Franckesche Stiftungen: der lange Weg zum UNESCO-Weltkulturerbe

1. Mai 2013 | Vermischtes | Keine Kommentare

Mit 4 Talern und 16 Groschen legte August Hermann Francke im Jahr 1695 den Grundstein für die Glauchschen Anstalten, die heutigen Franckeschen Stiftungen. Mehr als 300 Jahre später soll dieses Vermächtnis nun zum UNESCO-Weltkulturerbe werden.

Im Januar traf sich zum ersten Mal das achtköpfige Nomination-Team unter Leitung von Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh. Seit dem habe es monatliche Treffen gegeben, so Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke. Am Dienstag stellte er der Stadtverwaltung auf der Beigeordnetenkonferenz die Schritte auf dem Weg zum Weltkulturerbe vor. 1998 erfolgte demnach die Aufnahme in die Tentativliste, Ende 2011 dann die Nominierung durch die Bundeskultusministerkonferenz. Im vergangenen Jahr standen Abstimmungen mit dem Land über das Antragsverfahren an, seit Juni 2012 steht nun der Fahrplan. Und der ist sportlich. Immerhin müssen nun 300 Seiten ausgearbeitet sein, die man spätesten zum 1. April 2014 dem Land vorlegen will. Dann habe das Land drei Monate Zeit zur möglichen Überarbeitung, Mitte August werde der Antrag dann bei der Beauftragten der Kultusministerkonferenz vorgelegt. Am 30.9.2014 soll der Antrag dann in Paris beim Welterbekomitee zur Vorprüfung vorgelegt, dann könnte es noch Ergänzungswünsche geben. Zum 1.2.2015 folgt dann die definitive Einreichung. „Und ab dann die Evaluierung“, so Müller-Bahlke. „Im Juni oder Juli 2016 erwarten wir die Entscheidung zur Aufnahme.“

Unter anderem wolle man, so Müller-Bahlke, die Authentizität und Unvergleichbarkeit darlegen. Acht internationale würden Fachbeiträge und interdisziplinäre Vergleichsstudien beisteuern, ein Managementplan müsse erarbeitet werden. Laut Stiftungsdirektor strebe man die Einschreibung nach den Kriterien 4 und 6 an. Die Chancen stünden gut, denn es gebe kaum protestantische Stätten in der Welterbeliste. Und die Franckeschen Stiftungen seien ein „weltweit einzigartiges Beispiel pädagogischer Zweckarchitektur.“ Als Kernzone für den Antrag sollen das Waisenhaus und die Gebäude am Lindenhof eingereicht werden. In der Pufferzone liegen unter anderem das Francke-Denkmal und das frühere Königliche Pädagogium, in dem heute die Montessorischule untergebracht ist. Ebenso zählen Waisenhausbuchhandlung, Francke-Wohnhaus, Vorplatz, Druckerei und das Brau- und Backhaus dazu.

Müller-Bahlke zeigte sich zufrieden mit der Zusammenarbeit mit der Stadt, Oberbürgermeister Bernd Wiegand hatte explizit danach gefragt. „Wir sind froh darüber, dass die Stadt von Anfang an an der Erarbeitung beteilt war.“ Bis jetzt funktioniere die Zusammenarbeit sehr gut. Er wünsche sich, dass die Stiftungen und ihr Antrag auch weiterhin ernst genommen werden. Hier kann er auf den Rückhalt von OB Wiegand setzen. „In der Stadt gibt es viele Bewerbungsverfahren, aber keines ist so wichtig wie das der Franckeschen Stiftungen“, so das Stadtoberhaupt. Müller-Bahlke lobte dieses „klare, ermutigende Signal.“ Denn der Bewerbungsprozess könne nur gemeinsam mit der Stadt erfolgreich zu Ende geführt werden.

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