Erinnerung zur Pogromnacht an ermordete jüdische Hallenser

9. November 2012 | Vermischtes | Keine Kommentare

Am 9. November 1938 brannte auch in Halle (Saale) die Synagoge, jüdische Geschäfte wurden geplündert. In der Folge kamen hunderte Hallenser in Konzentrationslager, wurden dort oft ermordet. Einigen gelang die Flucht.

Mit einer Gedenkveranstaltung auf dem Jerusalemer Platz wurde am Freitag, 74 Jahre nach den damaligen Geschehnissen, an die Opfer der sogenannten Reichspogromnacht erinnert. An dieser Stelle hatte einst die Synagoge gestanden.

Bildungsdezernent Tobias Kogge erinnerte in seiner Rede an das Schicksal des Anwalts Albert Müller, dessen Name 1933 aus dem Anwaltsregister gelöscht wurde. 1938 kam er ins KZ Sachsenhausen, kam dann als Zwangsarbeiter im Straßenbau nach Halle zurück. „Das passierte alles öffentlich“, mahnte Kogge. Am 3. Juni 1942 wurde er zusammen mit seiner Frau Else in Sobibor ermordet. Auch die dritte Generation nach den damaligen Geschehnissen sollte die Mahnung und Erinnerung wachhalten, sagte Kogge. Er wies auch auf die vielen Stolpersteine in der Stadt hin, die an ermordete Juden erinnern. Sein Appell: es den anderen sagen, Freunde und Bekannte an die Hand nehmen und zu den Stolpersteinen laufen. „Geht durch die Stadt und mahnt.“

Pfarrer Magnus Koschig von der Katholischen Pfarrei Halle-Nord wies darauf hin, dass alles damals mit der Gleichgültigkeit gegenüber Anderen begann. Die Christen hätten über Jahrhunderte den Weg für Antisemitismus bereitet, in dem sie Juden zum Mörder Jesu machten. „Was geschehen ist kann kein Wort der Welt zurücknehmen“, sagte er. Koschig regte aber auch an in einer Zeit, in der nur oberflächlich getwittert und gechattet werden, eine Kultur zu schaffen die den leisen Tönen eine Stimme gibt.“

„Jeder Mensch lebt in der Gegenwart, kennt aber die Zukunft nicht“, mahnte Max Privoritzki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde. Er wies darauf hin, dass das Urteil zur Beschneidung zeige, dass Deutschland „von unglaublicher Intoleranz nicht befreit“ sei. Viele wollen offenbar nicht akzeptieren, dass es Menschen gibt die anders sind. Privorotzki wies auf Studien hin, wonach 20% der Deutschen antisemitische Tendenzen haben. „Man zwingt niemanden Juden zu mögen, man muss aber tolerant sein“, sagte er. In diesem Zusammenhang kritisierte er beispielsweise Boykottaufrufe für israelische Produkte, die der mit dem „Judenboykott“ der Nationalsozialisten verglich.

Abends gab es dann doch eine Aktion von Friedenskreis Halle e.V. und IG Metall Halle-Dessau. Direkt an der Stelle, an der sich früher der Eingang zur Synagoge befand, erinnern heute 16 Stolpersteine an 16 jüdische Schicksale. Mit der Zeit hatte sich aber immer mehr Schmutz abgelagert. Deshalb griffen die Teilnehmer Freitagabend zur Putzmittel und Lappen, um die Stolpersteine wieder für Jedermann gut lesbar zu machen.

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