Fähranleger, Campingplatz, Wassertaxis: Politik diskutiert Wassertourismus-Konzept

11. März 2015 | Vermischtes | 1 Kommentar

Am Dienstag wurde erstmals über das Wassertourismuskonzept der Stadtverwaltung diskutiert. Das sieht unter anderem einen neuen Fähranleger am MMZ, 50 weitere Liegeplätze für Kajüt- und Sportboote am Sophienhafen, einen Campingplatz am Sandanger, einen Zeltplatz auf der Saline, neue Slipanlagen sowie Wassertaxis.

In rot: geplante Einrichtungen In blau: vorhandene Einrichtungen

In rot: geplante Einrichtungen
In blau: vorhandene Einrichtungen


Christian Feigl (Grüne) bezeichnete den Sophienhafen als falschen Standort. Auch die Öffnung der Elisabethsaale sei nicht zu empfehlen, die dort geplante Umtragemöglichkeit für kleine Boote durch das Gefälle nicht praktikabel. Simone Trettin von der Stadtverwaltung nannte die Häufung der Schleusen in Halle ein Problem. Es gebe fünf Stück davon, und die seien noch nicht automatisiert. Den Sophienhafen verteidigt sie. Doch damit dieser funktioniere, müsse die neue Fußgängerbrücke an der Franz-Schubert-Straße her. Stadtmarketing-Chef Stefan Voss hält den Biwak-Platz an der Saline für von ganz zentraler Bedeutung, sagte er in der Beigeordnetenkonferenz. Der bestehende Campingplatz am Nordbad in Trotha sei zwar schön, aber dezentral. Oberbürgermeister Bernd Wiegand legt seine Priorität auf den Bau eines Anlegers am Multimediazentrum.

Geplant ist mittelfristig auch die Öffnung des Mühlgrabens für kleine Boote wie Paddler. Doch hier erweisen sich die Neumühle und die Steinmühle als Problem. Beide sind in Privatbesitz. Und damit ein Durchfahren möglich wird, sind Umbauten nötig. Vorgesehen im Konzept ist auch eine neue Brücke in Trotha im Bereich der Papiermühle. Doch dieses Vorhaben könnte mit dem dort geplanten Wasserkraftwerk kollidieren. Zu dem Standort der Brücke gebe es Alternativen, meint Baudezernent Uwe Stäglin, im April werde man den Gremien Vorschläge unterbreiten.

Auch Umweltschützer beobachten die Pläne der Stadtverwaltung. Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) sieht in dem Planungspapier „die klare und deutliche Zielrichtung, Umwelt, Landschaft und Natur den Bedürfnissen des Tourismus unterzuordnen.“ Dabei sei es erforderlich den Tourismus in die Schutzbedürfnisse dieser sehr bedeutsamen, arten- und strukturreichen Natur- und Landschaftsräume einzuordnen. An den Plänen sei Skepsis angebracht. Es sehe danach aus, dass die Paddler in die Nebenarme abgeschoben werden sollen, um den schnellen und langsamen Motorbooten auf den Saalehauptarmen den freien Raum zu überlassen. „Die gegenwärtigen Abgas- und Lärmbelästigungen, einhergehend mit massivem Wellenschlag, tragen schon jetzt zu massiven Störungen im Landschaftsschutzgebiet und an den NSG bei“, so der AHA. „Ebenso katastrophal wäre eine Ausweitung der Steganlagen und Stellplätze entlang der Saale. Der bisherige Wildwuchs an Salinehalbinsel, unterhalb der Burg Giebichenstein sowie in Brachwitz und Salzmünde sind abschreckende Beispiele genug. Hier sieht der AHA noch immer die verantwortlichen Behörden in der Pflicht endlich Rückbaumaß-nahmen und Eindämmungen der Auswüchse zu veranlassen.“ Ähnliche Auswirkungen sieht der AHA auch durch angedachte Brücken zwischen Salinehalbinsel und dem Sandanger sowie zwischen der früheren Papierfabrik in Halle-Kröllwitz und dem Forstwerder in Halle-Trotha. Kritisiert wird auch eine Umtragestelle für Paddelboote am Pulverweidenwehr. „In den Plänen der Stadt Halle (Saale) kommen Natur und Landschaft nur als Bauland sowie maximal als Kulisse für zunehmenden Boots- und Schiffsverkehr vor.“

Print Friendly, PDF & Email