friesenschule umziehen müssten. „Kommen sie doch mal mit etwas Konkretem!“, forderte Sie.

2014-04-09 - infoveranstaltung friesenschule 003Auch der Vorsitzende des Stadtelternrates, Thomas Senger, unterstützte die Eltern. „Solange nicht sicher ist, wie Ihre Kinder in die Schule kommen, stimmen Sie (den Plänen der Stadt, d. Red.) nicht zu“, sagte er den Anwesenden. Frau Dr. Radig antwortete daraufhin, dass die Zustimmung der Eltern nicht erforderlich sei, was mit ablehnender Unruhe im Publikum quittiert wurde.

Oliver Paulsen aus dem Büro von Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand versuchte die Wogen etwas zu glätten. Es gehe wie bei vielen Dingen auch in diesem Fall um die Abwägung verschiedener Interessen. Einige Eltern fragten, ob die Beförderung auch in Situationen gewährleistet sei, in denen ein Kind außerplanmäßig den Bus nehmen müsse. Hierzu sagte Herr Paulsen: „Sie können sicher sein, dass kein Kind stehen gelassen wird.“ Er fügte hinzu, dass die Stadt keine eigenen Busse habe und die Eltern an dieser Stelle nicht mehr erwarten könnten. Allerdings sicherte er zu, dass die Ausschreibung für den Beförderungsauftrag mit der gewünschten Abfahrtszeit 07:15 Uhr erfolgen wird.

Nach mehr als anderthalb Stunden endete die Veranstaltung, doch viele Eltern waren einfach nur enttäuscht. Die Beteiligung der Vertreter der Stadtverwaltung hätte keine neuen Erkenntnisse gebracht. Aufgebrachte Mütter und Väter ließen ihrem Unmut in Gesprächen mit HalleSpektrum freien Lauf. Ein Vater verließ den Saal mit den Worten: „Nichts machen die für die Kinder. Nichts. Die Lügen Dir doch einfach so ins Gesicht.“

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